RWE-Mitarbeiter hetzen auf Facebook gegen "Öko-Terroristen"

Sit-In am Braunkohlebagger: Mehreren Hundert Aktivisten war es im August gelungen, aufs Tagebau-Gelände zu gelangen.
Sit-In am Braunkohlebagger: Mehreren Hundert Aktivisten war es im August gelungen, aufs Tagebau-Gelände zu gelangen.
Foto: dpa
"Ab in die Grube und zuschütten die Affen": Auf Facebook geraten Umweltaktivisten ins Visier von Braunkohle-Befürwortern aus den Reihen von RWE.

Essen.. Der Ton im Netz ist manchmal rau. Manche wollen Flüchtlingen an den Kragen, weil sie um ihr täglich Brot oder den Untergang den Abendlandes fürchten. Andere haben es auf Umweltaktivisten abgesehen. Zu dieser Gruppe gehören auch Mitarbeiter des Energiekonzerns RWE.

"Ich hasse dieses dreckige, kriminelle Pack immer mehr! (...) Es wird Zeit sich zu wehren!", zitiert der WDR einen Kommentar aus einer Facebook-Gruppe, die ein RWE-Mitarbeiter gegründet hat. "Es wird Zeit, dass endlich mal zurückgetreten wird", lautet ein anderer. "Ab in die Grube und zuschütten die Affen" schlägt ein weiterer Nutzer vor.

RWE-Mitarbeiter gründeten die Gruppen

Es sind vor allem zwei Gruppen, in denen sich die Hass-Postings sammeln: "Für Braunkohle und Arbeit, gegen Öko-Extremismus" heißt die eine, „RWE-Mitarbeiter für eine faire Berichterstattung“ die andere. Hinter beiden stecken RWE-Mitarbeiter, nicht aber der Konzern, wie die Pressestelle auf WDR-Anfrage beteuerte.

Im Gegenteil: Man werde mit den betroffenen Mitarbeitern reden, teilte RWE dem WDR mit - und hat das offensichtlich auch getan. In beiden Gruppen sind jüngst Postings erschienen, in denen die Admins die Diskutanten zur Mäßigung aufrufen: Gewaltaufrufe würden nicht akzeptiert. Man gehe Hinweisen nach und ziehe "auch entsprechend arbeitsrechtliche Konsequenzen", wenn nötig, teilte RWE mit. Hass-Kommentare seien gelöscht worden.

Gleichzeitig betont ein Unternehmenssprecher den "auslösenden Faktor und die Ursache für die Gründung der Facebook-Gruppen - nämlich die illegalen und zum Teil gewalttätigen Übergriffe auf unser Unternehmen und auf unsere Mitarbeiter". Die Umweltaktivisten hätten nicht nur zu Gewalt und Selbstjustiz aufgerufen, sondern diese auch praktiziert, erklärte er gegenüber unserer Redaktion. RWE-Mitarbeiter seien "aufs Übelste beleidigt", bespuckt und körperlich attackiert worden.

Garzweiler-Besetzung als Auslöser

Die Facebook-Gruppen waren im August gegründet worden, kurz nachdem Umweltaktivisten einen Braunkohle-Tagebau in Garzweiler besetzt hatten. Der Protest hatte auch überregional für Aufsehen gesorgt. Die Polizei geriet in die Kritik, weil Beamte während des Einsatzes Fahrzeuge von RWE genutzt haben sollen. Das sei normal, erklärte die Polizei später, in dem Gelände sei die Polizei auf Spezialfahrzeuge angewiesen. RWE erhalte eine Entschädigung dafür.

800 Anzeigen wurden aufgenommen, unter anderem wegen Landfriedensbruchs. Unter RWE-Mitarbeitern und Braunkohle-Sympathisanten war anschließend Kritik an der Berichterstattung, insbesondere der des WDR, laut geworden. (dor)

 
 

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