Der Tod im Mittelmeer

Frank Preuß

Das Frühjahr ist da, und die Menschen ertrinken im Mittelmeer. Das mögen Sie zynisch nennen, aber es entspringt einer politischen Logik, die ich zynisch nenne: Wer den Landweg verrammelt, treibt die Flüchtlinge aufs Wasser.

Und in das Wasser.

Hat irgendwer geglaubt, Dinge änderten sich, nur weil man sie so weit wie möglich von sich schiebt? Hat irgendwer vermutet, das Problem sei gelöst, nur weil wir es nicht mehr ganz so unmittelbar spüren wie noch vor ein paar Wochen? Hat irgendwer gedacht, der Flüchtlingspakt mit der Türkei und die abgeriegelte Balkanroute könnten jene abschrecken, die vor viel größeren Schrecken fliehen? Nein: Solange der Krieg Länder wie Syrien im Würgegriff hält, werden sich immer wieder Verzweifelte auf den Weg nach Europa machen.

Europa, das als Ansammlung von Egoisten an seiner größten historischen Herausforderung erbärmlich gescheitert ist, zeigt sich nun immerhin wieder als funktionierende Einheit: als Festung mit hochgezogenen Zugbrücken. Bravo.