Dem Terror ausgeliefert

Lutz Heuken

Bestürzung, Trauer, Hilflosigkeit, Angst. Ja: auch Wut. Das Attentat von Istanbul löst tiefe Emotionen aus. Es zeigt, dass Deutsche, die in ihrer Heimat vom IS-Terror bislang weitgehend verschont geblieben sind, den Mördern außerhalb der Landesgrenzen ausgeliefert sind.

Kein deutscher Geheimdienst kann die eigenen Bürger dort schützen.

Es klingt zynisch, doch das Ziel des Terrors – deutsche Touristen – und der Ort – Istanbul – passen perfekt in das Kalkül des IS. Menschen aus dem verhassten Westen, hin­gemeuchelt in einer islamisch ­geprägten Stadt, die in ihrer Weltläufigkeit wie keine zweite Metro­pole die Hoffnung auf ein friedliches Zusammenleben der Kulturen verkörpert.

Mit ihren Kneipen und Theatern, mit ihren Museen und ­Sehenswürdigkeiten lockt die Stadt wie New York, London und Paris Touristen aus aller Welt an. Istanbul steht damit aber auch für all das, was die Steinzeit-Islamisten hassen.

Das furchtbare Attentat lehrt uns, dass die Mörder keinen Unterschied machen zwischen liberal und weltlich gesinnten Muslimen und Christen. All diesen Menschen hat der IS den Krieg erklärt. Es ist höchste Zeit, dass auch der bislang so zögerliche türkische Präsident Erdogan endlich erkennt, wo der wahre Feind steht.