Griechen verdienen Entschädigungen

Walter Bau
Varoufakis (li.) und Tsipras brauchen Milliarden, um eine griechische Pleite zu verhindern. Reparationszahlungen aus Berlin kämen da genau richtig. Die Bundesregierung aber lehnt das strikt ab.
Varoufakis (li.) und Tsipras brauchen Milliarden, um eine griechische Pleite zu verhindern. Reparationszahlungen aus Berlin kämen da genau richtig. Die Bundesregierung aber lehnt das strikt ab.
Foto: dpa

Ist die Frage, ob Deutschland den Griechen eine finanzielle Entschädigung für Verbrechen während der NS-Zeit zahlen soll, inhaltlich verknüpft mit der aktuellen Schulden-Debatte in dem Krisenland? Nein.

Trotzdem könnte gerade in der Frage der Wiedergutmachung eine große Chance liegen, das durch den Euro-Streit völlig zerrüttete Verhältnis zwischen den beiden Staaten wieder zu reparieren.

Die Bundesregierung hält das Thema Reparationen für „abschließend geklärt“, und zwar sowohl juristisch wie politisch. Doch so eindeutig ist die Lage keineswegs.

Thema zwangsläufig noch nicht erledigt

Berlin hat es bei den Verhandlungen nach der Wiedervereinigung lediglich geschickt verstanden, das heikle Thema abzuräumen; das gilt auch für die Zwangsanleihe in Höhe von knapp einer halben Milliarde Reichsmark, die die Nazis der Nationalbank in Athen seinerzeit abpressten. Man muss das Thema auch 70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs also nicht unbedingt als erledigt betrachten.

Stattdessen drängt sich ein Vergleich auf: Es brauchte mehr als ein halbes Jahrhundert, bis sich die Bundesregierung und deutsche Unternehmen dazu durchringen konnten, im Jahr 2000 zehn Milliarden D-Mark als Entschädigung für ehemalige Zwangsarbeiter des NS-Regimes zur Verfügung zu stellen.

Wichtiges Zeichen des Respekts

Berlin bekannte sich damals zu einer moralischen Verpflichtung und eine solche besteht durchaus vergleichbar gegenüber Griechenland; daran ändert auch der Umstand nichts, dass die unsortierte Regierung in Athen diese Frage auf unzulässige und wenig hilfreiche Weise mit der aktuellen Euro-Schulden-Debatte verbindet.

Im Gegenteil: Die Bundesregierung hat es in der Hand, durch die grundsätzliche Anerkennung griechischer Ansprüche ein Zeichen zu setzen – beispielsweise durch die Gründung einer Stiftung, aus der sich Entschädigungszahlungen speisen, nach dem Vorbild der Zwangsarbeiter-Regelung.

Es wäre ein spätes, aber wichtiges Zeichen des Respekts gegenüber einem Volk, das schwer gelitten hat unter deutschen Gräueltaten. Und ganz nebenbei würde man der Regierung in Athen im aktuellen Euro-Streit viel Wind aus den Segeln nehmen.