Ein Fehlschlag – und ein Verbrechen

Die USA und der Westen in Gänze haben ihre Glaubwürdigkeit im Nahen Osten verspielt.
Die USA und der Westen in Gänze haben ihre Glaubwürdigkeit im Nahen Osten verspielt.
Foto: Khider Abbas/dpa
Der US-Einmarsch in den Irak war nicht nur ein Fehlschlag. Er war sogar ein Verbrechen, weil er ein eklatanter Verstoß gegen das Völkerrecht war, begründet mit einer infamen Lüge.

Vor zehn Jahren begann mit dem US-geführten Einmarsch in den Irak ein Krieg, der die Kräfteverhältnisse des gesamten Nahen Ostens verändert hat. Dieser Krieg war ein Verbrechen, und er war ein Fehlschlag. Ein Verbrechen, weil er ein eklatanter Verstoß gegen das Völkerrecht war, begründet mit einer infamen Lüge. Zehntausende Menschen starben, Hunderttausende leiden noch heute unter den Folgen. Die Verantwortlichen mussten sich vor keinem Gericht verantworten. Das ist bitter genug. Dieser Krieg war zudem ein Fehlschlag – weil er dem Irak und der Region weder einen Demokratisierungsschub noch Sicherheit gebracht hat. Arroganz und Planlosigkeit haben zum Gegenteil geführt: Der Nahe Osten droht ins Chaos abzugleiten, die USA und der Westen in Gänze haben ihre Glaubwürdigkeit verspielt.

Mit Saddam Hussein wurde damals ein übler Diktator und Menschenschinder gestürzt. Nicht zu vergessen aber einer, der über Jahre vom Westen protegiert und hochgerüstet wurde. Jetzt regiert in Bagdad Nuri al-Maliki, der ähnlich autoritäre Züge entwickelt. Er herrscht über ein ausgelaugtes Land, in dem konfessionelle und ethnische Spannungen zunehmen. Maliki ist schiitischer Muslim und hat enge Verbindungen zum Iran. Weil der Iran seine Einflusssphäre nach dem Irak-Krieg so gewaltig ausdehnen konnte, ist in den vergangenen Jahren die Rivalität zwischen Teheran und den sunnitischen Golfstaaten gewachsen; in Syrien tragen beide Seiten diese Rivalität auf dem Rücken der Bevölkerung aus. Die Eskalation des Bürgerkriegs dort ist eine Konsequenz des Einmarsches in den Irak vor zehn Jahren.

Demokratie kann nicht mit Waffengewalt erzwungen werden. Diese einfache Lehre hat der Westen immer noch nicht verstanden, auch wenn für die USA nach den Desastern im Irak und in Afghanistan die Zeit der großen militärischen Interventionen vorbei ist. Andernfalls würden Franzosen und Briten nicht auf Waffenlieferungen an die syrischen Rebellen drängen, sondern politische Lösungen einfordern. Fällt das Regime in Damaskus durch Waffengewalt, werden sunnitische Aufständische im Zweistromland auch den Kampf gegen die schiitisch dominierte Regierung in Bagdad aufnehmen. Der Irak wird dann erneut zu einem Schlachtfeld.

 
 

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