Ins Netz und wieder zurück

Adobes neue Plattform AIR soll es Programmierern erlauben, eine Brücke zwischen Web und Desktop zu schlagen.

Zahlreiche Anwendungen, die ursprünglich auf dem Desktop beheimatet waren, wandern inzwischen ins Web – das wohl bekannteste Beispiel ist Google Docs, die Online-Textverarbeitung der großen Suchmaschine. Während also immer mehr Nutzer sich daran gewöhnen, ihre Programme und Daten im Browser zu nutzen, arbeitet der Softwarekonzern Adobe an einer Technologie, die solche Anwendungen auf den PC-Schreibtisch zurückholt. Die "Adobe Integrated Runtime" oder schlicht "AIR" genannte Plattform soll Programme ermöglichen, die die Stärken Web-basierter Lösungen mit denen traditioneller Desktop-Werkzeuge kombiniert

Adrian Ludwig, Produktmarketing-Manager für die Technologie, erklärt AIR schlicht so: Die darin programmierte Anwendungen sei stets lauffähig, egal ob der Nutzer nun online ist oder nicht. Ist der Internet-Zugang aber verfügbar, arbeitet AIR ähnlich wie Web-Werkzeuge, integriert neueste Daten aus dem Netz, egal mit welchem Rechner man auf sie zugreift. Ist der Nutzer dann wieder offline, läuft die AIR-Anwendung weiter und wartet darauf, Daten erneut zu synchronisieren, sobald es wieder ins Netz geht. "Wir mischen also Desktop- und Web-Anwendungen", sagt Ludwig.

Die Nutzer müssten sich um AIR selbst dabei wenig Gedanken machen. Ähnlich wie der viel verwendete Flash Player (ebenfalls von Adobe) kommt die Laufzeitumgebung als Plugin auf die Maschine – bei der ersten Nutzung einer AIR-Anwendung wird sie heruntergeladen, sollte sie noch nicht vorhanden sein. Alle nachfolgenden Programme lassen sich anschließend sofort nutzen. Und ähnlich wie Websites arbeiten AIR-Anwendungen auf allen Plattformen gleich, egal ob der Nutzer Windows oder Mac OS X verwendet; auch eine Linux-Version ist von Adobe geplant. Für Programmierer ist die Entwicklung von AIR-Anwendungen hingegen ganz anders als die von Desktop-Programmen. Statt mit einer Programmiersprache wie C++ wird die Software mit Werkzeugen zur Webentwicklung erstellt – HTML, JavaScript und Flash.

Verschiedene Firmen haben bereits erste Demonstrationsprogramme mit AIR erstellt – darunter eBay, die US-Technologiebörse Nasdaq und der Online-Kleiderhändler Anthropologie. Diese Anwendungen illustrieren verschiedene Ansätze, die Technologie zu nutzen. Das eBay-Tool ist dazu gedacht, Power-User mit Informationen über ihre Auktionen zu versorgen – und das jederzeit, wie Ludwig erklärt. Offline-Funktionen sind hier nicht angedacht, doch die Anwendung nutzt die Integration mit dem Desktop, um wichtige Informationen direkt an den Nutzer weiterzuleiten. So springt das Icon beim Mac kurz hoch, wenn jemand ein Gebot in einer Auktion abgibt, die der Nutzer verfolgt.

Die Anthropologie-Anwendung setzt hingegen auf die Offline-Nutzung. Das AIR-Tool lädt den Firmenkatalog auf den Rechner des Nutzers und hält ihn auf dem neuesten Stand, wenn dieser wieder ins Netz geht. Offline-Suchfunktionen, die schneller laufen sollen als im Web, sind ebenfalls integriert. Es lassen sich außerdem auch ohne Internet Bestellungen vormerken, die dann beim nächsten Mal abgeschickt werden.

Joshua Rand, Chef von Sapotek, Hersteller des Web-basierten Betriebssystems Desktop Two, sieht in Technologien wie AIR einen guten Ansatz für den Trend zum "Cloud Computing", weil es für die Nutzer leichter werde, ihre Daten konsistent zu halten. Web-basierte Dienste wie Desktop Two erlauben es den Nutzern zwar, von mehreren Rechnern auf die gleichen Daten zuzugreifen. Doch die automatische Synchronisation ist beim Offline-Arbeiten sehr nützlich, weil man stets den letzten Stand auf den eigenen Rechner "gespiegelt" bekommt. Sapotek arbeitet deshalb derzeit an einer AIR-Version seiner Software.

Jeffrey Hammond, Analyst bei Forrester Research, sieht bei Annahme von AIR durch die Entwicklerszene noch deutlich abenteuerlichere Anwendungen. "Die Herausforderung wird sein, das Plug-in möglichst allgegenwärtig zu machen." Bei Flash sei dies Adobe weitgehend gelungen. Obwohl es ähnliche Produkte wie Microsoft Silverlight oder Google Gears gebe, seien die doch nicht in direkter Konkurrenz zu Adobe. Der Multimedia-Spezialist will die erste Finalversion von AIR Anfang 2008 bereitstellen.

 
 

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