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Wenn Hund oder Katze unter Diabetes leiden

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Diabetes ist keine reine Menschenkrankheit. Auch Katzen und Hunde sind von der Zuckerkrankheit betroffen. Ein Leitfaden für die Halter der Tiere.

Essen/München. 

Die Stoffwechselstörung Diabetes mellitus trifft nicht nur uns Menschen. Etwa einer von 100 Hunden und zwei von 100 Katzen sind zuckerkrank – und genauso auf schnelle Hilfe angewiesen wie menschliche Diabetiker. Auch bei Tieren gibt es unterschiedliche Diabetes Typen: „Die Mehrheit der Katzen hat einen Typ-2-Diabetes, Hunde haben meist einen Typ-1-Diabetes“, sagt Dr. Astrid Wehner, Oberärztin der Endokrinologie an der Kleintierklinik München. Wenn der Körper gar kein Insulin mehr bildet, spricht man vom Typ-1-Diabetes. Die zweite Form des Diabetes liegt vor, wenn zwar Insulin produziert wird, aber nicht genug, um alle Zellen des Körpers zu versorgen.

Symptome

„Bei Katzen fallen die Symptome meist nicht so schnell auf wie bei Hunden“, sagt Astrid Wehner. Die Gründe liegen nahe: Katzen stehen nicht so unter menschlicher Kontrolle wie Hunde. Da fällt es schon mal schneller auf, wenn der Hund beim Spaziergang ständig die Hinterläufe zum Urinieren hebt oder sich das Trink- und Fressverhalten ändert.

HundeDie Symptome eines Diabetes sind zu Beginn ein starkes Hungergefühl, häufiges Wasserlassen und großer Durst. Diese Anzeichen sind nachvollziehbar, wenn man einen Blick auf die Vorgänge beim Diabetes mellitus wirft. Das Hormon Insulin sorgt normalerweise dafür, dass Glukose (Zucker) in die Körperzellen aufgenommen werden kann. Fehlt oder mangelt es also an Insulin, so fehlt dem Körper ein überlebenswichtiger Energielieferant. Um diesen Mangel auszugleichen, fressen Tiere mehr – nehmen jedoch gleichzeitig ab. Das starke Durstgefühl kommt hinzu, wenn die überschüssige Glukose im Blut im Urin landet und Wasser an sich bindet, sodass ein Wasserverlust im Körper auftritt.

Eine Zeit lang kann der Körper den Insulinmangel kompensieren, dann kann es schlagartig bergab gehen. Ein Zeichen für eine Komplikation sind Appetitlosigkeit und Schwäche. Um den Glukosemangel in den Zellen auszugleichen, behilft sich der Körper mit so genannten Ketonkörpern als Energielieferanten. Die machen sich an einem süßlichen, azetonartigen Geruch aus dem Maul bemerkbar. Werden sie in hohen Konzentrationen gebildet, führen sie zu einer Übersäuerung des Körpers und zur Entstehung einer diabetischen Ketoazidose.

Diagnose

Beim Tierarzt wird die Diagnose wie auch beim Menschen durch einen Urin- und Bluttest gestellt. „Bei einem gesunden Tier findet man nie Zucker im Urin“, sagt Astrid Wehner. Ein wichtiger Wert, gerade auch zur Langzeitkontrolle, ist zudem das Fruktosamin. Damit kann man messen, wie sich der Blutzuckerspiegel in den letzten ein bis drei Wochen verhalten hat. Weil Tiere beim Arzt natürlich oft sehr gestresst sind, ist dieser Wert wichtig, da eine einmalige Bestimmung des Nüchtern-Blutzuckers durch die Stresshormone verfälscht werden könnte.

SmartphoneGerade bei älteren Tieren zeigt sich ein Diabetes mellitus auch mit anderen Beschwerden, wie hohen Blutfettwerten und Infektionen der Harnwege oder Haut.

Behandlung

Um die Spritzen kommen sowohl Katze als auch Hund nicht herum. „Für den Menschen mit Typ-2-Diabetes gibt es Medikamente in Tablettenform – das kommt bei Tieren aber nicht in Frage“, sagt Astrid Wehner. Die Wirkung sei zu kurz und nicht ausreichend. Meistens zwei Mal täglich wird dem Tier das Insulin zuhause vom Halter gespritzt. „Das ist für viele Besitzer zu Beginn erstmal unvorstellbar aber die meisten bekommen nach einiger Zeit Routine und die Prozedur ist schnell überstanden“, weiß Astrid Wehner. Besonders schmerzhaft ist der Pikser nicht, da die Nadeln sehr kurz und dünn sind. „Am besten man gibt die Spritze an der seitlichen Brust- und Bauchwand“, sagt Astrid Wehner. Am einfachsten sei es, eine kleine Hautfalte zwischen Daumen und Zeigefinger zu nehmen und dann im 45 Grad Winkel so weit wie möglich durch die Haut zu spritzen.

Wenn das Tier mit Insulin gut eingestellt ist, muss auch das Futter umgestellt werden. Zunächst ist für jedes Tier mit Diabetes ein Normalgewicht wichtig. Hunde sollten, so Astrid Wehner, am besten zwei Mal täglich mit einem Spezialfutter gefüttert werden. Bei Katzen ohne Übergewicht sei auch mehrmals täglich eine Fütterung möglich. Wichtig ist jedoch, dass die Nahrungsaufnahme und die Insulininjektion so abgepasst sind, dass der Blutzuckerspiegel konstant bleibt. Hier muss also mit dem Tierarzt genau besprochen werden, welches Futterverhalten das Tier hat und dementsprechend die Insulingabe bestimmt werden.

Eine Heilung ist bei Hunden unwahrscheinlich. Bei etwa der Hälfte der Katzen kann der Diabetes bei einer frühen Diagnose und Behandlung mit Insulin wieder vollständig verschwinden.