"Socialbeergame" - Wenn Facebook zum Biertrinken animiert

Menschen, die sich beim Bietrinken filmen: "Socialbeergame" heißt der neueste Facebook-Trend.
Menschen, die sich beim Bietrinken filmen: "Socialbeergame" heißt der neueste Facebook-Trend.
Foto: Thinkstock
Ein neuer Trend macht auf Facebook die Runde: Beim "Socialbeergame" filmen sich junge Menschen selbst beim Biertrinken, veröffentlichen das Video und fordern Freunde auf, es ihnen nachzutun. Mitmachen kostet nichts, bringt aber auch nichts. Außer Ärger, wenn die falschen Menschen den Film sehen.

Essen. Pünktlich zum zehnten Geburtstag des größten sozialen Netzwerks der Welt kommen die Facebook-Kritiker wieder aus ihren Höhlen. Lamentieren von Banalisierung der Gesellschaft, vom Verlust jeglicher Privatsphäre, von jungen Leuten, die zu keinem Gespräch von Auge zu Auge mehr in der Lage seien. Jetzt gibt es etwas, dass alle Kritiker auf einen Schlag verstummen lässt. Für immer. Die Rede ist vom "Socialbeergame", der neuesten Errungenschaft des Mega-Netzwerks.

Worum geht's? Menschen posten ein kleines Video auf Facebook, in dem sie ein Bier trinken ohne die Flasche respektive das Glas abzusetzen, vulgo "exen." Anschließend nominieren sie Freunde, indem sie diese in dem Eintrag markieren. Diese sind dadurch aufgefordert, ihrerseits ein Bier-Video aufzunehmen und zu veröffentlichen. So schließt sich der endlose Kreis.

Wer hat's erfunden? Schwer zu sagen, wie bei jedem Trend aus diesem Internet. Die Kollegen der Mittelbayerischen Zeitung meinen, die unfreiwilligen Trendsetter in der Oberpfalz ausfindig gemacht zu haben. Fakt ist aber auch: Wie fast jede Variante des Alkoholmissbrauchs hat auch diese einen Vorgänger in England: #neknominate hieß der Hype, der die Briten schon vor geraumer Zeit umtrieb.

Was bringt das? "Social Credibility", wenn man so will. Was sollen die Facebook-Freunde von einem denken, wenn man bei einer solch edlen Herausforderung kneift? Da greift man doch lieber zu Flasche und Smartphone und zeigt den Halunken, was man drauf hat. Unwahrscheinlich, dass Mama und der Chef diesen heldenhaften Einsatz nicht zu würdigen wissen.

Was passiert, wenn ich nicht mitmache? Laut socialbeergame.com, der Internetseite, die einer offiziellen Seite zum Thema am ähnlichsten ist, muss man seinem Nominator einen Kasten Bier spendieren. Demnach sieht das Regelwerk aber auch vor, dass eine Nominierung abgelehnt werden kann. Höchstrichterliche Urteile zu dem Thema liegen zur Stunde noch nicht vor.

Wie viele machen mit? Subjektive Schätzung anhand der Timeline: 12345678 Trilliarden. Objektive Schätzung: unschätzbar. Der größten Socialbeergame-Facebook-Gruppe gehören gut 22.000 Menschen an (Stand: Dienstag, 11:30 Uhr).

Was sollte man beachten? Dass es mitunter sehr viel schneller geht, ein Video zu veröffentlichen, als es wieder aus dem Internet zu tilgen. Also besser zweimal darüber nachdenken, wem ein solcher Beweis eigener Heldentaten zugänglich gemacht wird. Und natürlich: Bitte niemanden nominieren, der die für Bierkonsum erforderliche Reife noch nicht erlangt hat.

Was sagen Kritiker? Nichts, sie sind allesamt sprachlos ob der Errungenschaften der modernen Medienwelt. Oder kennen Sie jemanden, der vor der Facebook-Erfindung einen Film auf Super-8-Kassette aufgenommen und das Werk per Post an seine Freunde geschickt hat? Beweisführung abgeschlossen: Doch nicht nur schlecht, dieses Facebook. Prost!

 
 

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