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Woran Verbraucher nachhaltigen Fisch erkennen können

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Die EU verhandelt Fangmengen für 2016. Das Ziel: Die Meere vor Überfischung schützen. Was Verbraucher beim Fischkauf beachten sollten.

Berlin. 

Eines vorweg: Das Fischstäbchen ist nicht gefährdet – unabhängig davon, welche Fangquoten die EU-Landwirtschaftsminister derzeit in Brüssel aushandeln. Deutschlands beliebteste Form, Fisch zu essen, hat schon in den vergangenen Jahrzehnten einige Regeländerungen und die Folgen der Überfischung überstanden. Die Hersteller verarbeiten Alaska-Seelachs, in manchen Stäbchen steckt auch der asiatische Pangasius oder gar Tintenfisch, der nur dem Namen nach etwas mit Fisch zu tun hat. Grundsätzlich gilt: Es muss mindestens 65 Prozent Fisch im Stäbchen stecken, der Rest darf Panade sein.

Was ist eine Fischquote?

Quoten legen fest, wie viel Fisch in einem bestimmten Jahr aus dem Meer gezogen werden darf. Gerechnet wird in Tonnen, beim Ostsee-Lachs in einzelnen Fischen. Die Menge variiert dabei nach Bestand. Ein Bestand ist eine Fischart in einem bestimmten Meeresgebiet. Daneben gibt es manchmal auch Regelungen zum sogenannten Fischereiaufwand – dann dürfen die Fischer bestimmte Bestände nur eine begrenzte Zeit im Jahr befischen. Zudem gibt es Auflagen etwa für die Maschengröße von Netzen.

Wie werden die Fischquoten festgesetzt?

Zunächst geben wissenschaftliche Gremien Empfehlungen ab, auf dieser Grundlage schlägt die EU-Kommission Quoten vor. Endgültig legen sie die Minister der EU-Staaten fest. Über die Ostsee wurde schon im Oktober entschieden – diese Verhandlungen gelten als einfacher, weil weniger Länder betroffen sind. Die Quoten für den Atlantik und die Nordsee werden im Dezember unter den betroffenen Staaten ausgehandelt und sind oft heftig umstritten. Für die Aufteilung der Quoten auf die EU-Länder gibt es je nach Bestand einen festen Schlüssel. Der deutsche Anteil liegt dabei im Schnitt bei etwa fünf Prozent.

Wie geht es den Fischbeständen?

Besser als früher. Im Nordostatlantik, der Nordsee und der Ostsee wurde im vergangenen Jahr der EU-Kommission zufolge rund die Hälfte der geprüften Bestände langfristig verträglich bewirtschaftet. 2009 waren es nur 14 Prozent. Umweltschützer beklagen, dass immer noch viele Fischbestände auf einem Niveau bewirtschaftet werden, das nicht als langfristig haltbar gilt.

Wie erkennen Verbraucher nachhaltig gefangenen Fisch?

Fast jedes Lebensmittel im Supermarkt trägt mittlerweile ein Siegel, dabei ist nicht immer offensichtlich, welche etwa von Herstellern und Anbieten selbst kreiert wurden und welche von unabhängigen Organisationen mit feststehenden Regularien stammen. Bei Fisch können Verbraucher vor allem auf zwei Logos achten: das blaue MSC-Siegel (Marine Stewardship Council) und das türkisfarbene ASC-Siegel (Aquaculture Stewardship Council).

Wofür stehen die Siegel?

MSC zertifiziert nachhaltig arbeitende Fischereien. Durch das Logo verpflichtet sich ein Unternehmen unter anderem, nicht mehr Tiere zu fangen, als auf natürlichem Wege nachwachsen können. Die Fischereien müssen zudem genau offenlegen können, wann und wie gefischt wurde, von wem die Fische verarbeitet und verpackt und wo sie gelagert wurden. Für Verbraucher sind diese Informationen allerdings nicht immer zugänglich. Das ASC-Siegel wird ausschließlich für Zuchtfisch vergeben. Die Züchter müssen den Fischen unter anderem einen geeigneten Lebensraum und eine vorgeschriebene Wasserqualität bieten. Besonders wichtig: Antibiotika dürfen nur kranken Tieren und nicht zur Vorsorge dem gesamten Bestand verabreicht werden. Seltener sind Bio-Siegel. Für Zuchtfisch steht unter anderem das EU-Bio-Siegel sowie die Logos der Bio-Anbau-Verbände Bioland und Naturland zur Verfügung.

Welchen Fisch kann ich guten Gewissens essen?

Wild gefangenen Hering schätzen sowohl WWF als auch Greenpeace als gute Wahl ein, die Bestände sind nicht akut gefährdet. Allerdings sollten Verbraucher genau darauf achten, aus welchem Teil der Meere die Tiere gefischt wurden. Nicht überall geht es den Beständen gleich gut und wird mit umweltfreundlichen Methoden gefangen. Im Nordwestatlantik etwa werden Ringwadennetze eingesetzt, in denen häufig auch ganze Delfinschulen landen. Von Hering aus diesem Gebiet raten die Umweltschützer ab. Die Herkunft muss auf Fischprodukten immer gekennzeichnet sein. Steht dort nur ein Land, können sich Verbraucher am sogenannten FAO-Code orientieren, der angegeben sein muss. Er bezeichnet einen Abschnitt der Weltmeere, etwa FAO 21 für Nordwestatlantik. Eine Karte mit allen Fanggebieten steht unter fischverband.de/faokarte/.

Und Dorsch, Kabeljau und Lachs?

Vom Kauf von Dorsch, zu dem auch Kabeljau zählt, rät Greenpeace grundsätzlich ab. Höchstens Atlantischer Kabeljau aus dem Nordostatlantik – dazu zählt auch die Ostsee – und Pazifischer Kabeljau aus dem Nordostpazifik seien noch empfehlenswert. „Beim Weihnachtseinkauf interessiert natürlich viele wieder der Lachs“, sagt Karoline Schacht, WWF-Fischerei-Expertin. „Da sollten Verbraucher lieber zu gezüchteten als zu wild gefangenen Fischen greifen, am besten zu Bio-Produkten aus Irland oder Schottland.“