Dem Hass keine Chance geben

Frankreich, Tunesien, Kuwait. Weltweit hat der Terror an diesem blutigen Freitag zugeschlagen. Der den Muslimen heilige Fastenmonat Ramadan gilt eigentlich als ein Monat des Friedens, der Enthaltsamkeit. Für die Fanatiker ist er ein Monat des Krieges. In Syrien geht der sogenannte „Islamische Staat“ wieder in die Offensive, attackiert das in Trümmern liegende Kobane, massakriert Dutzende wehrloser Männer, Frauen und Kinder. In Kuwait ermorden die sunnitischen Extremisten schiitische Gläubige beim Gebet in einer Moschee, um den Konfessions-Konflikt in der Region noch weiter anzufachen.

Um ein Vielfaches mehr berühren uns im Westen aber die Anschläge in Frankreich und in Tunesien. Der eine, weil er ganz nah, direkt in der Nachbarschaft geschah, der andere, weil auch Deutsche unter den Opfern waren, weil er Touristen traf, die in Tunesien die schönste Zeit des Jahres verbringen wollten. Frankreich ist ein Ziel, weil es sich an den Luftangriffen gegen die IS-Terrormiliz beteiligt, in Mali gegen Terroristen gekämpft hat und sein Selbstverständnis als laizistischer Staat auch mit einem Burka-Verbot unterstreicht. Tunesien ist das einzige Land, das demokratisch gestärkt aus dem Arabischen Frühling hervorgegangen ist. Die Terroristen wollen ihm das wirtschaftliche Rückgrat brechen, indem sie Touristen ins Visier nehmen.

Ihr Ziel, Schrecken zu verbreiten, haben die Terroristen einmal mehr erreicht. Ihr Ziel, Menschen gegeneinander aufzuhetzen, dürfen sie nicht erreichen. Ihrer Unmenschlichkeit muss Menschlichkeit entgegengesetzt werden. Dazu gehört auch, denjenigen zu helfen, in deren Ländern tagtäglich Terroranschläge und Massaker geschehen, die ihre Familien in Sicherheit bringen wollen. Was in Frankreich und Tunesien geschehen ist, ist schrecklich, aber es ist nicht vergleichbar mit dem Horror, dem die Menschen beispielsweise im Irak und Syrien ständig ausgesetzt sind.

Diese Menschen fliehen nach Europa auf der Suche nach Frieden, nach einem sicheren Leben und werden hier zum Spielball nationaler Egoismen oder wie im sächsischen Freital von geifernden rechten Horden empfangen. Solidarität aber ist die wirkungsvollste Waffe im Kampf gegen den Terrorismus, der auf Zersetzung, Hass und Spaltung setzt. Wenn Gesellschaften zusammenstehen, ob in der arabischen Welt oder in Europa, wenn sich Nichtmuslime und Muslime, oder Einheimische und Flüchtlinge nicht auseinanderdividieren lassen, dann können Fanatiker zwar bomben und Leben zerstören, aber eben nicht die Fundamente unseres Zusammenlebens.

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