Eine Partei zerlegt sich selbst

Heuchelei“, „Machtcliquenpolitik“, „kollektives Versagen“, „Selbstauflösung“: Man kann der AfD vieles nachsagen, nicht jedoch, dass ihr das Vokabular für die innerparteiliche Zustandsbeschreibung fehlen würde. Zerreißprozess ist noch ein schwaches Wort für das Bild, das der größte Landesverband derzeit abgibt. Fünf Monate vor der Landtagswahl hat die Partei, die sich als „Alternative für Deutschland“ anpreist, in NRW nicht mehr viele Alternativen. Im Rennen um den ersten Einzug in das Parlament des größten Bundeslandes steht sie kurz davor, sich selbst zu zerlegen. Mehr noch als die Tricksereien auf dem Soester Delegiertenparteitag könnte der AfD der aus dem Lot geratene Zeitplan für die Kandidatenkür zum Verhängnis werden.

Natürlich sind die Vorgänge Wasser auf die Mühlen aller, die den Einzug der Rechtspopulisten in die Parlamente für den Untergang des Abendlandes halten. Doch auch wenn die AfD an Rhein und Ruhr über sich selbst stolpern sollte, ist das kein Grund zur Entwarnung. Die AfD ist Resonanzraum für ein weit verbreitetes Unbehagen an der etablierten Politik. Das verschwindet nicht, nur weil ein Landesverband vor dem Kollaps steht.

 
 

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