Schnaps hilft der Verdauung? Elf gängige Alkohol-Mythen

Drei gängige Alkohol-Mythen im Check

Alkohol-Mythen

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Bier auf Wein, das lass sein. Den Spruch kennt wohl jeder, der mal ein Glas trinkt. Aber was ist dran an dieser und anderen Weisheiten?

Berlin.  Manche Mythen halten sich besonders hartnäckig. Dazu zählen auch viele Weisheiten rund ums Thema Alkohol . Ist Bier auf Wein wirklich tabu? Hilft das Konter-Bier gegen den Kater? Und ist ein kleiner Verteiler nach dem Essen wirklich gut für die Verdauung? Wir räumen mit den elf gängigsten Irrtümern und Mythen auf.

• Wer auf leeren Magen trinkt, wird schneller betrunken

Ja, das stimmt, denn der Alkohol gelangt dann schneller ins Blut.

• Eine gute Grundlage hilft, den Alkohol besser zu vertragen

Ja, auch das ist erst einmal richtig. Vor allem eine eiweißhaltige und fettige Nahrung ist als Grundlage empfehlenswert. Fettiges verzögert nämlich die Alkoholaufnahme. Die Folge: Man fühlt sich weniger betrunken. Wenn man es dann aber übertreibt, hilft auch das fettreichste Essen nicht mehr viel.

• Alkohol macht dick

„Keine Frage: Alkohol macht dick“, bestätigt Gastroenterologe Professor Manfred Singer von der Stiftung Biomedizinische Alkoholforschung. Denn Alkohol hat nicht nur sehr viele Kalorien, es hemmt auch noch den Fettabbau im Körper. Es gibt allerdings alkoholhaltige Getränke, die für die Kalorienbilanz besser sind als andere.

Das angeblich für einen dicken Bauch verantwortliche Bier ist beispielsweise eine geringere Kalorienbombe als Wein. Ein 0,2-Glas Bier hat etwa 90 Kalorien (acht Gramm reiner Alkohol), die gleiche Menge Wein hat 155 Kalorien (17 Gramm Alkohol) und ein 0,2-Glas Sekt hat 170 Kalorien (18,5 Gramm Alkohol). Generell gilt: Je hochprozentiger, desto kalorienreicher.

Und auch süße Alkoholsorten sind nicht gut für die Figur, sie enthalten nämlich neben dem Alkohol auch noch jede Menge Zucker.

• Bier auf Wein, das lass sein – Wein auf Bier, das rat‘ ich dir

An dieser vermeintlichen Weisheit ist Experten zufolge nichts dran. Nicht die Reihenfolge ist entscheidend, sondern die Trinkmenge, bestätigt auch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.

Allerdings stellte Professor Anton Piendl vom Institut für Brauereitechnologie der TU München vor einigen Jahren eine interessante These auf: Bier habe ja eine erheblich geringere Menge Alkohol als Wein. Wenn man also zuerst eine größere Menge Bier trinke, würde eine „Grundlage“ geschaffen, genau wie bei einer üppigen Mahlzeit. So würde der höherprozentige Wein nicht auf einen nüchternen Magen treffen – und der Alkohol langsamer in den Blutkreislauf gelangen. Von der Theorie „Bier auf Wein, das lass sein“ hält Piendl im Gegenzug aber nichts.

• Durcheinandertrinken macht schneller betrunken

Jein. Das Problem dabei ist, dass generell mehr getrunken wird, wenn man verschiedene Getränke zu sich nimmt. Wenn man nur bei Bier oder Wein bleibt, hat man meistens irgendwann genug davon und trinkt automatisch langsamer – und damit auch weniger.

Besonders katerträchtig sind außerdem stark zuckerhaltige Getränke, da der Zucker die Durchblutung anregt und der Alkohol schneller ins Blut gelangt. Gleiches gilt für Kohlensäure, da sie eine bessere Durchblutung der Magenschleimhaut bewirkt.

• Alkohol hilft beim Einschlafen

Ja, Alkohol fördert ein rasches Einschlafen. Allerdings sorgt er auch dafür, dass der Schlaf weniger tief ausfällt und man häufiger aufwacht. Das hat Neurologe Mahesh Thakkar mit seiner Forschungsgruppe an der University of Missouri herausgefunden.

Das bestätigte auch Dr. Peter Strate, Chefarzt der Klinik für Abhängigkeitserkrankungen der Asklepios Klinik in Hamburg, der „Kölnischen Rundschau“: „Meistens werden wir wach, wenn der Alkoholpegel sinkt, so nach zwei bis drei Stunden.“

• Ein Verteiler fördert die Verdauung

Kurzzeitig kann der Verdauungsschnaps durchaus dafür sorgen, dass sich die Muskulatur des Magens entspannt und man sich nach einem üppigen Essen besser fühlt. Studien zeigen allerdings, dass Schnaps die Verdauung grundsätzlich eher verlangsamt. Alkohol hemmt den Abbau von Fettzellen, was letztendlich die Verdauung erschwert und sie eher träge macht.

Ein Spaziergang nach dem Essen ist daher besser geeignet. Leichte Bewegung regt den Verdauungstrakt an.

• Wer aus dem Strohhalm trinkt, wird schneller betrunken

Nein, da ist nicht dran. Allerdings trinkt man durch einen Strohhalm meist schneller – und dadurch auch gerne mehr, wie beispielsweise MDR-Fernseharzt Dr. Carsten Lekutat bestätigt.

• Rauchen macht den Kater schlimmer

In der Fachzeitschrift „Journal of Studies on Alcohol and Drugs“ berichteten US-Forscher über die Wirkung von Zigaretten auf den Kater. In Versuchen habe sich gezeigt, dass Studenten, die gleichzeitig getrunken und geraucht haben, unter stärkeren Nachwirkungen litten als diejenigen, die nur getrunken haben. Es spricht also Vieles dafür, dass Zigaretten einen Kater verschlimmern.

Hinzukommt, dass Rauchen und Alkoholkonsum sich gegenseitig verstärken: Wir trinken mehr, wenn wir rauchen – und umgekehrt. Und so ist ein Kater meist die Folge.

Warum Alkohol Lust auf Zigaretten macht

Alkohol und Bier
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• Rollmops hilft gegen den Kater

Der Rollmops hilft eher indirekt. Durch das Salz wird man durstiger und eine ausreichende Menge Wasser und Tee helfen gegen den Kater. Außerdem ist Hering reich an Eiweiß und Omega-3-Fettsäuren. Er gibt dem Körper also Salz und Mineralstoffe zurück – Stichwort Elektrolyte.

• Ein Konter-Bier am nächsten Tag und der Kater ist vergessen

„Der Kater beginnt erst, wenn der Alkohol abgebaut ist. Das Gegenmittel Konter-Bier klingt daher ganz logisch. Aber gegen die Gesundheit zählt dieses Getränk mindestens doppelt. Der Körper muss sich schließlich erholen und derartige Konsummuster führen bekanntermaßen rasch in eine Abhängigkeit“, sagte Prof. Dr. med. Nicolas von Ahsen vom Medizinischen Labor Bremen dem Portal nordbuzz.de dazu. Also: Besser kein Bierchen am Morgen danach.

 

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