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Facebook-Seite schockt mit Kinderbildern in der Timeline

Facebook-Seite schockt mit Kinderbildern in der Timeline

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Foto: Funke Online
Die Timeline der bizarren Facebook-Seite „Henriettes Kinderbasar“ ist voll von Kinderbildern. Die Macher dahinter haben eine klare Botschaft.

Essen. 

Die Facebook-Seite „Henriettes Kinderbasar“ mutet bizarr an: Das Profilbild zeigt einen Horrorclown und in der Timeline sind fast ausschließlich Bilder von Kindern zu sehen – meist offenbar Schnappschüsse, aufgenommen von den Eltern. Dahinter steckt eine Gruppe von Netzaktivisten, die öffentlich gepostete Kinderbilder teilen.

Eltern, die dort womöglich die Bilder ihrer eigenen Kinder gefunden haben, kommentieren das im Netz als „krank“ und „gestört“; inzwischen gibt es gar mehrere Facebook-Gruppen, die „Henriettes Kinderbasar“ den Kampf angesagt haben und die Betreiber verklagen wollen.

„Eltern wissen nicht, wie grausam Kinder sein können“

Dabei ist das, was die Macher der Seite tun, völlig legal. „Die machen nichts anderes, als öffentlich gepostete Bilder zu teilen“, sagt Andre Wolf vom Verein Mimikama, der sich gegen Internetmissbrauch einsetzt.

Die Botschaft der Seitenbetreiber: Eltern sollten private Bilder ihrer Kinder nicht öffentlich posten, weil sie von jedem geteilt, verbreitet und heruntergeladen werden können. Und: Wenn die Bilder einmal im Netz sind, bleiben sie dort womöglich für lange Zeit – das kann für die Kindern später unangenehm werden. Weil die Betreiber der Seite anonym bleiben möchten, sind sie nur via Facebook-Chat erreichbar. Dort sagt uns einer der Administratoren: „Die Eltern gehen unverantwortlich mit der Privatsphäre ihrer Kinder um und sind sich nicht bewusst, was passiert, wenn später mal ein Mitschüler die Bilder finden sollte. Denn dann ist Mobbing angesagt. Eltern wissen leider oft nicht, wie grausam Kinder sein können.“

Andre Wolf von Mimikama sieht das ähnlich: „Gerade sehr kleine Kinder haben ja keine Möglichkeit, dagegen zu protestieren, dass Bilder von ihnen im Internet veröffentlicht werden.“ Zwar haben auch Babys grundsätzlich ein Recht am eigenen Bild – das liegt automatisch aber auch bei den Erziehungsberechtigten. „Wir sind klar der Ansicht, dass man Bilder der eigenen Kinder nicht ins Netz stellen sollte“, sagt Wolf. Die Art und Weise, wie „Henriettes Kinderbasar“ auf das Thema aufmerksam macht, sei ihm aber zu krass. „Die wollen aufklären, aber das passiert auf Kosten der Kinder, nicht der Eltern. Die Betreiber hauen da ja nochmal drauf, indem sie die Bilder teilen.“

„Die versuchen, den Teufel mit dem Belzebub auszutreiben“

Auch beim Deutschen Kinderschutzbund NRW sieht man „Henriettes Kinderbasar“ eher kritisch. „Dort versucht man ja, den Teufel mit dem Belzebub auszutreiben. Wir finden das bedenklich“, sagt Sprecherin Nicole Vergin. In der Sache selbst sei der Kinderschutzbund aber ähnlicher Ansicht. „Wir rufen immer wieder dazu auf, Bilder von Babys und Kindern nicht öffentlich bei Facebook zu teilen.“ Eltern sollten in jedem Fall darauf achten, dass die Bilder nicht öffentlich, sondern nur für Freunde sichtbar sind. „Oder man lässt es einfach ganz und zeigt den Freunden die Bilder im Fotoalbum.“

Auch Andre Wolf weist darauf hin, dass sich Eltern genau überlegen sollten, warum sie ein Bild posten und wem sie es zeigen. „Es ist ja nicht unbedingt verwerflich, Bilder seiner Kinder zu posten. Aber Eltern sollten sich fragen: Was möchte ich damit erreichen, dass ich diese Bilder öffentlich zeige?“ Dass Bilder heruntergeladen und etwa in Pädophilen-Kreisen herumgereicht werden, sei indes eher unwahrscheinlich.

Privataufnahmen landen später auf Teen-Pornoseiten

Anders hingegen sei das bei Selfies und Bildern von Jugendlichen. „Da haben wir ganze Archive von Privataufnahmen, die später auf Teen-Pornoseiten gelandet sind“, sagt Wolf und rät auch hier eindringlich, Bilder nur Freunden zugänglich zu machen.

Wer übrigens Bilder seiner Kinder auf „Henriettes Kinderbasar“ entdeckt, kann sie dort ganz einfach entfernen: Mit einem Klick auf die kleine Weltkugel neben dem Foto in der eigenen Timeline. Dort lässt sich auswählen, dass nur Freunde das Foto sehen können – dann verschwindet das Bild automatisch von der Facebook-Timeline jeder Person, die nicht zum Freundeskreis gehört.