Mobiler Business-Helfer

US-Forscher haben eine Handy-Ergänzung entwickelt, mit der Manager ihr Verhalten in Meetings "live" kontrollieren und anschließend nachvollziehen können. Sinnvolle Performance-Analyse oder Datenschutz-Albtraum?

Früher wäre es undenkbar gewesen, Menschen Tag für Tag und auf Schritt und Tritt mit Digitaltechnik zu folgen, um all das aufzuzeichnen, was sie tagtäglich tun – schon allein wegen der fehlenden Aufzeichnungsgeräte mit genügend Kapazität. Heute ist das jedoch anders: Längst sind tragbare Festplatten mit mehreren 100 Gigabyte verfügbar und Forschungsprojekte wie Microsofts "Digital Life Log" machen es durchaus vorstellbar, dass wir Menschen eines Tages ein lückenloses digitales Tagebuch führen könnten.

Diese Idee, so gruselig sie für jeden Datenschützer erscheinen mag, wird nun auch in der Wirtschaft aufgenommen. Denn in Meetings, auf Konferenzen und bei Verkaufsgesprächen vergeuden viele Manager von heute reichlich Zeit, weil sie oft nicht zielführend genug agieren. Zu diesem Befund kommt zumindest die internationale Unternehmensberatung Accenture mit ihrer jahrelangen entsprechenden Erfahrung – und will dem nun etwas entgegen setze: Ein Gadget, das das Problem löst oder zumindest verkleinert, in dem es die Leistungsfähigkeit "live" verbessern hilft.

Das Gerät mit dem schönen Namen "Personal Performance Coach" wurde von den Wissenschaftlern des Forschungsarms der Consulting-Firma, den Accenture Technology Labs im kalifornischen Palo Alto, entwickelt und ist eine Ergänzung für reguläre Mobiltelefone. Es enthält diverse Sensoren – darunter einen zur Positonsbestimmung per GPS, ein Mikrofon und einen Herzfrequenzmesser. Die Anbindung an einen Server im Internet erfolgt über das angebundene Mobiltelefon, das dem Nutzer auch als Display dient.

Die Idee hinter der Technologie ist simpel: Sie soll den Nutzer effizienter machen, indem geschäftliche Gespräche, Meetings, Verkaufsverhandlungen und Vertragsgespräche aufgezeichnet und anschließend ausgewertet werden. Das soll sogar nahezu in Echtzeit gehen, wie Projektleiter Alex Kass erklärt: "Das System vergleicht beobachtetes Verhalten mit Leistungszielen und macht dann Vorschläge, wie man besser vorgehen kann."

Um die Kunden nicht zu verschrecken, wollen die Accenture Technology Labs das Gadget allerdings nicht als Überwachungsmittel verstanden wissen. Es gehe viel mehr um ein neuartiges Trainingsmittel: "Im Gegensatz zu Unterrichtssitzungen wird hier genau gesehen, was draußen im Geschäftsleben passiert."

Vorstellbar ist zum Beispiel, dass man sich vorab das Ziel setzt, dem Kunden in den ersten 20 Minuten nahezu das Wort zu überlassen, um seine Vorgaben besser zu verstehen: "Wenn man ihn dann plötzlich unterbricht und plötzlich 80 Prozent der Zeit redet, wird [der Performance Coach] aktiv." Als Feedback kann man sich beispielsweise leise Piepstöne oder eine Stimme im Ohr vorstellen, wenn man ein Headset trägt – oder das Gerät zeigt es einfach im Handy an.

Die Accenture Technology Labs sehen in dem Helferlein für den (zu) gesprächigen Manager jedoch nur eine mögliche Anwendung für den "Performance Coach". Eine andere gehört in den Bereich des Medizinischen: Das gleiche Gerät könnte auch dabei helfen, sich immer genügend Schlaf zu können, Medikamente einzunehmen (inklusive GPS-Routenführung zur nächsten Apotheke) oder Diättipps übermitteln, wenn man kurz vor dem Essen sitzt.

Technologisch ist die Umsetzung in ein kaufbares Produkt kein großes Problem: "Eine neue Generation von leistungsfähigen, tragbaren Computern ist verfügbar, die unser Leben und unsere Arbeit verändern wird", meint Kass. Sie könnten helfen, das eigene Verhalten besser zu verstehen und so die "persönliche und auch professionelle Effektivität" erhöhen.

Zum Thema Datenschutz gibt es im Paper der Accenture Technology Labs-Forscher zunächst allerdings keine Angaben – so würde ein "Performance Coach" sich wahrscheinlich nur dann absetzen lassen, wenn er unter der vollen Kontrolle des Trägers stünde, nicht jedoch die seines Chefs.

Die Erfassung auf Schritt und Tritt ist hingegen nicht wirklich etwas Neues: Schon heute können Mobilfunknetzbetreiber problemlos Bewegungsprofile speichern, die die Behörden bei der Ermittlungsarbeit inzwischen sehr gerne verwenden.

 
 

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