Was Sie beim Einstieg ins Stand-up-Paddling beachten sollten

Stand Up Paddling - ein Selbsttest

Redakteurin Julia Richter probiert auf dem Baldeneysee eine eigentlich schon recht alte Sportart aus. Das stehende Surfen kann entspannt zum Cruisen oder als richtiger Sport ausgeübt werden.

Beschreibung anzeigen
Auf Seen, Flüssen und auch am Meer sieht man immer mehr Menschen, die mit Brett und Stechpaddel übers Wasser gleiten. Das Stand-up-Paddling (SUP) ist eine Sportart, die relativ leicht zu erlernen ist und bis ins hohe Alter ausgeübt werden kann. Ein paar Dinge sind beim Einstieg jedoch zu beachten.

Essen. Am Anfang war der Hula-Hoop-Reifen, später schwappten Sportarten wie Skateboarding, Mountainbiking oder Snowboarding über den großen Teich. Und nun verändert SUP das Freizeitverhalten von immer mehr Menschen. Die Abkürzung klingt zwar wie ein neues, besonders familienfreundliches Automobil, ist aber eine aktuelle Trendsportart: Stand-up-Paddling oder auch Stehpaddeln.

Vor rund fünf Jahren wurden hierzulande die ersten Stehpaddler auf Gewässern gesichtet und es hatte damals noch den Anschein, als habe sich ein Gondoliere aus Venedig verirrt oder ein Windsurfer habe Mast und Segel zu Hause vergessen. Inzwischen gehören die Wassersportler mit Board und Stechpaddel längst zum Alltagsbild auf hiesigen Gewässern.

Geschichte

Wer hat’s erfunden? Die Polynesier vor Tahiti, westafrikanische Fischer oder gar die Schweizer? Tatsächlich gleiten in vielen Gegenden der Welt Menschen mit einer recht ähnlichen Technik über das Wasser, zur Sportart machten das Stand-up-Paddling aber wohl die Amerikaner. „Ende der 50er-Jahre waren es vor allem Surflehrer auf Hawaii, die mit einem Paddel auf ihrem Brett standen, um ihre Schüler in der Welle besser beobachten zu können“, sagt Sebastian Bücking, der seit knapp drei Jahren am Kemnader See in Bochum die Windsurf-Schule WestUfer betreibt und seit Anbeginn auch SUP-Kurse für Freizeitsportler anbietet.

In den 70-ern ebbte der SUP-Boom ab, ehe Anfang 2000 einige amerikanische Surf-Legenden die Sportart wiederbelebten und das Stehpaddeln in den Staaten ungemein populär machten. „Inzwischen soll in jeder zweiten Garage in den USA ein SUP-Board stehen“, sagt Sebastian Bücking.

Ausrüstung

Waren es zu Beginn noch Surfbretter, mit denen „gesupt“ wurde, gibt es seit knapp fünf Jahren auch auf dem europäischen Markt spezielle SUP-Boards für die unterschiedlichen Einsatzmöglichkeiten. Sebastian Bücking empfiehlt, als Einstiegsbrett nicht auf Schnäppchen zurückzugreifen und sich eingehend beraten zu lassen. Mit 700 Euro müsste der Anfänger rechnen. Hinzu kommen Stechpaddel und eventuell noch Neopren-Kleidung und Schwimmweste.

Immer populärer werden zudem aufblasbare SUP-Boards. „Sie sind leicht zu transportieren und auch gut im Keller zu verstauen“, sagt Olaf Schwarz, SUP-Fachreferent beim Deutschen Kanu-Verband. Beim Kauf sollte man jedoch darauf achten, dass die Außenhaut eine entsprechende Dicke hat. „Durch die aufblasbaren Boards hat sich der Boom im SUP-Bereich sogar noch verstärkt“, sagt Thorsten Kegler, Vizepräsident des Deutschen Wellenreit-Verbandes. Für ein aufblasbares Einstiegsbrett müsse man rund 850 Euro veranschlagen, sagt der Experte.

Doch so flexibel das SUP-Board auch einsetzbar ist, überall darf nicht gepaddelt werden. „Man sollte sich vorab gut informieren, wo man paddeln möchte“, sagt Thorsten Kegler, „auf dem Rhein ist es wegen der Strömung nicht ungefährlich und an manchen Seen muss man auch die Brutzeiten bestimmter Vogelarten beachten.“

Bevor das komplette Equipment angeschafft wird, empfiehlt es sich, einen Schnupperkurs zu besuchen. Neben Surf- und SUP-Schulen bieten auch Kanu-Vereine Stunden an. Auf der Internetseite des DKV (www.kanu.de) findet sich unter der Rubrik „Vereine“ eine Suche, bei welchen Klubs in der Nähe stehend gepaddelt wird.

Technik und Training

Mag es zunächst auch noch etwas kippelig sein, Stand-up-Paddling ist schnell zu erlernen. „95 Prozent unserer Schüler stehen nach einer halben bis dreiviertel Stunde auf dem Brett“, sagt SUP-Lehrer Sebastian Bücking. Entsprechend rasch zeigen sich erste Lernerfolge. Zudem ist es ein Sport für jedermann.

„Unsere jüngsten Teilnehmer waren acht, der älteste 78 Jahre alt.“ Nur schwimmen sollte man können. Wichtig sei für Anfänger, die ersten Bahnen auf ruhigen Gewässern mit wenig Wind und Wellen und nur geringer Strömung zu ziehen, empfiehlt DKV-Experte Olaf Schwarz, der auch den Trainingsaspekt beim SUP hervorhebt. „Es ist ein ideales Ganzkörpertraining. Die gesamte Muskulatur von der Fußsohle bis in den Schulterbereich wird angesprochen.“

Disziplinen

Inzwischen gibt es Weltcups und auch Meisterschaften in den unterschiedlichen Disziplinen. Auf Binnengewässern werden vor allem Sprint- und Distanzrennen ausgetragen, an der Küste geht es dann zudem noch in die Welle: also zum kombinierten Paddeln und Wellenreiten.

Das Gros der SUP-Sportler betreibt diesen Sport aber nicht leistungsmäßig. „Ganz entscheidend beim SUP ist auch der Entspannungsaspekt“, sagt SUP-Lehrer Sebastian Bücking. Viele leihen sich bei ihm nach Feierabend ein Board, um noch ein Stündchen über den See zu schippern. Das Brett wird überdies immer vielseitiger eingesetzt: So gibt es den Mannschaftsport SUP-Polo, Wildwasser-SUP und sogar SUP-Yoga. Hauptsache man steht drauf.

 
 

EURE FAVORITEN