Lüften will gelernt sein

Raumluft kann nicht nur stickig, sondern auch voller Schadstoffe sein. Die Fenster zu öffnen, ist die beste Lösung – wenn man es richtig macht!
Raumluft kann nicht nur stickig, sondern auch voller Schadstoffe sein. Die Fenster zu öffnen, ist die beste Lösung – wenn man es richtig macht!

Einen Großteil unseres Lebens verbringen wir in Räumen. Laut Umweltbundesamt (UBA) 80 bis 90 Prozent der Zeit. Vor allem, wenn viele Menschen in einem Raum sind, wird es dort bald stickig. Dabei benötigt der Mensch rund 15 Kilogramm Frischluft am Tag. Sauerstoff ist gut für die grauen Zellen, hält wach und vital. Deshalb ist richtiges Lüften für unsere Gesundheit so wichtig. Doch was bedeutet richtiges Lüften eigentlich?

Die meisten machen Fehler

Tatsache ist: Die meisten Menschen lüften verkehrt. Prinzipiell dient das Lüften von Wohn- und Arbeitsräumen drei Zwecken: der Regulierung der Temperatur, der Verbesserung der Luftqualität und dem Abführen von Luftfeuchtigkeit. Allein durch das Atmen wird Luft „verbraucht“ und mit Feuchtigkeit aufgeladen.

Ausdünstungen und Stäube aus Reinigungsmitteln, Wohntextilien, Druckern oder Tabakwaren belasten die Raumluft und sind unangenehm. In höheren Konzentrationen gefährden einige von ihnen auch die Gesundheit. Sie sollten also regelmäßig aus dem Raum abgeführt werden. Das Abführen von Luftfeuchtigkeit ist sehr wichtig, weil zu hohe Luftfeuchtigkeit das Wachstum von Hausstaubmilben und Schimmelsporen fördert, und diese können Allergien auslösen. Räume mit hoher Luftfeuchtigkeit sind generell Küche und Bad. Gerade beim Kochen oder Duschen kommt es darauf an, anschließend gründlich zu lüften. Und das geschieht mit „auf Kipp“ gestellten Fenstern nur unzureichend. Selbst stundenlang gekippte Fenster sorgen nur unwesentlich für Luftaustausch.

Stattdessen entweichen große Mengen von Heizungswärme. Außerdem kühlen bei dieser Art der Dauerlüftung die Wände in Fensternähe aus, die Luftfeuchtigkeit kann dort kondensieren, und es kommt möglicherweise zu Schimmelbildung.

Faustregeln für die Dauer

Ein weiterer unerwünschter Effekt: Es zieht unter Umständen in der Wohnung, wenn zeitgleich in mehreren Räumen die Fenster dauerhaft „auf Kipp“ stehen. Anhaltende Zugluft wiederum kann Gesundheitsbeschwerden hervorrufen: einen steifen Nacken beispielsweise oder gereizte Schleimhäute.

Was die Dauer des Lüftens betrifft, gilt folgende Faustregel: Ist es im Freien kälter als null Grad, werden die Fenster für fünf Minuten ganz geöffnet. Bei Temperaturen von bis zu zehn Grad sind es rund zehn Minuten. Ist es während der Heizperiode noch wärmer, stehen die Fenster am besten rund 15 Minuten lang offen – und das immer mehrmals am Tag. Im Sommer sollten es 30 Minuten pro Lüftung sein.

Wer tagsüber nicht zuhause ist, sollte beim Verlassen des Hauses und bei der Rückkehr jeweils ein paar Minuten für Durchzug sorgen – und zwar durch geöffnete Fenster an verschiedenen Gebäudeseiten. Öfter und unter Umständen auch länger als üblich lüften sollte man, wenn gerade gebadet, geduscht, gekocht oder Wäsche getrocknet wird oder wurde.

Das allgemein gesündeste Raumklima herrscht bei 50 Prozent Luftfeuchte und 20 Grad Raumtemperatur. Aber alles zwischen 40 und 60 Prozent ist auf Dauer akzeptabel. Wer sich nicht nur auf sein Gefühl verlassen möchte, kann sich ein Raumklima- Messgerät – ein Thermohygrometer – anschaffen. Gute Geräte gibt es schon für 20 Euro. jain/dpa

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