Sicher im Sattel: Tipps für den Fahrradhelm-Kauf

Mareike Fangmann
Philipp und Verena bei einer Radtour im Düsseldorfer Medienhafen. Beide tragen angesagte Halbschalenhelme der Firma „Melon“.
Philipp und Verena bei einer Radtour im Düsseldorfer Medienhafen. Beide tragen angesagte Halbschalenhelme der Firma „Melon“.
Foto: Kai Kitschenberg
Die Diskussion um die Helmpflicht ist neu entfacht. Mit innovativen Ideen soll er jetzt aber auch für Kopfschutz-Muffel attraktiver werden. Doch welches Modell ist aktueller Trend, worauf sollte man beim Kauf achten? Wir haben Tipps eingeholt.

Essen. Er kann Leben retten, doch sein Aussehen schreckt viele ab: Der Fahrradhelm gilt vielen noch immer als Mode-Sünde. Die Hersteller aber arbeiten daran, dass sich die „Wer-einen-Helm-trägt-ist-uncool“-Zeiten ändern: Vom Basecap-Design über Skater-Modelle bis hin zum „unsichtbaren“ Helm ist alles dabei. Auch zwei Düsseldorfer starten einen neuen Versuch, um den Kopfschutz salonfähig zu machen.

Die umstrittene Studie

Geht es nach Prof. Gernot Sieg, sind die Bemühungen gar nicht notwendig. In einer aktuellen Studie stellt der Leiter des Instituts für Verkehrswissenschaft an der Uni Münster die These auf: „Selbstverständlich kann es aus Sicht eines einzelnen Radfahrers ratsam oder sinnvoll sein, einen Helm zu tragen. Volkswirtschaftlich betrachtet, wäre die Einführung einer verbindlichen Regelung für alle Radfahrer jedoch nicht sinnvoll.“ Für ein Mehr an Sicherheit sollte Deutschland lieber in Rad-Infrastruktur investieren oder mehr Tempolimits einführen.

Sieg schreibt unter anderem, dass eine Helmpflicht zu einem Rückgang der Radfahrer führen könne. Grund seien hohe Anschaffungskosten sowie das einschränkende Gefühl beim Tragen. Treten weniger Leute in die Pedale, hätte das Gesundheitskosten in Höhe von 472 Millionen Euro zur Folge. Am Ende ergebe sich gesamtgesellschaftlich, alle Faktoren eingerechnet, ein finanzieller Schaden von 278 Millionen Euro.

Die Hannelore Kohl Stiftung reagierte erschüttert: „Angesichts der etwa 23.400 Radfahrer, die jährlich eine Gehirnverletzung erleiden“, seien die von Sieg zu Grunde gelegten Zahlen „schwer zu ertragen.“ Die Stiftung, die Menschen mit Schäden des Zentralen Nervensystems und ihren Angehörigen hilft, macht sich für eine Helmpflicht stark.

Die Designs

Wer als Radler Helm tragen will, hat die Auswahl zwischen verschiedenen Modellen. Da wären zum Beispiel Basecap-Designs, die mit zeitgemäßem Äußeren bestechen: „Es muss nicht immer der klassische Helm sein. Es gibt auch Überzüge, die ihn tragbarer machen, etwa mit einem Schirm vorne. Die sind auch waschbar“, sagt David Koßmann vom pressedienst-fahrrad. Die zivilen Designs würden die Helme nicht mehr so „schlimm sportlich-ernst machen“, wie der Experte beschreibt. Der Sicherheit würde das keinen Abbruch tun, man stülpe die Überzüge ja nur über den Helm.

Ebenfalls angesagt: der geschlossene Halbschalenhelm („Melon Helm“), der aus dem Skate- oder BMX-Sport bekannt ist. „Da sie keine Belüftungsschlitze haben, sind mehr Spielräume für verrückte Designs gegeben“, so Koßmann. Im Trend seien etwa weiße Pünktchen auf rotem Grund – die Sixties-Variante. Doch für den Alltag seien sie nicht unbedingt geeignet, da eben die Belüftung fehlt, sagt der Experte. Das Gleiche gelte für Überzüge. Für Kurzstrecken seien sie eine Alternative, die Skate-Helme halten auch harte Stürze aus. Manko bei den Varianten: Meist fehlt der Reflektor.

Der Hövding

Greift man (oder in diesem Fall eher Frau) noch etwas tiefer in die Tasche, kann ein ganz ausgefallenes Modell optimal sein: der Hövding Airbag für den Drahtesel. „Den gibt’s mittlerweile ab 300 Euro“, sagt Koßmann, auch in verschiedenen Designs. Und so funktioniert er: Er wird als Schal getragen und bläst sich bei einem Unfall so auf, dass der Kopf geschützt wird – wie ein Auto-Airbag eben. Das Ganze passiert per Sensoren, die auf einen Aufprall reagieren. Doch in einem Punkt ist seine Sicherheit noch nicht ausgereift: Fährt man etwa gegen eine Mauer, ist die Zeit für den Airbag zu kurz, um sich aufzublasen.

Newcomer

Zwei Düsseldorfer wollen den Helm-Markt neu aufziehen: Und zwar mit einem komfortablen Kopfschutz, der beim Tragen nicht stört. Sie versprechen: höhere Flexi­bilität, weniger Material­einsatz, deutlich geringeres Volumen und bessere Pass­form. Darüber hinaus können die drei Ele­men­te (die äußere Hard­shell, die Soft­shell darunter und das belüftende Vaco12 System) farbig kombiniert werden.

„Die Helme kommen in den nächsten Monaten auf den Markt. Erst in acht Designs, in einem zweiten Schritt sollen individuelle Gestaltungen möglich sein“, verspricht Thomas Schirmer, einer der zwei Gründer von „Rockwell“. Die Modelle sollen etwa 120 Euro kosten. Wichtig: „Sie erfüllen die TÜV-Norm und sind sehr sicher.“

Die Sicherheit

Die sollte abseits vom Trend-Aspekt immer beachtet werden. Doch was macht einen guten Helm aus? Das weiß Christiane Reckter, Sachverständige für Schutzausrüstungen beim TÜV Rheinland: „Zuerst ist es wichtig, dass der Helm passt. Es sollte höchstens ein Finger zwischen den Kopfring passen, mehr nicht.“

Außerdem sei man auf der sicheren Seite, wenn der Helm das Siegel „GS“ trägt. „Das bedeutet, dass die Produktion jährlich von uns geprüft wird. Das ist neben dem Baumuster-Zertifikat, ohne das kein Kopfschutz auf den Markt kommen darf, eine doppelte Absicherung.“ Dass ein Helm beim Aufprall kaputt ginge, sei ein gutes Zeichen: Denn dann hat er die komplette Kraft des Aufpralls absorbiert. „Ein Helm sollte nach einem Sturz sowieso entsorgt werden, da Schäden oft nicht sichtbar sind“, rät die Expertin.