YouTube: Immer mehr Formate sind absolut fernsehtauglich

Für viele inzwischen Alternative zum Fernsehen: Auf YouTube laufen viele Formate, die klassischen Fernsehsendungen Konkurrenz machen.
Für viele inzwischen Alternative zum Fernsehen: Auf YouTube laufen viele Formate, die klassischen Fernsehsendungen Konkurrenz machen.
Foto: Dado Ruvic / REUTERS
Am Anfang waren Videoschnipsel, inzwischen laufen bei YouTube Shows, die dem Fernsehen Konkurrenz machen. Diese Shows sind sehenswert.

Berlin.  Als am 12. September die deutschen YouTube-Originals präsentiert wurden, zeigte sich einmal mehr, dass es die Videoplattform für Kreative in Sachen Entertainment mit dem Fernsehen aufnehmen kann. Und das kommt nicht von ungefähr: Die neue Spaß-Show „Neuland“ wird beispielsweise von Brainpool TV, den Show-Profis hinter Stefan Raabs „TV Total“ produziert. Ein deutliches Indiz dafür, dass hinter den Kulissen längst ein reger Austausch zwischen klassischer Fernseh- und jungdynamischer Online-Produktion stattfindet.

100 Prozent Neuland

Aus diesem Grund haben wir einmal geguckt, welche Online-Talente den umgekehrten Sprung vom Handy-Screen auf die Mattscheibe schaffen könnten, und aus der „Comedy + Entertainment“-Shortlist für den YouTube GOLDENE KAMERA Digital Award 2018 sechs unterschiedliche Formate herausgefiltert, die auch im abendlichen Jugendprogramm experimentierfreudiger Fernsehsender laufen könnten.

Die Late-Show-Aspiranten: World Wide Wohnzimmer

Als TWIN TV sind die Zwillinge Dennis und Benjamin Wolter im Mai 2010 mit Spaßvideos ins YouTube-Geschäft eingestiegen. Fünf Jahre später riefen die beiden Düsseldorfer ihre Satire-Show „World Wide Wohnzimmer“ ins Leben, die zwischenzeitlich als Channel-Name fungiert und in der sie News aus der YouTube-Szene kommentieren. Neben Gast-Interviews präsentieren Dennis und Benni diverse Video-Formate wie das Ratespiel „Erkennst Du den Song?“ oder das aus Community-Fragen generierte „Hater Interview“, die sich auch als Segmente einer klassischen Late Night Show gut machen würden.

Katja zeigt ALLES!

Der Alleinunterhalter: Julien Bam

Dass Julien Bam seit Gründung seines Channels im Februar 2012 fast fünf Millionen Abonnenten verzeichnen kann, spricht für sich. Der gelernte Breakdancer und leidenschaftliche Filmemacher hat sich mit aufwendigen Musikvideo-Parodien und Sketchen eine stetig wachsende Fangemeinde aufgebaut.

Dabei zeigt der in Aachen geborene 29-Jährige ein besonderes Gespür dafür, seine Community miteinzubeziehen – sei es in der FAQ-Rubrik „#HeyJu“, in der er sich auch schon mal mit Eurovision-Siegerin Lena eine Battle in Rap-Form liefert, oder in seiner „24h Instagram Challenge“-Variante, in der die Fans den Verlauf des Videos bestimmen. Eine digitale Volksnähe, die dem Gottschalk der YouTube-Generation Abendshow-Potential verleiht.

Willst du mich heiraten?

Die Koch-Show-Rebellen: Space Radio

Das Comedyduo Rick (Fabian Rieck) und Steve (Steven Schuto) gründete seinen ersten YouTube-Kanal Space Frogs im Mai 2010 und sorgte fortan mit skurrilen Sketch-Videos und Parodien für Aufsehen. Etwa ein Jahr später launchten die beiden Freunde ihren Vlog-Channel Space Radio, auf dem sie auch den Kochlöffel schwingen – aber nicht als Parodie, sondern spaßig seriös. An Rezepten für „Pizza Burger Bagel“ oder „Kroketten-Kuchen“ lässt sich allerdings ablesen, dass die „Space Radio“-Grobschmecker eine erfrischend hemdsärmelige DIY-Alternative zu den Lafers der pingeligen Fernsehkoch-Welt darstellen.

Das Notfallrezept

Die Game-Show-Challenger: Das schaffst du nie!

Ariane Alter, Sebastian Meinberg und Marc Seibold gehören zum Team des Online-Jugendkanals PULS, die von 2015 bis 2017 auch im BR Fernsehen das wöchentliche Magazin „Puls - Qualitätsfernsehen deines Vertrauens“ präsentierten. Dorthin zurück gehören auf jeden Fall die Beiträge aus ihrem YouTube-Channel Das schaffst du nie!, denn anders als bei etablierten TV-Sendungen wie „Joko gegen Klaas – Das Duell um die Welt“ oder „Schlag den Henssler“ steht bei ihren Videos nicht das Ego der Kontrahenten, sondern der Spaß der eigentlichen Challenge im Vordergrund.

Das schaffst du nie!

Der Musik-Show-Virtuose: Marti Fischer

Der aus Salzgitter stammende Absolvent der Deutschen POP-Akademie zeigt in seinem 2007 gegründeten und ursprünglich theclavinover betitelten YouTube-Channel, dass Comedy und musikalische Qualität Hand in Hand gehen können. Mit seinen Solo-Songcovern „Ein Loop zwischendurch“, der analytischen Videoreihe „Wie geht eigentlich Musik?“ und den Studio-Sessions beim funk-Format Bongo Boulevard beweist Marti Fischer, dass der smarte Moderator der KiKa-Sketchshow „Leider lustig“ die künstlerische Bandbreite hätte, mit einer eigenen Sendung das ausgestorbene Musikfernsehen wiederzubeleben.

Don’t Worry Be Happy

Die DIY-Fernsehmacher: Rocket Beans TV

Zum Launch der MTV-Sendung „Game One“ gründeten Daniel Budiman, Nils Bomhoff, Etienne Gardé, Simon Krätschmer und Arno Heinisch 2012 ihre eigene Medienproduktionsfirma und riefen parallel dazu den YouTube-Channel Rocket Beans TV ins Leben.

Nach Absetzung von „Game One“ machten die Raketenbohnen Nägel mit Köpfen und gründeten Ende 2014 ihren eigenen Livestream-Kanal, auf dem sie in so unterschiedlichen Formaten wie der Morningshow „#MoinMoin“, Talkrunden wie „Almost Daily“, Quizsendungen wie „Chat Duell“, dem Kinomagazin „Kino+“ oder dem „Game One“-Nachfolger „Game Two“ ihr Online-Publikum unterhalten. Ein professionell präsentiertes Jugendprogramm, das jeden Offenen Kanal in Qualitätsfernsehen verwandeln würde.

Royal Beef

Marti Fischer, Julien Bam sowie das Let’s-Play-Format „Game Two“ von Rocket Beans TV haben am 27. September in Berlin die Chance, den YouTube GOLDENE KAMERA Digital Award 2018 zu gewinnen. Die Jury-Entscheidungen werden im Show-Livestream ab 19.30 Uhr bekannt gegeben. (FMG)

 
 

EURE FAVORITEN

Warum sich die Polizei bei Fahndungen nicht direkt an die Öffentlichkeit wendet

Öffentlichkeitsfahndungen: Annika Koenig, Sprecherin der Polizei Essen, erklärt unter welchen Umständen die Polizei sich bei der Suche nach Tatverdächtigen oder Vermissten an die Bürger wendet.
Mi, 19.09.2018, 16.32 Uhr

Warum sich die Polizei bei Fahndungen nicht direkt an die Öffentlichkeit wendet

Beschreibung anzeigen