Bitter für die Angehörigen

Jan Jessen(j.jessen@nrz.de)

Wer erwartet hatte, dass Beate Zschäpes Aussage helfen würde, die Verbrechen des terroristischen NSU aufzuklären, wurde gestern enttäuscht. Was ihr neuer Anwalt im Saal 101 des Oberlandesgerichtes München vortrug, war in weiten Teilen nichts als der klägliche Versuch, sich von Verantwortung freizusprechen, die eigene Rolle herunterzuspielen, um Strafmilderung zu erreichen. Für einen möglichen neuen Erkenntnisgewinn taugte nur, dass Zschäpe dezidiert die toten Rechtsterroristen Mundlos und Böhnhardt für den vom üblichen NSU-Tatmuster abweichenden Mord an der Polizistin Michèle Kiesewetter verantwortlich machte.

Zschäpe beschrieb sich in ihrer Aussage deutlich anders als die durchaus dominante, selbstbewusste Frau, als die sie Zeugen zuvor skizziert hatten: Als eine sich unterordnende, ja unterwürfige und verängstigte Mitläuferin, die von den Verbrechen ihrer Kameraden allenfalls im Nachhinein etwas erfahren haben will, zu kraft- und mutlos, um aufzubegehren oder gar zur Polizei zu gehen. Quasi als Opfer. Es ist ein Verteidigungsmuster, das man nur zu gut kennt: Nach dem Ende des Dritten Reiches war Deutschland voll von Menschen, die angeblich nichts von den Verbrechen der Nazis mitbekommen hatten oder sich zumindest nicht dagegen wehren konnten.

Bitter war der Tag vor allem für die Angehörigen der Opfer, die wissen wollen, warum ihre Liebsten sterben mussten. Nicht einmal die Entschuldigung, die Übernahme moralischer Schuld, klang auch nur ansatzweise glaubwürdig und nach echter Reue.