„Kokosöl ist das reine Gift“: Uni-Professorin warnt eindringlich vor Superfoods – zu Recht?

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  • Superfoods werden als Allzweckwaffe für eine gesunde Ernährung gepriesen
  • Auch Kokosöl soll wahre Wunder wirken
  • Eine Medizinerin warnt nun: Kokosöl führt zum sicheren Herztod

Berlin.  Wer auf Foodblogs unterwegs ist, stolpert mittlerweile fast in jedem Rezept über die gleiche Zutat: Kokosöl. Egal ob in der leichten Summerbowl mit Avocado, den fluffigen Chia-Zitronen-Waffeln oder in selbstgemachten Raffaelo – ohne Kokosöl scheint nichts mehr zu gehen.

Schließlich wird dem Superfood viel Gutes zugeschrieben: Gesund soll es sein, viele Vitamine liefern und natürlich weniger dick machen. „Alles völliger Quatsch!“, urteilt nun Prof. Karin Michels, Direktorin des Instituts für Prävention und Tumorepidemiologie am Universitätsklinikum Freiburg.

Michels: Superfoods sind ihr Geld nicht wert

Die Wissenschaftlerin hat in einem viel beachteten Vortrag über „Kokosöl und andere Ernährungsirrtümer“ aufgeklärt. Das Video wurde auf YouTube inzwischen mehr als eine Million Mal angesehen.

Kein Wunder, schließlich sind Michels Superfood-Thesen ziemlich plakativ. Superfoods seien nicht nur ihr Geld nicht wert, sondern zum Teil sogar schädlich. Vor allem mit dem hochgelobten Kokosöl geht die Professorin hart ins Gericht. „Kokosöl ist das reine Gift“, sagt sie. Es sei „eines der schlimmsten Nahrungsmittel, die Sie überhaupt zu sich nehmen können“.

Was ist dran an den Aussagen? Wir haben bei der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) nachgefragt.

Ist Kokosöl gefährlicher als Schweineschmalz?

Von einem positiven Effekt auf die Gesundheit könne bei Kokosöl keine Rede sein, sagt Michels. Im Gegenteil. Es sei gefährlicher als Schweinschmalz, weil es noch mehr gesättigte Fettsäuren enthalte. Das bestätigt auch die DGE.

„Das Öl der Kokosnuss enthält rund 90 Prozent gesättigte Fettsäuren“, sagt Sprecherin Silke Restemeyer. Zum Vergleich: Butterschmalz enthalte etwa 63 Prozent, Palmkernfett etwa 80 Prozent und Butter etwa 52 Prozent gesättigte Fettsäuren.

Führen gesättigte Fettsäuren zum sicheren Herztod?

Laut Michels verstopfen gesättigte Fettsäuren die Herzkranzgefäße und „führen zum sicheren Herztod“. Ganz so drastisch formuliert es die DGE-Sprecherin nicht, weist aber auch darauf hin, dass gesättigte Fettsäuren den Fettstoffwechsel ungünstig beeinflussen könnten und so das Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten erhöhten. „Denn gesättigte Fettsäuren erhöhen unter anderem das ‘schlechte’ LDL-Cholesterin “, so Restemeyer.

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Enthält Kokosöl Vitamine?

Ja, aber nur in sehr geringem Maß. Laut DGE komme Kokosöl auf 1,8 Milligramm Vitamin E pro 100 Gramm. Andere Öle schneiden da weit besser ab. So enthalte Rapsöl 18,9 Milligramm Vitamin E, Sonnenblumenöl: 62,5 Milligramm auf 100 Gramm.

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Erleichtert Kokosöl das Abnehmen?

Nein. Auch hier stimmt die DGE mit Michels überein. Oft wird argumentiert, Kokosöl enthalte etwa 50 Prozent mittelkettige Fettsäuren, die im Körper schneller verstoffwechselt werden könnten. Das kann man laut DGE so aber nicht stehen lassen.

Zwar sei der mit rund 50 Prozent hohe Gehalt an Laurinsäure im Kokosöl auffällig, sagt Restemeyer, Laurinsäure sei aber mit zwölf Kohlenstoffatomen schon eine langkettige Fettsäure. Die mittelkettigen Fettsäuren Capril- und Caprinsäure seien nur in geringen Mengen enthalten (zusammen rund 14 Prozent). „Mittelkettige Fettsäuren können wir zwar schneller und besser verdauen, vom „Abnehmwunder Kokosöl“ kann aber keine Rede sein“, so Restemeyer.

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Nach aktueller Studienlage sei nicht davon auszugehen, dass ein höherer Prozentsatz von mittelkettigen Fettsäuren in der Ernährung langfristig die Gewichtsabnahme relevant verbessere. Verschiedene wissenschaftliche Studien lieferten hierzu verschiedene Ergebnisse.

Ist Kokosöl denn nun wirklich Gift?

„Gegen einen gelegentlichen Verzehr von Kokosöl oder Kokosfett in geringen Mengen beispielsweise als Zutat in exotischen Gerichten ist nichts einzuwenden“, sagt Restemeyer. Um den Körper mit wertvollen einfach und mehrfach ungesättigten Fettsäuren zu versorgen, seien für den regelmäßigen Verzehr aber andere pflanzliche Öle wie Raps-, Walnuss-, Lein-, Soja- und Olivenöl zu empfehlen.

Michels hob in ihrem Vortrag insbesondere Fisch- und Leinöl hervor. Die mehrfach ungesättigten Omega-3-Fettsäuren dürften aber nicht erhitzt werden, da sie sonst ihre positive Wirkung verlören. Zum Anbraten sollten lieber Raps- und Olivenöl verwendet werden. (cho)

 
 

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