Warum Facebooks Volksabstimmung dem Nutzer egal sein kann

Facebook ruft seine Nutzer zur Abstimmung über neue Datenschutzbestimmungen auf - eine Auswirkung auf die Entscheidung hat die Abstimmung nicht.
Facebook ruft seine Nutzer zur Abstimmung über neue Datenschutzbestimmungen auf - eine Auswirkung auf die Entscheidung hat die Abstimmung nicht.
Foto: afp
Facebook will zum gefühlt 324. Mal seine Datenschutzrichtlinien ändern. Wir Nutzer sind aufgefordert, darüber abzustimmen, ob wir das auch wollen. Doch unsere Meinung kümmert Facebook nicht wirklich, so wenig wie uns die Datenschutzregeln von Facebook interessieren.

Palo Alto/Essen. Datenschützer dieser Welt, schlagt die Hände über dem Kopf zusammen! Ich bin seit Jahren bei Facebook und nein, ich hatte die Datenschutzbestimmungen des Netzwerks bislang nicht gelesen. Ich schäme mich ein wenig, aber ich bin mir sicher: Millionen anderen geht es genauso.

Schon deshalb ist die Mammut-Abstimmung, zu der Facebook seine Nutzer in dieser Woche auffordert, eine Farce. Eine Milliarde Facebook-Nutzer sind aufgefordert, die neueste Reform der Nutzungs-Richtlinien des Unternehmens gutzuheißen - oder eben nicht.

Dutzende Seiten engbeschriebener Text schreien: "Lest das nicht!"

Facebook versteht es sonst wie vielleicht nur Google, seine Nutzer in knapper Form über neue Funktionen zu informieren, die neuen Regeln aber präsentieren die Betreiber auf dutzenden engbeschriebenen Bildschirm-Seiten mit kaum verständlichem Text. "Lest das nicht!" ist die implizite Aufforderung.

Die Betreiber tun das aus gutem Grund: Nach den Facebook-Richtlinien ist das Votum der Nutzer nur verbindlich, wenn sich 30 Prozent der Nutzer beteiligen. Das sind ungefähr 300 Millionen Menschen. Menschen, die sich Sorgen darum machen, wie lange sie ihren Job noch haben, deren Kinder krank sind, oder die momentan im Urlaub sind. Kurz: Menschen, die Besseres zu tun haben, als diese Regeln zu lesen.

Facebook will Geld verdienen, Facebook will Geld verdienen, Facebook will...

Facebook ändert seine Richtlinien, um die über Kunden gesammelten Daten besser "monetarisieren" zu können, sprich: um Geld zu verdienen. Das ist legitim. Facebook ist ein börsennotiertes Unternehmen und macht keinen Hehl daraus, aufs Geldverdienen aus zu sein.

Wer sich dort noch immer in einer Kommune glaubt, in der sich alle lieb haben, und Marc Zuckerberg für eine Art Guru hält, der die Menschheit in einem gigantischen Freundeskreis zu einen versucht, hat das Geschäftsmodell von Facebook nicht verstanden.

Die Mehrheit ist gegen die neuen Regeln - ja und?

Seit Montag läuft die Abstimmung, bislang haben sich 200.000 Menschen beteiligt. 175.000 lehnen die neuen Richtlinien ab. Wenn die Frist am Montag ausläuft, werden vielleicht eine Million abgestimmt haben, viel zu wenig fürs Quorum. Dass sie mit überwältigender Mehrheit gegen die Änderungen votiert haben werden, ist völlig unerheblich. Facebook-Land ist nicht demokratisch.

Fortan sollen sich Facebook-Nutzer mit Datenschutzfragen und -beschwerden direkt an die Datenschutzbeauftragte wenden, so wie es in anderen Unternehmen auch üblich ist. Der Anschein von Nutzer-Mitbestimmung ist das Historie, Facebook wird ein gewöhnliches Unternehmen. Oder hat schon einmal jemand eine Abstimmung darüber angestoßen, inwiefern Aldi Statistiken über den Wurst- und Käsekonsum seiner Kunden erheben darf?

Facebook war nie ein Hort des Datenschutzes - und wird es nie sein

Facebook macht seit Jahren, was es will, häufig genug in einer datenschutzrechtlichen Grauzone. Das Unternehmen war nie ein Hort des Datenschutzes, was unzählige Skandale beweisen. Ob das unter den neuen oder den alten Richtlinien geschieht, ist für den Nutzer egal. Wen das stört, der sollte sich dort nicht anmelden.

Wer sich mit der Facebook'schen Datenschutz-Auslegung arrangieren kann, muss sich nicht samt Leib und Seele verkaufen. Ein bis zwei Mal nachdenken, bevor man intime Lebensdetails oder gar Fotos teilt, reicht meistens schon. Dann lässt es sich dort - auch mit neuen Nutzungsregeln - ganz gut aushalten.

 
 

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