Flash-Festplatten im Daumennagel-Format

Der Chipriese Intel hat ein Laufwerk ohne bewegliche Teile angekündigt, das die Leistungsfähigkeit von Desktop-Systemen in die Jackentasche holen soll.

Intel hat eine der kleinsten Flash-basierten Laufwerke gezeigt, die es bislang auf dem Markt gab. Das winzige Bauteil konkurriert mit ähnlichen Produkten von Samsung, die bereits in Geräten wie Apples iPod nano oder iPhone stecken. Intels Vorteil: Der Hersteller hat bereits eine Standard-Controller-Baugruppe integriert, die es besonders leicht und kostengünstig machen soll, mehrere dieser Flash-Festplatten zu einem größeren Speichermedium zusammenzufassen. Der Chip-Riese will sich damit als Technologieführer im Flash-Segment positionieren, das auf längere Sicht konventionelle Festplatten auf Magnetbasis ersetzen soll. Smartphones und ultramobile Rechner benötigen solche haltbare Medien mit hoher Datendichte, um bald leistungsmäßig mit Desktop-Rechnern konkurrieren zu können.

Seit Einführung der Flash-Speicher-Technik in den Neunzigerjahren hat sich im Consumer-Electronic-Segment enorm viel getan. Weil die Speicherchips kleiner, haltbarer und energieeffizienter als traditionelle Festplatten sind, haben sie sich als ideales Medium für Mobilgeräte vom MP3-Spieler über die Kamera bis zum Handy erwiesen. Auch in manchen High-End-Laptops steckt die Technik bereits. Das "Solid State"-Design bedeutet, dass die Komponenten keine beweglichen Teile besitzen und Daten stattdessen mit Hilfe ihrer Siliziumtransistoren speichern, wie man sie aus regulären Mikroprozessoren kennt. Aus diesem Grund folgt die Technik auch (zumindest grob) den Regeln des Mooreschen Gesetzes, laut dem die Anzahl der Transistoren auf einem Chip sich alle zwei Jahre verdoppelt. Bei Prozessoren bedeutet dies, dass sie regelmäßig schneller werden, weil sie mehr Rechenschritte gleichzeitig durchführen können – bei Flash-Speichern, dass sich ihre Kapazität verdoppelt. Der Markt hat darauf längst reagiert: 1999 war das Segment noch kaum vorhanden, während es 2007 bereits 15,2 Milliarden Dollar ausmachte.

Auf einer Presseveranstaltung zeigte Don Larson, Marketingmanager für den Bereich NAND-Produkte bei Intel, den neuen Baustein: Der "Z-P140" ist ungefähr so groß wie ein Daumennagel und wiegt weniger als ein Wassertropfen. Er wird in 2- und 4-Gigabyte-Varianten angeboten, die für Hersteller von Handheld-Geräten verfügbar sein werden. Erste Geräte mit der Technologie sollen noch im Januar ausgeliefert werden.

Da die neue Solid-State-Festplatte den Standard-Controller bereits eingebaut hat, kann sie mit bis zu drei anderen Intel-Chips kombiniert werden, so dass sich insgesamt 16 Gigabyte-Speicherplatz ergibt. Das ist im Vergleich zu den 160 Gigabyte-Festplatten, die in vielen Notebooks stecken, zwar eher wenig – doch es reicht aus, um Betriebssysteme samt Anwendungen laufen zu lassen, beispielsweise Linux. Der neue Speicher soll außerdem gut mit aktuellen Intel-Mobilprozessoren zusammenarbeiten, so dass er sich für ultramobile PCs eignet. Und es soll bald noch weiter gehen: Bis 2010 werden bis zu 64 Gigabyte auf gleicher Fläche erwartet.

Ganz unkritisch ist die Flash-Technologie allerdings nicht. Die einzelnen Speicherzellen, die die Daten in Form von elektrischen Ladungen vorhalten, sind nicht unbegrenzt haltbar. Laut Intel kann eine dieser Zellen immerhin bis zu 100.000 Mal beschrieben und wieder gelöscht werden. Damit es zu keiner schnellen Überbeanspruchung kommt, existiert ein spezieller Algorithmus in der Firmware, der das Lesen und Schreiben über die Zellen verteilt. Probleme sollen so je nach Benutzungsdauer erst nach fünf Jahren auftreten. Ein zweites Problem – der Abbau des statischen elektrischen Feldes, das die Ladungen vorhält – soll erst nach zehn Jahren zu potenziellen Datenverlusten führen.

Forscher bei Intel und anderen Firmen forschen unterdessen an der nächsten Generation der Solid State-Technologie, die Flash schließlich ersetzen soll. Getestet wird unter anderem so genannter "Phase-Change"-Speicher, bei dem sich die Kristallstruktur des Ausgangsmaterials in Reaktion auf Hitze verändert – die Ausrichtung repräsentiert dann Null und Eins. Die Technologie hat ähnliche Vorteile wie Flash – etwa in Sachen Haltbarkeit und Datendichte. Hinzu kommt, dass die Schreibgeschwindigkeit nochmals deutlich höher ist.

 
 

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