Es geht um unser Selbstverständnis

So langsam geht es ans Eingemachte. Spätestens dann, wenn die Zeltlager vor der Haustür stehen und das eigene Kind wochenlang auf den Schulsport verzichten muss, ist die globale Völkerwanderung – angefacht durch Armut und Kriege wie in Syrien – für jeden spürbar bei uns angekommen. Jetzt zeigt sich der Charakter einer Gesellschaft.

Dass Menschen in Not geholfen werden muss, lernt man nicht nur in der Kirche. Eine solche Selbstverpflichtung gehört zum Grundrüstzeug eines jeden moralisch denkenden Menschen. Viele spenden in diesen Tagen darum alte Kleidung oder auch ein paar Euro. Man tut Gutes – und Gutes zu tun ist ein gutes Gefühl. Aber was passiert, wenn die Not der Anderen im Wortsinne ganz nah an mich heranrückt, wenn mich das einschränkt, wenn es Angst macht? Das wird uns alle herausfordern und unsere Menschlichkeit auf eine harte Probe stellen.

Wie groß und vorbildlich unsere Nation ist, wird in den kommenden Wochen und Monaten klarer. Zum Glück entscheiden das nicht ein paar Radikale unter uns. Dass hierzulande die Empörung darüber wächst, wie brutal die britische Regierung im Eurotunnel-Drama agiert, ist einstweilen ein gutes Zeichen.

 
 

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