Haken am Himmel

Das US-Start-up Skyhook wurde durch eine Partnerschaft mit Apple schlagartig bekannt. Dabei ist seine WLAN-Navigationstechnologie schon für sich genommen ein erstaunlich genauer Ansatz.

Es ist ein altes Problem. Ortsbasierte Dienste setzen sich zwar auf mobilen Endgeräten immer stärker durch, um dem Nutzer beispielsweise stets zur aktuellen Position passende Restaurant-, Shopping- oder Veranstaltungstipps durchzugeben. Doch nur in reichlich seltenen Fällen enthalten die Handys oder mobilen Internet-Rechner auch einen GPS-Chip zur Satellitennavigation. Und wenn, dann beansprucht die Ortung viel zu viel der wertvollen Batteriekapazität. Ansätze, diese Schwierigkeiten zu lösen, gibt es einige – doch erst in jüngster Zeit setzen sie sich auch wirklich auf dem Markt durch.

Lokalisierung über Mobilfunk-Basisstation

Die wohl einfachste GPS-Ersatzmethode versucht derzeit, Google populär zu machen: Die Handy-Version des Kartendienstes "Maps" bietet eine neue Funktion namens "My Location". Sie liest auf Nutzerbestätigung ganz einfach die aktuelle (und weltweit eindeutige) Identifikationsnummer der Basisstation aus, mit dem das Mobiltelefon derzeit verbunden ist. Über den Abgleich mit einer Datenbank, die Google zukaufte und auch mit Hilfe seiner Nutzer ständig verbessert, wird diese ID dann in eine Ortsangabe umgewandelt. Befindet man sich in einer Innenstadt, in der viele Basisstationen auf den Dächern stehen, ergibt sich so eine relativ genaue Positionsbestimmung, die mit etwas Glück einige hundert Meter genau sein kann. Auf dem flachen Land wird's dank größerer Abdeckungsbereiche dagegen wieder ungenauer, aber immerhin dürfte man so eine Ortsangabe erhalten, sollte die aktuell empfangene ID bereits in Googles weltweiter Datenbank zu finden sein.

Neben der Standardlösung GPS und der ungenaueren Variante über die Basisstation existiert allerdings noch eine dritte Lösung, die mit der zunehmenden Verbreitung von drahtlosen Internet-Zugängen zu tun hat: Die Navigation per WLAN. Was bis dato eher in den Bereich der Forschung gehörte – so betreibt die University of Washington zusammen mit Intel eine entsprechende R&D-Software namens Place Lab –, entwickelt sich derzeit zu einem Produkt für den Massenmarkt. Im Mittelpunkt steht das US-Start-up Skyhook aus Boston. Es wurde vor allem durch die Ankündigung Apples Anfang Januar bekannt, seine Technik in den populären Produkten iPhone und iPod touch einzusetzen, engagiert sich aber bereits seit 2003 auf dem Markt der alternativen Navigationstechnologie ohne GPS. "Das war eine riesige Bestätigung unserer Technologie", meint Skyhook-Firmenchef Ted Morgan. Inzwischen gelang es dem Start-up, große Bereiche der Vereinigten Staaten abzudecken, aber auch Teile Europas inklusive diverser deutsche Großstädte werden bereits zur genauen Positionsbestimmung unterstützt.

Alternative WLAN

Die Technologie nennt sich in Anlehnung an GPS einfach WPS, was für "Wi-Fi Positioning System" steht (Wi-Fi ist der US-Markenname für WLAN). Das Prinzip ist simpel und funktioniert vor allem deshalb so gut, weil die Welt inzwischen mit WLAN-Basisstationen vollgestellt ist. Dazu fahren Skyhook-Partner zunächst jene Städte ab, die von dem System abgedeckt werden sollen, und speichern an jedem Punkt die eindeutigen Netzwerkadressen (MACs) der in diesem Moment sichtbaren Basisstationen. Aus dieser Datenbank ergibt sich ein System, das triangulationsfähig ist: Ein WPS-fähiges Endgerät prüft, welche Basisstationen aktuell empfangen werden können, und ermittelt über den Datenbankabgleich seine Position. Da stets mehr als nur eine Ortsinformation vorliegt, ist die Technologie erstaunlich genau – in Berlin-Mitte beispielsweise unter 100 Meter. Interessant an der Technik ist auch, dass es der Skyhook-Software völlig ausreicht, WLAN-Basisstationen nur zu "sehen"; eine Verbindung muss nicht aufgebaut werden, was die Betreiber, zumeist Privatpersonen, stören könnte.

Insgesamt 23 Millionen WLAN-Basisstationen wurden so bereits ermittelt, was 70 Prozent der Bevölkerung Kanadas und der USA entspricht. In Deutschland funktioniert das System neben der Hauptstadt in Regionen wie Frankfurt, Leipzig Köln, Hamburg und Stuttgart, wobei insbesondere Berlin bereits eine große Abdeckungsdichte aufzuweisen scheint. Was die anderen EU-Länder angeht, ist man insbesondere in England weit gekommen. Als nächsten Schritt will Skyhook verstärkt in Asien kartografieren, wo derzeit nur wenige Großstädte in Südkorea, Japan, Taiwan und China abgedeckt wurden.

GPS-Chips werden stromsparender

Die Skyhook-Software läuft dabei nicht nur auf Smartphones wie dem iPhone. Fast noch beeindruckender ist der Dienst "Loki 2.0", der auf jedem Laptop mit Firefox- oder Internet Explorer-Browser über eine Toolbar funktioniert. Einmal installiert, wird die aktuelle Position sofort in Google Maps dargestellt, ortsbasierte Suchfunktionen inklusive. Mit insgesamt 16,8 Millionen Dollar an eingesammeltem Risikokapital will Skyhook genügend Mittel haben, die Welt weiter zu kartografieren.

Dennoch könnte es sein, dass sich dann doch eher Kombinationslösungen durchsetzen. So setzt selbst Apples iPhone nicht nur auf Skyhook allein, sondern nutzt auch Googles "My Location"-Dienst samt Abfrage der Basisstation. Und dann wäre da noch die ursprüngliche GPS-Technologie. Die dafür notwendigen Chips werden immer billiger, stromsparender und genauer, sodass Experten davon ausgehen, dass sie eines Tages wirklich in jedem Mobilgerät stecken. (Vom Satellitennavigationssystem der nächsten Generation, Galileo, einmal ganz abgesehen.) Doch bis dahin bietet Skyhooks WPS mit älteren Endgeräten eine interessante Alternative. WLAN-Basisstationen gibt es in Großstädten inzwischen genug.

 
 

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