Die Geburt der Vernetzung: Tech-Szene feiert 25 Jahre WWW

Vor 25 Jahren wurde die Vision von einem weltweit verbundenen Informationssystem Wirklichkeit: Das Internet wurde frei nutzbar.
Vor 25 Jahren wurde die Vision von einem weltweit verbundenen Informationssystem Wirklichkeit: Das Internet wurde frei nutzbar.
Foto: Peter Steffen / dpa
Vielen mag es uralt erscheinen – doch das Internet gibt es erst seit 1993. Trotzdem ist die Welt derweil schon auf dem Weg zum Web 3.0.

Berlin.  Auch die Tech-Szene hat ihre Feiertage. Die sind zwar nicht gesetzlich festgelegt, werden aber von Medien, Bloggern, Geeks, Nerds, Start-ups und anderen Unternehmen zelebriert. Einer davon nähert sich bereits: der 30. April. An diesem Tag im Jahr 1993 gab das Kernforschungszentrum CERN in der Nähe von Genf das World Wide Web (WWW) für die öffentliche Nutzung frei.

Wir erinnern uns: Dem Forscherteam um den Physiker und Informatiker Tim Berners-Lee haben wir die das Protokoll HTTP (Hypertext Transfer Protocol) und die Auszeichnungssprache HTML (Hypertext Markup Language) zu verdanken, die die Basis für das World Wide Web bildet, aus dem sich unser heutiges Internet erst gebildet hat.

Berners-Lee war nie ein Medienprofi wie Mark Zuckerberg oder Steve Jobs. Großformatige Tech-Events wie die jährlichen Keynotes und Konferenzen von Google, Microsoft, Facebook und Co. waren damals eben noch nicht angesagt. In einem schlichten Büro im CERN notiert der Brite bereits 1989 seine Vision von einem weltweit verbundenen Informationssystem. Seinen Überlegungen gibt er den Titel: „Information Management: A Proposal“.

WWW, die Idee des Verbundenseins

Die Frage dahinter, einfach gesagt: Was wäre, wenn Computer untereinander mit Links kommunizieren könnten? „Ein universell verbundenes Informationssystem ist das, worauf wir hinarbeiten sollten“, schreibt er darin, „in welchem Allgemeingültigkeit und Übertragbarkeit wichtiger sind als extravagante Grafiktechniken und komplexe Betriebsanlagen.“

Das Ziel solle ein Ort sein, an dem jedwede Information oder Referenz nicht nur gefunden, sondern auch wiedergefunden werden könne, um Schwellen abzubauen, indem immer neue Information in die große Datenbank eingespeist werden würden.

Aufbauend auf diesen Überlegungen veröffentlichte Berners-Lee 1991 ein Dokument, das unser Leben verändern sollte: den Link zur ersten Webseite der Welt. Obwohl am Anfang niemand so recht an die Idee glauben will, arbeitet der Informatiker weiter daran. Auf einem Computer der von Steve Jobs gegründeten Firma Next beginnt er zu Programmieren.

http://Künstler_erschafft_ein_Internet-Dorf{esc#207554697}[gallery]

HTML, HTTP, was ist der Unterschied?

Heraus kommt das, was das World Wide Web möglich macht: HTTP und HTML. Ersteres ist ein Protokoll ist, das die Kommunikation zwischen Webclients und Webservern ermöglicht. Ein Webserver ist eine Software, die auf einem Computer eine Webseite bereithält und es anderen erlaubt, auf sie zuzugreifen.

HTML ist eine Auszeichnungssprache (nicht zu verwechseln mit Programmiersprache) für Web-Dokumente. Im Zuge dessen entstand auch die URI (Universal Resource Identifier), die wir heute als URL bezeichnen, eine Zeichenfolge zur eindeutigen Identifizierung einer von Dateien und Datenquellen im Web.

Zuckerberg begrüßt Regulierung seiner Branche

Facebook-Chef Mark Zuckerberg hat bei seiner Anhörung durch den US-Kongress eine stärkere gesetzliche Regulierung seiner Branche grundsätzlich unterstützt. Angesichts der globalen Bedeutung des...
Zuckerberg begrüßt Regulierung seiner Branche

Open Source ist der Weg zum Internet

Als Open Source zur freien Verfügung gestellt, bot Berners-Lee auch dem CERN, bei dem er arbeitete, an, eigene Browser zu programmieren. Durch diese Veröffentlichung seines Quelltexts wird die Idee schließlich bekannt, der Brite bekommt E-Mails aus der ganzen Welt, Fehlermeldungen und Optimierungsvorschläge von einer Vielzahl von Menschen. Daraus entwickelte sich auch die Idee, im Web nicht nur konsumieren zu können, sondern auch selbst Inhalte zu kreieren.

Am 30. April 1993 schließlich, also vor fast genau 25 Jahren, bestätigte das CERN in einem Schriftstück offiziell, dass die WWW-Technologie auch in Zukunft frei nutzbar bleiben würde. Ein Meilenstein war geschaffen.

1994 geht er vom CERN zum MIT und gründet dort das World Wide Web Consortium (W3C), das von diesem Zeitpunkt an über die Entwicklung des Webs wacht. Waren es Anfang der 1990er Jahre nur knapp 130 Webseiten, gab es 1997 bereits über eine Millionen und heute Milliarden.

WWW: Mit dem Kommerz in den Alltag

Kommerzieller wird es auch: Mit dem ersten kommerziellen Browser Netscape wird sein Erfinder 1994 Millionär. Im Laufe der Jahre folgen Yahoo, Google, Amazon, Zuckerberg und so weiter und so fort.

Berners-Lees Frage nach Regularien im Web ist mit dem aktuellen Facebook-Datenskandal noch nicht beantwortet. Das sagte der Pionier auch unter anderem in diesem TED Talk:

Tim Berners-Lee: A Magna Carta for the web

Wo Social Media schließlich den Begriff des Web 2.0 abgelöst hat, diskutieren Experten bereits über das Web 3.0, das semantische Web. Das heißt, dass Informationen nicht nur verknüpft sind, sondern maschinenlesbar, sodass Suchmaschinen so „denken“ werden wie ein Mensch. Auch diese Überlegung baut auf Berners-Lee auf.

Die Erfindung und öffentliche Freigabe des WWW war die Voraussetzung für eine Technologie, die mit Big Data, Facebook, dem Internet der Dinge und Blockchain heute unseren Alltag bestimmt und von vielen Experten als vierte Industrielle Revolution bezeichnet wird – und das aus einer schlichten „Information Management“-Idee eines Informatikers heraus.

• Dieser Text ist zuerst auf futurezone.de erschienen – Das neue Tech-News-Portal der Funke Mediengruppe

 

EURE FAVORITEN