Grünen Sprit gibt es nicht

Lebensmittel sind in aller Munde. Die einen wollen, dass weniger von ihnen auf den Müll wandern. Die anderen wollen, dass weniger von ihnen in den Tank fließen. Wieder andere; nämlich die, die mit Biokraftstoff ihre Kasse füllen, wollen mehr Agrarstoffe für die Benzinproduktion nutzen. Und dann sind da noch 900 Millionen Menschen, die weltweit an Hunger leiden.

In einem Punkt kann es keine zwei Meinungen geben: Lebensmittel gehören auf den Teller statt in den Tank oder auf den Müll. Dass aber mit Müll Autos angetrieben werden, ist eine Idee, die die EU-Kommission gestern auf den Tisch gelegt hat. Statt auf wertvollen Mais oder gehaltvolles Getreide zurückzugreifen, sollen mehr Pflanzenreste wie Algen oder Stroh als Motorenantrieb dienen. Biokraftstoffe der zweiten Generation, sagt man in Brüssel dazu. Schade, dass die Idee so lange brauchte, bis sie gereift ist. Schade um die Lebensmittel, die bis dahin verbrannt worden sind. Zudem kann man davon ausgehen, dass es noch einige Jahre dauern wird, bis der Biosprit der zweiten Generation in die Tanks fließen wird. Denn bis 2020 wird der Anbau der Biosprit-Pflanzen wie Mais oder Raps noch staatlich gefördert. So verwunderlich das auch ist.

Angesichts der EU-Pläne laufen auch schon die Lobbyisten Sturm. Die Biosprit-Industrie malt Drohkulissen an die Wand und sagt einen Abbau von Arbeitsplätzen voraus. Das ist absurd. Vielmehr sollten die Hersteller in die Weiterentwicklung des neuen Bio-Kraftstoffes investieren. Außerdem: Biosprit allein rettet unser Klima nicht. Stattdessen muss die Entwicklung von Wasserstoff-Antrieben, Erdgas-Fahrzeugen, Elektromobilität oder des Ein-Liter-Autos viel engagierter voran getrieben werden.

Denn eines muss klar sein: Es gibt keinen grünen Sprit. Außer den, den man nicht verbraucht.

 
 

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