Das braucht niemand

Vermutlich ist der Protest der Gewerkschaften überzogen. Der Alltag wird dafür sorgen, dass der Erfurter Richterspruch schnell wieder in Vergessenheit gerät, dass Arbeitgeber und Arbeitsnehmer im Krankheitsfall weiterhin vernünftig miteinander umgehen. Das ist nicht zuletzt auch eine Frage des Vertrauens, der Unternehmenskultur. Jedenfalls ist trotz des gestrigen höchstrichterlichen Urteils kaum anzunehmen, dass die Chefs zwischen Kiel und Konstanz in Zukunft bei jedem Fehltag eines Untergebenen ein ärztliches Attest anfordert – nur weil sie grundsätzlich dazu berechtigt wären.

Was wäre das auch für ein bürokratischer Aufwand, angesichts schon jetzt überfüllter Arztpraxen und langer Wartezeiten? Das braucht niemand. So mancher Patient kommt ja genau deshalb nicht ins Büro, weil es ihm so schlecht geht, dass selbst der Weg zum Arzt einer unzumutbaren Quälerei gleichkäme. Zudem: Wenn ein Arzt krank schreibt, dann meist länger als nur einen Tag...

 
 

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