Olpenitz: Vom Marinehafen zum Ferienresort an der Ostsee

Solange noch nicht alle Ferienunterkünfte fertig sind, haben Urlauber das Resort in Olpenitz fast für sich allein und ihr Hobby.
Solange noch nicht alle Ferienunterkünfte fertig sind, haben Urlauber das Resort in Olpenitz fast für sich allein und ihr Hobby.
Foto: Michael Amme
In Olpenitz an der Ostsee entstehen 1000 neue Häuser und Ferienwohnungen. Der Urlaubsort hat aber mehr zu bieten als nur Baustellen.

Olpenitz..  In den letzten Jahren ließ Olpenitz vor allem durch negative Schlagzeilen von sich hören. Doch langsam nimmt das Feriendorf im Nordosten Schleswig-Holsteins Formen an. Aber kann man an einem Ort Urlaub machen, der noch eine Baustelle ist? In dem bisher nur ein Bruchteil der geplanten 1000 Ferienwohnungen und -häuser fertig gebaut ist und sich staubige Schotterpisten durch das Urlaubsareal schlängeln, das noch dazu ein ehemaliges Militärgebiet ist?

Der Weg nach Olpenitz ist von Hamburg aus nicht weit. Kurz bevor das flache schleswig-holsteinische Land ins Meer gleitet, biegt die Straße ab und wird uneben. Rechts der Schotterpiste, die bestimmt noch keinen Namen hat, schwimmen schon ein paar flache Würfelhäuschen im Wasser, festgezurrt an Schwimmstegen. Am Ufer steht bereits eine ganze Reihe statt­licher Bauten.

Der Ort ist zwar auf dem Reißbrett entstanden, aber dennoch harmonisch

Ich fahre weiter, links die Schlei im Blick und rechts die Ostsee, an einem sichelförmigen Strand vorbei, weiter am Hafenbecken entlang. Bis das Land wirklich fast zu Ende ist und ich vor einem kunterbunten Ferienhaus stehe, das für die kommenden Tage meine Heimat sein soll. Das Haus ist schnell inspiziert, vom Sofa aus sind Schleimündung und Ostsee zu sehen. Ich öffne die Balkontür und rieche das Meer, das ganz nah ist.

Olpenitz hat einiges hinter sich. Mehr als 40 Jahre verbarg sich hinter dem Namen kaum mehr als ein Marinehafen. Nachdem der Stützpunkt im Jahr 2006 ausgedient hatte, schmiedete ein Investor große Pläne: Ein Ferienpark für 500 Millionen Euro sollte hier entstehen. Doch jahrelang plätscherten die Planungen und Baufortschritte nur dahin, 2011 meldete der Investor Insolvenz an. Seitdem ist das Ostseeresort in der Hand einer Berliner Firma – und es passiert etwas auf dem 150-Hektar-Areal. Der neue Plan: Im Jahr 2022 soll es über 300 Ferienwohnungen geben und fast 700 Ferienhäuser. Zusätzlich zu den insgesamt 2500 Betten sind zwei Yachthäfen mit 300 bis 400 Liegeplätzen angedacht, weiterhin ein Hotel, Bootswerft und Winterlager sowie eine Hafenpromenade.

Am nächsten Morgen gibt es Frühstück auf der hölzernen Terrasse des Ferienhauses. Ein paar wenige Meter voraus raschelt Schilf im Wind, das Meer gurgelt über die großen dunklen Steine. Gerade pflügt ein kleines Fischerboot durch das Hafenbecken. Dahinter lässt sich der Weidefelder Strand im Morgendunst erahnen. Möwen kreischen. Noch vor wenigen Jahren standen hier Mannschaftsunterkünfte statt Ferienhäuser, Minensucher statt schwimmender Häuser. Alles grau statt bunt und freundlich. Es ist schon einiges passiert in Olpenitz. Der Ort ist kein gewachsenes Dorf, eher eine Ansammlung vieler kleiner Häuser, mal mit spitzem, mal mit flachem Dach, manche sind schon fertig, andere erst im Entstehen. Ein Ferienpark, am Reißbrett entstanden, aber harmonisch. Nicht allzu dicht bebaut und von Wind, Wasser und Wellen umgeben.

Kappeln liegt nur wenige Autominuten entfernt

Die Umgebung bietet sich zum Erkunden an: Kappeln mit seiner Klappbrücke, die sich jede Stunde öffnet, um den Segelschiffen Einlass in das Schleirevier zu gewähren. Arnis, die kleinste Stadt Deutschlands, deren grob gepflasterte Straße durch Kopfweiden und kleine, postkartenschöne Häuschen gesäumt ist. Und Maasholm, das winzige, an der Schleimündung gelegene Fischerdorf, in dem man den ­Fischern nachmittags gleich den frisch gefangenen Fisch abkaufen kann. ­Einen Tag verbringe ich in Damp, wo die Blicke die Bau­sünden aus den 80er-Jahren nur streifen und lieber am wunderbaren Sandstrand und dem Meer hängen bleiben.

Viel mehr muss man sich eigentlich nicht vornehmen, wenn man eine Woche nach Olpenitz reist. Nach Kappeln, das nur ein paar Autominuten entfernt liegt, treibt es einen ohnehin immer wieder – zum Beispiel donnerstags auf den kleinen, feinen Wochenmarkt. Oder abends, für ein Essen in der Fährschänke, in der es Dorsch und Scholle aus der Pfanne gibt und zünftiges Bauernfrühstück.

Zurück in Olpenitz. Ein kleines Schlepperbötchen zieht gerade eines der schwimmenden Häuser dorthin, wo es fortan liegen soll. Eine Handvoll Bauarbeiter wartet schon auf dem Schwimmsteg. Man hört sie schreien und Anweisungen geben, „mehr rechts, halt, mehr links!“ Dann nehmen sie Taue entgegen und verankern das Haus. Insgesamt 60 jener Bungalows sollen am Ende an vier Stegen schwimmen, ein jedes mit Bootsliegeplatz und Sonnenterrasse auf dem Dach.

Es ist spannend zu beobachten, wie Olpenitz wächst, Stein für Stein, Stückchen für Stückchen. Eine Familie aus Berlin hat sich hier ein Haus gekauft, damit sie einen Platz am Meer hat. Kinderspielzeug liegt verstreut im schmalen Gartenstreifen vor dem Bau, die Mutter erzählt von den Wochenenden, die sie hier verbringen. Sie steckt sich eine Haarsträhne hinters Ohr, die der Wind immer wieder herauszupft und blickt strahlend zur nahen Ostsee hinüber. „Wo sonst kann man seine freien Tage so nah am Meer verbringen?“

Jetzt muss man das nahe Meer noch nicht mit vielen Urlaubern teilen

Das stimmt: In Olpenitz ist man dem Meer überall ganz nah. Von ­meiner Ferienterrasse aus beträgt die Entfernung gerade mal drei bis vier Meter. Die Sonne verschwindet langsam hinter dem Haus, die Bagger und Lastwagen stehen still, hier und da leuchten Fenster in der nahenden ­Dunkelheit auf, das Meer schwappt ­leise über die Steine.

Weit weg ist die Baustelle, sind die Schotterstraßen, die noch nicht fertig gebauten Häuser. Ich denke: Wer sich jetzt schon in Olpenitz einnistet, der muss zwar zum Einkaufen nach Kappeln fahren, der kann auch noch nicht über eine schicke Hafenpromenade flanieren und muss noch ein bisschen Baulärm in Kauf nehmen. Aber der muss das nahe Meer auch noch nicht mit allzu vielen anderen Urlaubern teilen. Und wer jetzt hierher reist, erlebt den Anfang. Und der ist ja bekanntlich etwas ganz Besonderes. Denn wie schrieb schon Hermann Hesse? Allem Anfang liegt ein Zauber inne …

• Weitere Informationen:

www.novasol.de

 
 

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