Arbeitnehmer im Dauerstress

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Der Krankenstand in Deutschland ist auf einem Rekordhoch. Auch, weil die Lage auf dem Arbeitsmarkt entspannt ist. Trotzdem ist der Befund alarmierend. Die Unternehmen müssen gegensteuern.

Der Krankenstand in deutschen Unternehmen ist auf einem Rekordhoch. Es mag seltsam klingen, aber diese Nachricht ist auch eine gute. Sie spiegelt eine relativ entspannte Situation auf dem Arbeitsmarkt wider und die immer noch brummende Konjunktur. Wer keine Angst um seinen Job haben muss, dem fällt die Entscheidung leichter, im Krankheitsfall das zu tun, was man tun sollte: zu Hause zu bleiben. Deswegen sinken die Krankenstände immer dann, wenn die Arbeitslosenzahlen steigen – und umgekehrt.

Es wäre aber viel zu kurz gegriffen,die hohen Krankenständen allein damit abzutun. Wenn mehr als ein Drittel der Arbeitnehmer sich mindestens einmal im Jahr krank melden, dann muss das alarmieren. Besonders die hohe Zahl von Krankmeldungen wegen psychischer Leiden ist ein Hinweis auf eine zunehmend verdichtete und immer intensiver durchtaktete Arbeitswelt, in der Beschäftigte unter Dauerstress leiden.

Natürlich können Arbeitnehmer selbst etwas gegen Stress tun. Eine bessere Planung von Tagesabläufen hilft ebenso wie die Entschleunigung nach der Arbeit, etwa durch Lesen und Spazierengehen, oder der körperliche Ausgleich durch Sport. Auch die Unternehmen sind gefragt. Es muss in ihrem Interesse sein, hohe Krankenstände zu vermeiden; es sind gerade die psychischen Erkrankungen, die zu langen Ausfallzeiten führen. Betriebsinterne Präventionsprogramme sind nicht nur arbeitnehmerfreundlich, sondern auf Dauer günstiger als die Hinnahme krankmachender Arbeitsstrukturen und -abläufe.

 
 

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