Streit mit Gema beendet – keine Sperrtafeln mehr bei Youtube

Mit dieser Sperrtafel wies Youtube seine Nutzer bisher darauf hin, dass ein Musikvideo in Deutschland nicht abgespielt werden kann.
Mit dieser Sperrtafel wies Youtube seine Nutzer bisher darauf hin, dass ein Musikvideo in Deutschland nicht abgespielt werden kann.
Foto: imago/Rüdiger Wölk
  • Videoportal Youtube und Musikrechte-Gesellschaft Gema legen jahrelangen Rechtsstreit bei
  • Youtube zahlt nun doch Abgaben an die Gema – auch einen Abschlag rückwirkend ab 2009
  • Rote Sperrtafeln dürften damit in der Mehrzahl der Fälle der Vergangenheit angehören

Berlin.. „Dieses Video ist in deinem Land nicht verfügbar. Das tut uns leid.“ Vielfach erhielten Youtube-Nutzer in der Vergangenheit diese Mitteilung, wenn sie sich ein Musikvideo anschauen wollten. Illustriert wurde die Nachricht mit einem roten Gesicht mit heruntergezogenem Mundwinkel. Doch damit ist nun Schluss.

Denn Youtube und die Verwertungsgesellschaft für Musikrechte Gema haben ihren langjährigen Urheberrechtsstreit beigelegt. Wie Faz.net berichtet und die Gema gegenüber der Deutschen Presse-Agentur bestätigte, haben sie einen Lizenzvertrag abgeschlossen, der am 1. November in Kraft tritt. Musikvideos, die unter Gema-Lizenz laufen und für die Youtube bislang nicht zahlen wollte, werden freigeschaltet.

Gema scheiterte jüngst noch vor Gericht

„Für die Gema und ihre Mitglieder ist der Vertragsabschluss mit Youtube ein Meilenstein“, sagte Thomas Theune, Gema-Direktor Sendung & Online, Faz.net: „Er sichert den rund 70.000 Komponisten, Textdichtern und Verlegern endlich eine Beteiligung für die Nutzung ihrer geistigen Schöpfungen auf Youtube.“

Bisher hatte sich die Videoplattform gegen Abgaben an die Gema gewehrt. Als Argument führte sie ins Feld, dass sie nur eine Plattform zur Verbreitung von Nutzerinhalten sei und mit dem Ladevorgang der Musik an sich nichts zu tun habe. Vor Gericht war die Gema Anfang dieses Jahres noch gescheitert. Sie wollte damals 0,375 Cent von Youtube für jeden Abruf eines Musikvideos verlangen.

Abschlagzahlung für vergangene Jahre

Welche Summe die Gema nun von Youtube erhält, darüber wurde laut Faz.net Stillschweigen vereinbart. Darüber hinaus gebe es aber eine Abschlagzahlung für die Jahre seit 2009. Seitdem hatten sich Gema und Youtube juristisch gestritten.

Die roten Sperrtafeln werden allerdings nicht komplett verschwinden: Sie werden beispielsweise dann geschaltet, wenn der Künstler oder die Plattenfirma kein Mitglied der Gema ist und andere Rechte geltend macht.

Weg frei für Abodienst Youtube Red

Der jahrelange Streit hatte Musikfans verärgert und teilweise auch Kritik aus der Musikbranche an der Gema ausgelöst. So baute der US-Musikdienst Vevo, der im Rest der Welt stark auf Youtube setzte, in Deutschland einen eigenen Kanal auf, um seine Videos zeigen zu können. Auch einige Musikkonzerne und Künstler verloren die Geduld und forderten einen Kompromiss.

Mit der Einigung wird auch der Weg für den Start des kostenpflichtigen Abodienstes Youtube Red in Deutschland freigeräumt, der ohne Werbung auskommt. Konkrete Ankündigungen dazu gibt es vom Unternehmen bisher aber nicht. (cho/dpa)

 
 

EURE FAVORITEN