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Familie Demir feiert gerne das deutsche Weihnachtsfest mit

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Foto: WR
Schon kurz vor dem Nikolaus-Tag steht der Tannenbaum in voller Pracht geschmückt im großen hellen Wohnzimmer der Familie Demir in Lüdenscheid. Auch dieses Jahr sind Aylin, Ilayda und Hursit Efe verantwortlich für die Schmückaktion, denn hauptsächlich wegen der drei Kinder wird das deutsche Weihnachtsfest mitgefeiert.

Lüdenscheid. 

Natürlich finden auch die Eltern den Festbaum im Haus an der Wilhelm-Kattwinkel-Straße am Vogelberg sehr hübsch. Dieses Jahr haben die Kinder die Silberfassung gewählt: Schleifen, niedliche Engel und bunt funkelnde Lichter machen den Weihnachtsbaum wunderschön – auch wenn er ein wenig nach links tendiert.

So entstanden im Laufe der Jahre eigene familiäre Weihnachtsbräuche: So der, dass jedes Jahr ein anderes Kind die Schmuckoberhoheit hat. Letztes Jahr war es die achtjährige Ilayda, noch ein ganzes Stück kleiner als heute. Wegen dieser Reichweite wurde der Baum nur zu zwei Dritteln Höhe geschmückt: „Sah richtig originell aus,” schmunzelt Papa Ahmet Demir.

Bis 1980 noch bei Oma in der Türkei

Der 40-jährige, Staatlich geprüfter Maschinenbautechniker und Vize-Vorsitzender des Integrationsrates Lüdenscheids, lebte bis 1980 bei der Oma in Istanbul, seine Frau Funda stammt aus Kappadokiens Metropole Kayseri. Mitten in der Türkei liegend, sollte die Stadt früher einmal Hauptstadt des ganzen Landes werden. Die gastfreundliche 35-jährige hat dort das Gymnasium besucht und kam 1995 nach Deutschland, eine harte Zeit für die junge Frau, die ganze Familie blieb in der Türkei und ihr Ehemann war wegen Beruf und Ausbildung viel unterwegs.

Die Eltern legen nicht so viel Wert auf Weihnachten, ihre drei Kinder doch. Am Heiligabend liegen auch Puppen und Autos unter dem Baum, doch sie sind „gebraucht”. Ilayda: „Meine Puppe soll unter dem Tannenbaum übernachten!” Die „neuen Geschenke” gibt es dann Silvester, so dass man nach den Weihnachtsferien in der Schule wieder gleichziehen kann mit den anderen Schülern.

Feste des Teilens und Schenkens

Aylin (15) wünscht sich ein neues Handy, das alte „ertrank” während einer England-Reise mit der Schule. Ilayde (8), wie immer bescheiden, „weiß noch nicht”, was sie sich wünscht, da muss wohl die Mama entscheiden. Doch der sechsjährige Hursit Efe weiß das umso besser – so ungefähr jede halbe Stunde ruft er seinen Wunsch durch’s Haus: „Einen ferngesteuerten Hubschrauber möchte ich!” Und lässt dabei seinen ferngesteuerten Lastwagen herumsausen.

Bei den Demirs wird Weihnachten und Silvester gefeiert: Traditionsgerichte im alten Sinne – wie den gefüllten Truthahn – gibt es nicht, man richtig sich weitgehend nach den Kindern – Pommes, Chicken McNuggets und Kindersekt. Mutter Funda bereitet aber auch ihr Lieblingsgericht Cigköfte (rohe Frikadellen), verschiedene Salate und kleine Vorspeisen (Meze) als Büfett vor.

Zeit der gegenseitigen Besuche

Weinblätter aus dem eigenen Garten gibt es wegen der Winterzeit ja leider nicht. Wie überall ist Weihnachten auch für Familie Demir eine Zeit der gegenseitigen Besuche, von Verwandten und Freunden, so auch die deutsche Pflegeoma, die in einem Altersheim wohnt und sich als Mitbringsel immer nur Fundas köstlichen Kartoffelsalat (mit Sumach) wünscht.

Natürlich feiern die Demirs auch die türkischen Feste wie Ramadan, den „König der elf Monde”, auch das Zuckerfest und das Schlachtfest. Sinn dieser Feste, so erklärt Ahmet, eigentlich, den Armen zu helfen. So, am Zuckerfest nicht nur den eigenen Kindern Süßes, Geschenke oder Geld zu geben. Am Schlachtfest soll geteilt werden: sieben ärmeren Familien, die sich Fleisch nicht leisten können, erhalten nach der Schlachtung ihren Teil.

Zuckerfest und Schlachtfest dauern drei Tage und dienen auch dem gegenseitigen Besuch – man besucht die Verwandtschaft auf dem Friedhof, Jüngere besuchen die Älteren, gleichaltrige Freunde sich gegenseitig, kurz – alles trifft sich.

Prinzip der direkten Hilfe funktioniert

Die Demirs erledigen diese soziale Pflicht des Teilens und schicken Geld zum Fleisch-Kauf in die Türkei. Da in der Türkei die Sozialhilfe noch nicht so organisiert ist, gibt es das Prinzip der direkten Hilfe: Ortsverwaltungen, öfter auch reiche Menschen, beauftragen Bäcker, für Arme zu backen. Dieses Prinzip, so Ahmet weiter, funktioniert auch bei Unfällen mit Verletzten: „Da hält wirklich jedes Auto an!”

Für die drei Demir-Kinder ist das Feiern von türkischen wie deutschen Festen überhaupt nicht problematisch, Aulin, Ilayda und Hursit Efe („Einen ferngesteuerten Hubschrauber will ich!”) finden Weihnachten sicher so schön wie alle anderen Kinder. Aylins Kuscheltier, Ilaydas Puppe und Efes Auto schlafen wohl unterm Tannenbaum. Der soll nächstes Jahr zu Weihnachten wieder ganz in Rot geschmückt werden, Anfang Dezember.