Hacker beginnen Kongress mit Kampfaufruf gegen Überwachung

Edward Snowden hat die NSA-Überwachung publik gemacht - und so die Aufmerksamkeit für das Thema Datenschutz im Netz gesteigert.
Edward Snowden hat die NSA-Überwachung publik gemacht - und so die Aufmerksamkeit für das Thema Datenschutz im Netz gesteigert.
Foto: Wikileaks/Archiv
Tausende Computerexperten und Internetaktivisten treffen sich derzeit in Hamburg. Eingeladen hat der Chaos Computer Club (CCC). Ein Thema wird das Jahrestreffen der Hacker und Netzpolitiker beherrschen: Wie reagiert die Szene auf die Berichte über die allumfassende Überwachung durch Geheimdienste?

Hamburg.. Internet-Aktivisten und Computer-Experten haben ihr 30. Jahrestreffen Chaos Communication Congress mit einem Aufruf zum Widerstand gegen staatliche Überwachung begonnen. "Wir sind aus einem Alptraum aufgewacht in eine Realität, die noch schlimmer ist", sagte Auftaktredner Tim Pritlove am Freitag in Hamburg. "Wir müssen das Internet neu erfinden, wir müssen das Internet neu denken." Der Lebensraum der Szene werde durch die Überwachung wie durch ein Gift bedroht.


Ein Videoclip zeigte eine Rückblende auf 1984, das Jahr des ersten Chaos Communication Congress. "1984" ist zugleich der Titel eines Roman von George Orwell, der die Horrorvision einer komplett überwachten Gesellschaft beschreibt.

Das Buch sei nicht als Anleitung gedacht gewesen, lautet ein dieser Tage wieder viel zitierter Spruch der Hackerszene. Eine Warnung, auf die Pritlove erneut verwies angesichts der Enthüllungen über die praktisch grenzenlosen Möglichkeiten der Geheimdienste zur Überwachung der digitalen Kommunikation.

Chaos Computer Club hofft auf regen Zulauf durch Snowden-Enthüllungen

Pritlove rief die versammelten Hacker in dem vollbesetzten Saal im Congress Centrum Hamburg auf, sich gegen ausufernde Überwachung zu wehren. Die Geschwindigkeit, mit der sich die digitale Überwachung verbreite, müsse verlangsamt werden, sagte er. "Habt Spaß und rettet die Welt", rief er den Teilnehmern zu. Bis Montag erwarten die Teilnehmer des Kongresses dutzende Vorträge, Projekte und Präsentationen. Dabei werden die Snowden-Enthüllungen auch immer wieder eine Rolle spielen

Die Enthüllungen des US-Informanten Edward Snowden werden dem Jahrestreffen der Hackervereinigung Chaos Computer Club (CCC) nach Ansicht der Organisatoren regen Zulauf bescheren. Erwartet wurden bis zu 8000 Teilnehmer.

Glenn Greenwald wird zugeschaltet

Das seien etwa ein Drittel mehr als im vergangenen Jahr, sagte Frank Rieger vom CCC vor dem Beginn der viertägigen Veranstaltung in Hamburg am Freitag. "Der Snowden-Faktor spielt da schon eine Rolle."

"Durch die Snowden-Enthüllungen haben viele gesehen, dass wir nicht gesponnen haben die ganzen Jahre", sagte Rieger. Der CCC warnt seit Jahren vor ausufernder staatlicher Überwachung und schwindendem Datenschutz.

Mehrere Redner sind direkt an den Enthüllungen beteiligt, die Hauptrede am Eröffnungstag hält der Journalist Glenn Greenwald per Videoschalte. Er war einer der ersten Reporter, denen der ehemalige Geheimdienstmitarbeiter Snowden Dokumente über die zuvor streng geheime Arbeit des US-Dienstes NSA und anderer Geheimdienste übergab.

Julian Assange hat Video-Auftritt geplant

Auf dem Kongress steht die Hackerszene auch vor der Frage, wie sie politisch und technisch auf die Erkenntnisse aus den Snowden-Dokumenten reagieren will. In mehreren Vorträgen soll es um Gegenmaßnahmen wie Verschlüsselung und Anonymisierung gehen. Der Gründer der Enthüllungsplattform Wikileaks, Julian Assange, soll per Video auftreten.

Der Kongress ist gleichzeitig das Jubiläumstreffen des Clubs, er findet dieses Jahr zum 30. Mal statt. "Die Themen, um die es hier geht, werden immer wichtiger für die Gesellschaft", sagte Rieger. Auch daher sei das Interesse gestiegen. Viele Teilnehmer nennen das Treffen "30C3", das Kürzel steht für den 30. Chaos Communication Congress, so der offizielle Titel. (dpa)

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