Eine überfällige Reform

Die Pläne für einen flexiblen Einstieg in die Altersrente sind in ihren Einzelschritten nicht gerade revolutionär. Sie ersetzen auch nicht die Bemühungen, stärker gegen Altersarmut vorzugehen und frühere Rentendämpfungsreformen zu überprüfen. Aber mit dem Gesamtpaket zur Flexi-Rente rüttelt die Politik doch wirksam an der starren Altersgrenze und ermutigt Arbeitnehmer, länger in Beschäftigung zu bleiben. Gut so.

Die feste Grenze für den Rentenbeginn ist ein Anachronismus. Aus einer anderen Zeit stammt auch die Vorstellung, man müsse ohne Übergang abrupt aus dem Vollzeitjob aussteigen – unter dieser Vollbremsung leiden viele Neurentner. Ein zunehmender Teil der Senioren will dabei selbstbestimmt länger arbeiten.

In der Altersgruppe zwischen 65 und 69 Jahren geht schon heute noch jeder Siebte einer bezahlten Tätigkeit nach; oft nicht in Vollzeit, mitunter nur wenige Stunden. Und sicher nicht immer nur aus Freude daran, noch gebraucht zu werden, sondern oft auch, weil die Rente sonst nicht reicht. Die Gesellschaft sollte es ihnen so leicht wie möglich machen. Die freiwillige Weiterbeschäftigung kann den Fachkräftemangel dämpfen und die Sozialkassen entlasten.

An der Stelle hätten sich viele mehr gesetzgeberischen Elan gewünscht. Das konnte die Koalition nicht leisten, zu unterschiedlich sind die Positionen: hier die Union, die dafür wirbt, Menschen länger in Arbeit zu halten. Und dort die SPD, die im Schulterschluss mit den Gewerkschaften die Teilrente am liebsten schon ab 60 im Gesetz verankert hätte.

Doch muss bei allem Reformwillen auch klar sein, wo die Grenze liegt: Es geht um Wahlfreiheit, nicht um heimlichen Zwang. Es hätte nichts mit neuer Freiheit zu tun, wenn Arbeitnehmern am Ende gar nichts anderes übrig bleibt, als immer länger übers reguläre Rentenalter hinaus zu arbeiten ­­­– obwohl es eigentlich nicht mehr geht. Das Angebot an mehr Flexibilität darf nicht die zynische Antwort auf Minirenten sein.

 
 

EURE FAVORITEN