Veröffentlicht inLeben

Rosa Blüten im Garten – Wenn die Zierkirschen blühen

Leben_Zierkirsche_37825792.jpg
Foto: dpa
Millionenfach zieren im Frühling rosafarbene Blüten die Zierkirschen. In Japan ist das sogar Anlass für eine große Party: Hanami, das Kirschblütenfest. Auch hierzulande können die Bäume gedeihen und im Frühling den Garten mit Wolken aus rosa oder weißen Blüten schmücken.

Meckenheim. 

Wenn die Zierkirsche zu blühen beginnt, legt sich erst ein zarter Schleier in Rosa oder Weiß über die Zweige. Von einem auf den anderen Tag wird daraus eine Wolke aus Blüten. Die Zierkirschen (Prunus serrulata) sind ein Hingucker im Frühlingsgarten. «Diese Gehölze haben immer einen besonderen Zierwert», sagt Marita Ley, Baumschulerin aus Meckenheim (Nordrhein-Westfalen). Sie ist im Ausschuss Laubgehölze des Bundes deutscher Baumschulen (BdB) tätig.

Das Gehölz hat nichts mit Kirschbäumen zu tun. «Unter Kirschen versteht man grundsätzlich die Bäume, die Früchte tragen», erläutert Ley. Darunter fallen auch nur die essbaren Kirschen – und nicht etwa die wilde Vogel-Kirsche (Prunus avium). Die Zierkirsche wird häufig auch Japanische Kirsche genannt, denn sie ist dort weit verbreitet. Man feiert sogar das Kirschblütenfest Hanami. «Der Begriff Hanami besteht aus den chinesischen Schriftzeichen für Blume (hana) und Betrachtung oder Schau (mi) und heißt nichts anderes als Blütenschau», erläutert Michael Kuhl, wissenschaftlicher Mitarbeiter im EKO-Haus der Japanischen Kultur in Düsseldorf.

Hanami – das Kirschblütenfest in Japan

Hanami wird in Japan gefeiert, wenn die Bäume in voller Blüte stehen. Einen festgelegten Termin für dieses Fest gibt es nicht, sondern er richtet sich nach den klimatischen Bedingungen und der Wetterlage des jeweiligen Frühjahrs. «Ab Mitte März, wenn die ersten Kirschblüten in Südjapan gesichtet werden, berichtet das Fernsehen Tag für Tag vom Vorrücken der Kirschblütenfront nach Norden, was in Japan gespannt im Fernsehen verfolgt wird», erläutert der Japanologe Kuhl. «Ist dann der Tag X für die nähere Umgebung verkündet, bereitet man sich auf das Hanami vor.» Es ist ein Fest, das man mit Familie, Freunden und Arbeitskollegen feiert.

Die Pracht ist nur von relativ kurzer Dauer. «Bereits nach etwa zwei Wochen kann alles vorbei sein», sagt Kuhl. Ehe man sich versieht, fallen die Blütenblätter zu Boden oder werden vom Wind wie Schneeflocken davongetrieben. «Aufgrund dieser kurzen Blütezeit war die Kirschblüte einst auch ein Symbol für den tapferen Krieger, der von einem Moment auf den anderen im aufopferungsvollen Kampf sein Leben verlieren kann», erläutert der Japan-Experte. Heute ist die Kirschblüte gar ein Gleichnis für das Leben des Menschen generell.

Damit ist die Kirschblüte bei all ihrer Prachtentfaltung zugleich Hinweis auf die Vergänglichkeit allen Seins. «Ihr Verwelken und Abfallen ruft beim Betrachter Melancholie hervor – eine Stimmung die bereits früh in die japanische Lyrik Eingang fand», sagt Kuhl.

Zierkirschen wachsen an fast allen Standorten

Im Hausgarten, auch hierzulande, spielen Zierkirschen eine besondere Rolle. «In den meisten Fällen werden Zierkirschen als Einzelbaum, quasi als Hausbaum im Garten an exponierter Stelle gepflanzt», sagt die Baumschulerin Ley. Es gebe aber auch Zierkirschen, die in Strauchform wachsen. Die Verzweigung der Äste beginne knapp über dem Boden, so dass sie auch als guter Sichtschutz taugen.

Grundsätzlich wachsen Zierkirschen an fast allen Standorten. Ley empfiehlt aber gute, natürlich gewachsene Erde. «Der Boden sollte frisch bis feucht und zugleich tiefgründig, lehmhaltig und nährstoffreich sein», sagt die Gehölzexpertin. Hobbygärtner wählen möglichst sonnige Standorte aus.

Zierkirschen sind pflegeleicht. Hin und wieder tritt aber die Spitzendürre auf. Diese Pilzkrankheit wird auch als Monilia bezeichnet. Wie der deutsche Name sagt, sterben die Triebspitzen ab. Meist tritt die Krankheit direkt nach der Blüte auf. «Es ist wichtig, die befallenen Äste bis ins gesunde Holz zurückzuschneiden», empfiehlt die Baumschulerin Ley. An der Schnittstelle sollte das Holz frisch und hell sein. Braune Verfärbungen im Querschnitt sind ein Zeichen dafür, dass das Holz befallen ist. Hobbygärtner müssen auch darauf achten, dass die Beete «sauber» sind. «Alle Blätter der Pflanzen sollten im Herbst abgesammelt werden, so dass die Pilzsporen entfernt werden», sagt Ley.

Hobbygärtner können auch auf Nummer sicher gehen: Laut Ley wird seit langem beobachtet, dass die starktriebigen Sorten wie ‚Kanzan‘ teilweise frei von Monilia sind. Dagegen werden dünntriebige Sorten wie ‚Kiku-shidare-zakura‘ häufig befallen. «Grundsätzlich kann man sagen, dass gute Standorte und Pflege – also perfekte Böden, keine Staunässe, gute Pflanzenernährung – dazu beitragen, die Pflanzengesundheit bei Zierkirschen über Jahrzehnte sicherzustellen», führt Ley aus. Dies gilt auch für Kirschbäume.

Hängezierkirsche für den kleineren Hausgarten

Es gibt zahlreiche verschiedene Zierkirschen. Besonders hübsch sind natürlich die Blüten, die in Weiß und verschiedenen Rosatönen erblühen. «Daneben sind es die verschiedenen Wuchsformen, die die Pflanzen attraktiv machen», erläutert die Baumschulerin. Sie unterscheidet zwischen dem säulenförmigen, dem überhängenden, dem trichter- und dem kugelförmigen Wuchs. Die Sorte ‚Amanogawa‘ bildet beispielsweise eine schlanke Säule, die vollständig von der Blütenwolke umhüllt wird.

Für den kleineren Hausgarten empfiehlt Ley die Hängezierkirsche ‚Kiku-shidare-zakura‘. Das Straßenbild in den Städten wird häufig durch die trichterförmigen Baumkronen der Sorte ‚Kanzan‘ geprägt. «Besonders reizvoll ist bei vielen Sorten auch die Stammrinde», sagt Ley. Manche haben eine feuerrote oder rötlich glänzende, schimmernde Rinde. Darunter hebt Ley die Zierkirsche ‚Schmittii‘ und die Sorte ‚Rancho‘ von Prunus sargentii hervor. (dpa)