Frostbeule oder Wärmemotor? – Warum Frauen schneller frieren

Handschuhe, Schal und dicker Anorak: Frauen ist schneller kalt als Männern.
Handschuhe, Schal und dicker Anorak: Frauen ist schneller kalt als Männern.
Foto: Archiv/dpa
Frauen frieren schneller als Männer – zumindest die meisten. Aber warum, wo doch ihr Fettanteil im Körper größer ist? Das hat einen einfachen Grund.

Essen/Köln. Gleichberechtigung sieht irgendwie anders aus: Frauen frieren schneller als Männer – die meisten zumindest. Das hat einen einfachen Grund, wie Daniel Lay erklärt. Er ist Arzt im Institut für Kreislaufforschung und Sportmedizin an der Sporthochschule Köln.

Erstmal klingt es paradox: Frauen haben einen höheren Fettanteil (25%) als Männer (15%). Sie sind also besser gegen Wärmeverlust isoliert. Das hat einen evolutionsbiologischen Hintergrund: Frauen mussten nicht nur sich selbst vor der Steinzeitkälte schützen, sondern auch das ungeborene Kind. Die Wärme musste drinnen bleiben.

Hoher Fettanteil isoliert – Östrogen macht kalte Füße

Allerdings werde dieser fette Vorteil durch viele Nachteile ausgehebelt, erklärt Daniel Lay. Frauen sind tendenziell kleiner als Männer und haben dadurch eine größere Körperoberfläche in Relation zur Körpermasse. (Bei zwei 500g-Packungen Waschmittel fällt ja auch mehr Verpackungsmüll an als bei einer 1kg-Packung.) Und mehr Oberfläche bedeutet schnellerer Wärmeverlust. Außerdem ist Frauenhaut 15 Prozent dünner ist als Männerhaut.

KrankheitswellenDazu kommen die Hormone. Das Östrogen im Frauenkörper bewirkt zwar, dass die Wärme im Körper bleibt (zum Schutz des ungeborenen Lebens) – aber gleichzeitig werden dadurch Hände und Füße kalt. Das Hormon lässt die Blutgefäße schneller auf Kälte reagieren: Die Blutgefäße verengen sich und fahren die Versorgung der äußeren Extremitäten herunter. Im Gegenzug ist der Körper bei angenehmen Temperaturen von über 15 Grad besser durchblutet, weil sich die Gefäße weiten.

Der wichtigste Unterschied zwischen Männern und Frauen ist aber die Muskelmasse. Auch die hänge mit dem Hormonspiegel zusammen, erklärt Daniel Lay. Das Testosteron im Männerkörper fördert den Muskelaufbau – der Muskelanteil von Männern (40%) liegt deutlich über dem von Frauen (25%). Und weil bei der Muskelarbeit durch chemische Reaktionen viel "Abwärme" anfällt, ist Männern schneller warm. Da ist es nur logisch, dass bei echtem Frieren (Körpertemperatur unter 36 Grad) die Muskeln anfangen zu zittern, um Wärme zu erzeugen.

Kann man den Körper gegen Kälte abhärten?

Aber kann man sich das Frieren auch abgewöhnen? Ein bisschen könne man schon tun, so Daniel Lay. Eine isolierende Fettschicht anfressen geht schließlich immer. Das haben auch unsere Vorfahren getan, um besser durch den Winter zu kommen.

Man kann aber auch beim Muskelaufbau ansetzen: Frauen mit mehr Muskeln frieren weniger, und wenn dann noch genug Fett erlaubt ist, bringt das im Winter eine ganze Menge. Es kommt also auch auf die Sportart an. Kraftsport zum Beispiel ist als "Fröstel-Prävention" besser geeignet als Dauerlauf: Hier wird zu viel Fett verbrannt.

Und wenn gar nichts mehr geht, rät Sportmediziner Daniel Lay, muss sich der Körper eben langsam an Kälte gewöhnen. Heute seien wir kuschelige Wärme gewohnt. Kälte-Reizen sei der Körper kaum noch ausgesetzt. Zu einem gewissen Grad, so die Vermutung einiger Studien, lasse sich das Kälteempfinden durch Gewöhnung abhärten. Aber Vorsicht: Alles in Maßen.