Wie ein Studienabbruch zum Beginn einer Erfolgsstory wurde

Alexander von der Decken arbeitet im Berliner BMW-Autohaus Riller & Schnauck.
Alexander von der Decken arbeitet im Berliner BMW-Autohaus Riller & Schnauck.
Foto: Sven Lambert
Sein Studium war eine Fehlentscheidung. Alexander von der Decken brach ab und orientierte sich neu. Jetzt hat er seinen Weg gefunden.

Berlin.. Seine eigentlich drei Jahre dauernde Ausbildung hat er in der Rekordzeit von nicht einmal zwei Jahren geschafft. Von Anfang an gab es nur Bestnoten für Alexander von der Decken. Und auch seine Abschlussprüfung zum Automobilkaufmann vor zwei Monaten absolvierte er erfolgreich.

Doch von der Decken hat lange gebraucht, um seinen Weg zu finden. Kurz nach dem Abitur macht der heute 31-Jährige ähnliche Erfahrungen wie viele andere auf der Suche nach der passenden Lehrstelle oder dem richtigen Studienfach: Er war unsicher, was ihm im Leben wichtig genug sein würde, um seinen Berufsweg darauf zu begründen, und hatte Vorurteile gegenüber bestimmten Ausbildungen.

„Hätte ich doch auf den Berufsberater gehört“

„Heute denke ich manchmal, hätte ich damals doch auf den Berufsberater gehört“, sagt Alexander von der Decken. Der legte dem autoverrückten Abiturienten eine Ausbildung im Automobilhandel nahe. „Ich war damals schon der Ansprechpartner für alle in meinem Umfeld, wenn es darum ging, ein neues Fahrzeug anzuschaffen“, erzählt von der Decken.

„Ich habe Automobil-Magazine verschlungen und wusste alles über Trends und Ausstattung im Automobilbereich.“ Aber er hatte eben auch Vorbehalte. „Autoverkäufer – das klang nach einem Image, mit dem ich nichts zu tun haben wollte“, erinnert sich der 31-Jährige.

Eltern betreiben einen Hof in Niedersachsen

Heute sagt er: „Eigentlich ist es doch das Beste, was man tun kann – sein Hobby zum Beruf machen.“ Aber damals entschied sich von der Decken für ein Landwirtschaftsstudium mit BWL-Modulen in Göttingen. Auch das lag irgendwie nahe, denn seine Eltern führen einen Hof in Niedersachsen. Dort war Alexander von der Decken aufgewachsen.

„In den ersten paar Semestern lief es auch super“, sagt er. Dann kamen die Zweifel, ob das tatsächlich der richtige Studiengang für ihn sei, und damit schwand auch das Interesse. „Ich habe mich im Studium verstrickt“, sagt er selbstkritisch. „Mein Ziel war nur noch, irgendwie den Abschluss zu schaffen, die Motivation war dahin.“ Nach außen spielte er weiter den engagierten Studenten, doch das fiel ihm zunehmend schwerer. „Es ist anstrengend, anderen immer zu signalisieren, dass alles toll ist.“

Auf Weltreise entschied er sich zum Studienabbruch

Eine fünfmonatige Auszeit öffnete Alexander von der Decken schließlich die Augen. „Ich habe eine kleine Weltreise durch die USA, Asien und Afrika gemacht“, erzählt er. „Und mich dabei freigeschwommen.“ Während der Reise reifte bei ihm die Entscheidung, das Landwirtschaftsstudium abzubrechen, und sich wieder darauf zu besinnen, was ihm wirklich Spaß machte: Autos.

Ehrliche Worte von seinem Zwillingsbruder bestärkten Alexander von der Decken noch einmal mehr. Dieser habe erkannt gehabt, dass hinter der Fassade mehr Schein als Sein war, erzählt der 31-Jährige. „Natürlich waren meine Eltern enttäuscht, als ich das Studium abgebrochen habe“, sagt er. Aber sie hätten Verständnis gezeigt und ihm weiterhin Unterstützung zugesagt.

Er entschied sich für einen Ortswechsel

Auch räumlich wollte Alexander von der Decken eine Veränderung: Nach Jugend und Studium in Niedersachsen bewarb er sich nun bei Autohäusern in Berlin. Seine erste Bewerbung schickte er zum BMW-Händler Riller & Schnauck. „Die Einladung zum Bewerbungsgespräch kam postwendend“, erzählt von der Decken. „Wie auch die Zusage.“

Seine Strategie fürs Jobinterview: absolute Ehrlichkeit. „Beschönigen bringt ja nichts“, sagt von der Decken. Also habe er mit offenen Karten gespielt. „Ich stehe dazu, dass ich mit meinem Studium eine falsche Entscheidung getroffen und zu spät den Absprung gefunden habe.“
Sein Alter und die damit einhergehende Lebenserfahrung seien in der Ausbildung durchaus von Vorteil gewesen, resümiert Alexander von der Decken. Von Beginn an habe er anspruchsvollere Aufgaben bekommen als seine fünf bis zehn Jahre jüngeren Mit-Azubis.

Beförderung noch als Azubi

Auf eigene Initiative wechselte er bald vom Privatkunden- in den Großkundenbereich des Autohauses, wo er noch als Auszubildender zum Assistenten des Abteilungsleiters befördert wurde. Die Aufgaben dort gefielen ihm: Meetings und Verhandlungen mit Geschäftsführern, Vor-Ort-Termine bei den Fuhrparkmanagern großer Unternehmen. „Das ist spannender als der Privatkundenbereich.“

Parallel hat er sich im Herbst 2015 noch einmal für ein Studium eingeschrieben: Wirtschaft an der FOM Hochschule. Warum er nach den schlechten Erfahrungen erneut studiert? „Ich will es mir selbst beweisen“, sagt von der Decken. „In einem Fach, das ich ohne äußere Einflüsse selbst gewählt habe und das meine Ausbildung gut ergänzt.“ Dreimal pro Woche geht es jetzt abends an die FOM, an den Wochenenden lernt er für Klausuren – alles neben seinem Vollzeitjob im Autohaus.

Gern würde er eine Weile im Ausland arbeiten

Für die Zukunft hat er schon Ideen. In den Bereich Flotten- oder Fuhrparkmanagement eines internationalen Konzerns zu wechseln gehört dazu. „Gern im Automobilbereich, aber ich bin auch anderen Branchen gegenüber aufgeschlossen“, sagt von der Decken. Am liebsten würde er eine Zeit lang im Ausland arbeiten – gern in den USA oder in Asien, dessen Mentalität und Kultur er während seiner Weltreise schätzen gelernt hat.

Allen, die in einer ähnlichen Situation sind, wie er damals während seines ersten, unglücklichen Studiums, empfiehlt Alexander von der Decken: „Nehmt die zahlreichen Beratungsangebote an, lernt euch selbst besser kennen und sprecht offen über eure Zweifel.“ In der deutschen Gesellschaft sei es schwer, Fehler zuzugeben, sagt der 31-Jährige.

„Auch aus tiefen Löchern kann man gestärkt hervorgehen“

Doch es bringe nichts, an einem eingeschlagenen Weg festzuhalten, wenn man eigentlich schon wisse, dass er der falsche sei. Heute ist er überzeugt: „Auch aus tiefen Löchern kann man gestärkt hervorgehen und glücklich und erfolgreich werden.“

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