Die Demut des Pep Guardiola

Heynckes-Nachfolger Pep Guardiola will sich dem FC Bayern München anpassen.
Heynckes-Nachfolger Pep Guardiola will sich dem FC Bayern München anpassen.
Foto: Getty-Images
Die Präsentation des neuen Münchener Trainers Pep Guardiola hat alle bisherigen PK-Dimensionen der Bayern gesprengt. Viele Übungsleiter sind an der Säbener Straße an den hohen Erwartungen gescheitert, doch der einstige Barca-Coach wirkt, als wäre er sich seiner Aufgabe voll bewusst. Ein Kommentar.

München.. Bis zum gestrigen Montag um kurz nach zwölf Uhr war Pep Guardiola so etwas wie eine ätherische Erscheinung, weniger Mensch als Vorstellung. Auf dem ganz hohen Niveau des Fußballs, da, wo die Luft besonders dünn ist, kann das passieren. Es werden Kontakte zu einem Trainer geknüpft, dessen Meriten beeindruckend sind. Er wird stolz vermeldet, dass dieser Trainer sich dazu entschlossen hat, die eigene Bank zu besetzen. Und dann beginnt sie, die Zeit, in der sich leicht besäuselt die fantastische Persönlichkeit des Neuen besingen lässt, in der sich großartige Vergangenheit ratzfatz und eins zu eins in großartige Zukunft verwandelt.

Natürlich ist sogar die Sache mit der fantastischen Persönlichkeit unter den Bedingungen des Fußballs schlicht Unfug. Über eine fantastische Persönlichkeit verfügt in diesem nur außerhalb der Saison leicht über der Grasnarbe schwebenden Geschäft langfristig allein derjenige, bei dem die Resultate stimmen. Und die Idee, dass sich eine großartige Vergangenheit bei einem anderen nahtlos in eine großartige Zukunft beim aktuellen Klub überführen ließe, hat sich schon viel zu häufig als falsch erwiesen, um noch wirklich ernsthaft verhandelt werden zu müssen.

Guardiola ist sich der Komplexität seiner Aufgabe bewusst

Für Pep Guardiola bedeutet das: Alles, was in den Traumblasen war, ist nun gelöscht. Und: Ja, er wird bei den Bayern eine andere Vereinskultur vorfinden als beim FC Barcelona. Und: Ja, bei den Bayern hängt man gern Sterne an den Himmel, um sie später abstürzen lassen zu können (siehe: Jürgen Klinsmann). Und: Ja, es wird auch für diesen mit höchster Reputation versehenen Trainer schwer, aus dem gigantischen Triple-Schatten seines Vorgängers Jupp Heynckes herauszutreten.

Pep Guardiola ist sich all dessen offenbar stärker bewusst als die Großkopferten des FCB. Der Trainer nähert sich deshalb seiner Aufgabe mit einer Demut, die im bajuwarischen Umfeld fremd wirkt, die aber immerhin klar macht: Hier weiß jemand um die komplexe Wirklichkeit des Fußballs, hier weiß jemand: Entscheidend ist nicht mein Ego, sondern auf dem Platz.

 
 

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