Eingeständnis des Scheiterns

Mit ihrer kruden Fundamentalkritik am Feminismus und ihrem letztlich verlorenen Kampf gegen die Einführung einer starren Quote hat Schröder viele Frauen gegen sich aufgebracht.
Mit ihrer kruden Fundamentalkritik am Feminismus und ihrem letztlich verlorenen Kampf gegen die Einführung einer starren Quote hat Schröder viele Frauen gegen sich aufgebracht.
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Schröder war angetreten, um die familienpolitische Modernisierung der CDU weiter voranzutreiben, die ihre Vorgängerin Ursula von der Leyen und später ärgste Konkurrentin angestoßen hatte – insbesondere die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Ihr Beispiel zeigt, dass Quote ohne Qualifikation nicht funktioniert.

Claudia Nolte war zwischen 1994 und 1998 Bundesfamilienministerin unter Helmut Kohl. Von ihrer Amtszeit ist vielleicht im Gedächtnis geblieben, dass sie das jüngste Kabinettsmitglied aller Zeiten war. Allenfalls familienpolitische Feinschmecker werden sich an die Kindschaftsreform und die Änderung des Familienlastenausgleichs erinnern, die in diese vier Jahre fielen. Damals hatte Familienpolitik randständige Bedeutung. Andere Zeiten. Heute erfährt Familienpolitik eigentlich die ihr angemessene Wertschätzung und Aufmerksamkeit. Umso tragischer ist es, dass das zuständige Ministerium in den vergangenen vier Jahren mit Kristina Schröder eine Chefin vom Format Claudia Noltes hatte; dank der Personalpolitik einer Kanzlerin, die zu viele starke Persönlichkeiten um sich nicht duldet.

Schröder war angetreten, um die familienpolitische Modernisierung der CDU weiter voranzutreiben, die ihre Vorgängerin Ursula von der Leyen und später ärgste Konkurrentin angestoßen hatte – insbesondere die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Natürlich ist die Entscheidung einer Frau gegen den Beruf und für die Familie eine private. Wenn aber eine Familienministerin es unwidersprochen lässt, dass sie nicht weitermachen will, weil sie Amt und Familie nicht unter einen Hut bringen kann, dann wird das Private politisch. In diesem Fall wird es zu einem Eingeständnis des politischen Scheiterns.

Schröder war zu unerfahren, zu wenig durchsetzungskräftig. Vorhaben wie die zusätzlichen Vätermonate oder die Großelternzeit sind gescheitert. Stattdessen hat sie das Betreuungsgeld auf den Weg gebracht, ein Projekt, das familienpolitisch falsch ist, das sie nicht wollte und das ihr von der CSU aufgezwungen wurde.

Mit ihrer kruden Fundamentalkritik am Feminismus und ihrem letztlich verlorenen Kampf gegen die Einführung einer starren Quote hat Schröder – die über die parteiinterne Quotenregelung zu ihrem Posten kam – zudem viele Frauen gegen sich aufgebracht. Zu Recht, hat sie doch nicht verstanden, dass in einer noch immer patriarchal organisierten Gesellschaft natürlich auch ordnungspolitische Ansätze nötig sind, um die Gleichberechtigung voranzubringen. Aber: Ihr Beispiel zeigt, dass Quote ohne Qualifikation nicht funktioniert.

 
 

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