So sicher sind die Whatsapp-Alternativen für das Handy

Jürgen Polzin
Mit rund 30 Millionen Nutzern ist Whatsapp das mit Abstand beliebteste "Quatschprogramm" auf deutschen Smartphones. Doch nach der Übernahme durch Facebook suchen viele Abwanderungswillige nach Anbietern, die persönliche Daten besser schützen. Vier Messenger im Überblick.

Essen. Mit rund 30 Millionen Nutzern ist Whatsapp das mit Abstand beliebteste „Quatschprogramm“ auf deutschen Smartphones. Noch. Denn nach der Übernahme durch Facebook drohen die Kunden des Kurznachrichtendienstes mit Liebesentzug. Ein Drittel der Whats-app-Nutzer erwägt laut einer Umfrage, auf einen anderen Messenger umzusteigen. Der Grund: Die Wechselwilligen kritisieren die Unsicherheit ihrer Daten und fürchten zweitens die Möglichkeit, dass Facebook künftig auf die persönlichen Handydaten zurückgreift.

Fragt man die Unzufriedenen, könnten sich 38 Prozent vorstellen, wieder zur guten, alten SMS zurückzukehren. Für 30 Prozent wäre Skype ein möglicher Ersatz. Messenger mit gleichem Funktionsumfang, mit denen sich also wie bei Whatsapp Textnachrichten tippen, Video- und Sprachdateien verschicken lassen, gibt es bereits, sie werden momentan jedoch kaum benutzt. Und weil niemand beim Plaudern alleine im Raum stehen möchte, dürften die meisten Nutzer mit dem Umstieg warten – bis sich eine Alternative verbreitet hat.

Was also könnte Whatsapp ablösen? Ein Überblick.

Threema

Diese App wird aktuell als erste genannt. Sicherlich deswegen, weil die Entwickler aus der Schweiz das versprechen, was Whatsapp vermissen lässt: Sicherheit.
Was die App kann: Sie verzichtet vollständig auf die Übertragung von Nutzerdaten. Textnachrichten, Bilder, Videos und GPS-Standorte werden bei der Übertragung verschlüsselt – von einem zum anderen Ende. Adressbuch-Einträge werden nur in Pseudonym-Form gespeichert – und nur mit ausdrücklicher Zustimmung des Nutzers. Stiftung Warentest hält Threema daher für die einzige sichere Whatsapp-Alternative. Auch wenn ein kleines Restrisiko bleibt: Ein vollständiger Blick hinter die Kulissen blieb den Warentestern verwehrt, weil das Programm nicht „quelloffen“ ist.
So funktioniert sie: Bei Threema tauschen Freunde bei einem persönlichen Treffen Schlüssel aus. Nach der Einrichtung arbeitet die App wie ein normaler Messenger. Der größte Unterschied: Ein Ampel­system aus farbigen Punkten zeigt an, wie sicher die Identität des Gesprächspartners bestätigt ist.
Das kostet sie: Threema gibt es für Android und iOS für unter zwei Euro. Für das Handy-Betriebssystem Windows Phone 8 ist die App nicht erhältlich.

Telegram

Als Alternative zu Whatsapp die Nummer zwei in den Download-Charts. Entwickelt wurde Telegram von zwei russischen Unternehmen. Firmensitz aber ist Deutschland.
Was die App kann: Auch Telegram verspricht eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Diese Option aber muss der Nutzer extra aktivieren. Stiftung Warentest stufte die Datensicherheit dennoch als „kritisch“ ein. Die App speichert auto­matisch alle Adress­buch­einträge ohne die Zustimmung des Nutzers oder der betroffenen Personen.
So funktioniert sie: Telegram sieht Whatsapp sehr ähnlich – von Smileys bis hin zu Gruppenchats. Sprachnachrichten indes können nicht versendet werden.
Was sie kostet: Telegram ist für Android und iOS kostenlos erhältlich.

Line

Der Messenger stammt aus Korea und ist in Asien besonders beliebt.
Was die App kann: Stiftung Warentest stufte die Sicherheit der Daten als „sehr kritisch“ ein. Die App bietet keine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung an. In den Allgemeinen Geschäfts­bedingungen gestattet sich der Anbieter, die Bestimmungen jeder­zeit sofort zu ändern ohne Nutzer über die Neuerungen zu informieren.
So funktioniert sie: Mit Line lassen sich über das Internet sowohl kostenfreie Anrufe tätigen als auch Nachrichten versenden.
Was sie kostet: Line ist kostenlos und kann auf mobilen Geräten mit Android, iOS, Wind­ows Phone, Firefox OS, Black­berry sowie mit einigen Nokia-Modellen verwendet werden.

ChatON

Der Whatsapp-Konkurrent ist auf den meisten Samsung-Geräten vorinstalliert.
Das kann die App: Fotos, Videos und Dateien können unter den Teilnehmern verschickt werden – wie bei Whatsapp, nur in schönerer Optik.
So funktioniert sie: Um ChatON nutzen zu können, muss man sich mit einem Samsung-Konto registrieren. In den Datenschutzeinstellungen legt der Nutzer selber fest, wer seine Rufnummer und sein Profilbild sehen kann. Vorteil: ChatOn kann auch auf Tablets verwendet werden.
Das kostet sie: ChatON ist kostenlos für Android, iOS und Windows Phone erhältlich.