Vorbild „Jack Ryan“: Nutzen Terroristen Playstation-Chats?

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In Action-Serien wie „Jack Ryan“ bei Amazon Prime chatten Terroristen gerne über die Playstation. Aber wie ist das in der Realität?

Berlin.  Wenn Scheich Suleiman sich mit seinen Untergebenen unterhält, können Anti-Terror-Ermittler nicht mithören oder mitlesen. Suleiman und seine Gefolgsleute aus Terrorkreisen nutzen ein Videospiel auf der Playstation 4 im Stil von „World of Warcraft“, das weitestgehend abhörsicher ist. Diese Szene stammt aus der fiktiven Serie „Tom Clancy’s Jack Ryan“ auf Amazon Prime. Doch kommunizieren Terroristen auch im realen Leben über Computerspiele und Videokonsolen wie es auch die Serie „Six“ zeigt?

Die amerikanische Bundespolizei FBI hatte es im vergangenen Jahr tatsächlich die Playstation eines Terrorverdächtigen aus Kansas abgesehen, wie aus einem Ersuchen des FBI hervorgeht. Die Ermittler wollten so Chatprotokolle und Rückschlüsse auf mögliche Komplizen von Isse Aweis Mohamud einsehen. Der Terrorverdächtige soll zuvor fast alle Daten von seiner Playstation gelöscht haben, wie das „Forbes“-Magazin berichtet.

So hoffte das FBI auf Daten, die Sony über sein Playstation Network online gespeichert hatte. Und tatsächlich haben die Ermittler von Sony Daten erhalten. Der Mann wurde wegen Dokumentenfälschung verurteilt – allerdings ohne die Nutzung von Daten, die das FBI beim Playstation-Hersteller Sony angefordert hatte. Was die Terrorermittlungen gegen Mohamud ergeben haben, bleibt bis heute offen.

Auch deutsche Behörden ermittelten in Computerspielen

Der Fall eignet sich also kaum als Bestätigung von Szenen aus „Jack Ryan“ oder der Serie „Six“, in der Terroristen ebenfalls über Chats in Computerspielen kommunizieren. Doch wie bewerten deutsche Sicherheitsbehörden und Hersteller von Spielekonsolen die Gefahr durch Terroristen in Computerspielen? Schließlich hatte doch Belgiens Vize-Premierminister und Innenminister Jan Jambon im Jahr 2015 davor gewarnt, dass Terroristen über die Playstation 4 auch Anschläge in Europa planen könnten.

Beim Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) hieß es auf eine Anfrage unserer Redaktion im Frühling 2018 bereits: Das BfV „ist Hinweisen auf Islamisten in Computerspielen nachgegangen, aber diese ließen sich weder verifizieren noch falsifizieren“.

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Während Sony und Microsoft sich uns gegenüber nicht zu Anfragen von Sicherheitsbehörden äußerten, sagte eine Pressesprecherin von Nintendo unserer Redaktion: „Es gab keine Fälle von Anfragen der Sicherheitsbehörden in Bezug auf kriminelle Chats“. Generell würde das Unternehmen aber mit den Sicherheitsbehörden in anderen Fragen zusammenarbeiten.

Aus anderen Sicherheitsbehörden ist zu hören, dass die Kommunikation über Videospiele unter Terroristen eher eine untergeordnete Rolle spielen dürfte – schließlich würden weit verbreitete Chat-Programm auf Smartphones mittlerweile eine Verschlüsselung anbieten. Und diese sei selbst für Ermittler der Polizei und der Geheimdienste nur über Umwege wie den Staatstrojaner zu umgehen.

 
 

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