Beunruhigende Entwicklung

Ist Europa noch zu retten? Die doppeldeutige Frage stellt sich nicht erst nach dem niederländischen Nein zum Ukraine-Abkommen. Der Ausgang des holländischen Referendums gestern ist nur eine der vielen bitteren Pillen, die Europa-Euphoriker derzeit schlucken müssen. Ob in Großbritannien, Polen, Ungarn oder Frankreich: Überall erstarken antieuropäische Stimmungen in einem Maße und Tempo, das schwindelig macht.

Geradezu geschichtsvergessen wenden sich immer mehr Europäer von Europa ab. Aus Angst, Frustration, Egoismus, Gleichgültigkeit. Reaktionäre Rattenfänger wie der Holländer Wilders oder Frankreichs rechtsnationale Frontfrau Marine Le Pen können späte Triumphe feiern. Was ein Jammer!

Keine Frage: Die Europäische Union erlebt gerade die schwierigste Phase seit Bestehen. Selbst in Deutschland, das dem europäischen Einigungsprozess so viel zu verdanken hat, schlägt sich die grassierende Europa-Skepsis ja nicht nur in Wählerstimmen für die AfD nieder, sondern auch in dem schlichten Wunsch vieler Menschen, angesichts von grenzüberschreitend operierender Einbrecherbanden die Schlagbäume abzusenken. Die Erkenntnis, dass selbst dem historischen Projekt der EU das Scheitern innewohnt, ist ein neuer beunruhigender Faktor europäischer Politik geworden. Dem entgegenzuwirken, könnte sich noch zur Generationenaufgabe auswachsen.

 
 

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