Was der Facebook-Börsengang für die Nutzer bedeutet

Gerrit Dorn
Facebook plant einen Mega-Börsengang. Zehn Milliarden US-Dollar will das Unternehmen im kommenden Jahr einsammeln. Doch was bedeutet das für die Nutzer? Schaltet Facebook jetzt mehr Werbung oder wird Datenschutz für Facebook sogar wichtiger, weil die Aktionäre keine Skandale wollen?

Essen. Der Marktführer unter den sozialen Netzwerken will an die Börse, weil ihm nichts anderes übrig bleibt: Insidern zufolge steht Facebook kurz davor, die magische Grenze von 500 Investoren zu überschreiten. Nach US-Recht muss jedes Unternehmen jenseits dieser Grenze, seine Bilanzen offen legen - ob börsennotiert oder nicht.

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg scheute den Börsengang bislang

Bislang scheute Facebook-Gründer Mark Zuckerberg den Gang an die Börse, weil er seine Unternehmenszahlen lieber geheim halten wollte. Wenn das wegen der großen Investoren-Zahl ohnehin nicht mehr möglich ist, nimmt er das Geld mit, das der Börsengang in die Kassen spült.

Doch was bedeutet der Börsengang für die Nutzer?

Mehr Werbung auf Facebook?

Zuckerberg ist bekannt dafür, langfristig zu planen, gern sogar in Zehn-Jahres-Rhythmen. Sobald Facebook an der Börse ist, wird sich das ändern. Denn die Aktionäre wollen schnelle Erträge sehen, wenn sie ihr Geld in das Unternehmen stecken. Das Management muss ihnen zeigen, wie kurzfristig Geld in die Kassen kommt.

Für Facebook-Nutzer könnte das bedeuten, dass sie bald mit mehr Werbung auf den Seiten leben müssen, vermutet Jo Bager, Redakteur des IT-Magazins c't und Social-Media-Experte. Denn Werbung ist die wichtigste Einnahmequelle des Unternehmens. Für Werbekunden ist Facebook eine attraktive Plattform, weil es riesige Mengen an persönlichen Daten über die Nutzer sammelt. Wer angegeben hat, dass er gern auf Reisen geht, wird also eher Anzeigen von Reisebüros als für neue Filme in seinem Profil finden.

Datenschutz-Abkommen bindet Facebook an strenge Regeln

In Sachen Datenschutz müssen sich die Nutzer wenig Sorgen machen, denn Facebook hat vor wenigen Wochen ein Datenschutz-Abkommen mit der amerikanischen Wirtschaftsaufsichtsbehörde FTC abgeschlossen. "Dadurch ist Facebook ziemlich strikt eingeschränkt, was neue Funktionen angeht", sagt Experte Bager.

Im Idealfall sorgen die Anleger sogar dafür, dass Datenschutz bei Facebook künftig eine größere Rolle spielt. Denn wenn es etwas gibt, was Aktionäre gar nicht mögen, dann sind das Skandale. Die nächste Sicherheitslücke bei Facebook könnte somit nicht nur einen Aufschrei in der Netzgemeinde provozieren, sondern auch den Aktienkurs ins Bodenlose stürzen lassen, was Facebook richtig Geld kostet.

Datenschützer hoffen auf Verbesserungen beim Datenschutz durch den Facebook-Börsengang

"Das könnte die Situation verbessern", sagt Marit Hansen, stellvertretende Datenschutzbeauftragte von Schleswig-Holstein. Gerade wenn kleine Aktionäre Rederecht auf Hauptversammlungen hätten, hofft sie, dass Datenschutz bei Facebook eine größere Rolle spielt.

Die schleswig-holsteinischen Datenschützer hatten sich zuletzt sehr kritisch über Facebook geäußert und Unternehmen und Behörden aufgefordert, den "Gefällt mir"-Button von ihren Internetseiten zu entfernen. Dieser von Facebook bereitgestellte Link überträgt Nutzerdaten an das Unternehmen, auch wenn der Benutzer gar nicht bei Facebook angemeldet ist.

Nutzer sollten trotzdem vorsichtig bleiben: "Bislang hat Facebook kein Bewusstsein für Datenschutz gezeigt", sagt Bager, "Es ist unklar, ob sich das durch den Börsengang ändert."

Facebook bleibt kostenlos

Eines steht für Experten allerdings fest: Auch wenn die Aktionäre auf schnelle Renditen drängen, wird Facebook weiterhin für die Nutzer kostenlos bleiben. Die Werbeeinnahmen sind für das Unternehmen wichtiger - und diese könnten zurückgehen, wenn die Nutzerzahlen wegen einer Bezahlschranke drastisch sinken.

Ansonsten droht den Nutzern durch den Börsengang vielleicht mehr Werbung, aber unter Umständen auch ein bisschen mehr Datenschutz.