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Detektivarbeit rund um alte Weihnachtsfotos aus Lüdenscheid

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Foto: Bernd Schmidt
Strahlende Gesichter unterm Christbaum. Doch wer ist darauf zu sehen? Bernd Schmidt aus Lüdenscheid findet es nach intensiven Recherchen heraus. Mehr als 2000 Fotos und Ansichtskarten hat der Pensionäre gesammelt. Dazu gehören alte Weihnachtsmotive.

Lüdenscheid. 

1965, strahlende Gesichter unterm Christbaum: Ute, Dorle, Christiane, Martina und Katrin sind auf jeden Fall im Bild – das verrät die Rückseite des Fotos. Sie ist wie eine Postkarte gestaltet, geschrieben von den fünf Mädchen an ein namentlich genanntes „Fräulein“, wohnhaft in „5895 Brügge i. Westf.“ Doch: Wie heißen die Mädchen mit Nachnamen?

So etwas herauszufinden, ist für Bernd Schmidt manchmal „besonders interessant“. Dabei helfen dem 68-jährigen Lüdenscheider nicht zuletzt mehrere alte Adressbücher der Stadt, das älteste immerhin aus dem Jahr 1906. Zum Foto gibt es einen Namen des Abgebildeten? Dann ist mit Hilfe der Bücher auch leicht die Straße zu finden, in der er wohnte. Oder noch wohnt. Datiert hat Schmidt seine Bilder in jedem Fall.

Rund 2000 historische Fotos aus der Bergstadt und ebenso viele Ansichtskarten bewahrt der Pensionär daheim auf, in einer ganzen Reihe ganz normaler Foto-Alben. Die Bilder herauszusuchen, war aber nicht ganz einfach. Denn Schmidt sortiert seine Bilder meist nicht nach Themen wie „Weihnachten“ oder „Hochzeit“, sondern vorzugsweise nach Straßenzügen. Außerdem seien gerade private Weihnachtsmotive „eher selten zu kriegen“, sagt er.

Sammel-Leidenschaft begann im Ruhestand

Bis 2003 war Bernd Schmidt noch als Sanitätsbeamter beim Grenzschutz aktiv, ehe er sich im Ruhestand verstärkt seiner Sammel-Leidenschaft widmete. Und die hat bei dem 68-Jährigen schon in der Kindheit angefangen. Genauer gesagt 1946, als Schmidts Vater auf dem Weg zur Arbeit beim damaligen Kochtopf-Hersteller Ristau und Pieper ganz zufällig in der Kronprinzenstraße ein Ansichtskarten-Album fand. Offenbar achtlos lag es auf einem Ascheneimer.

Erste Bilder für die „Erinnerungen“

„Die Bevölkerung soll sehen, was es damals Schönes in Lüdenscheid zu sehen gab“ – das treibt Schmidt an, weiter zu sammeln. Dafür bummelt er regelmäßig über die Flohmärkte in Lüdenscheid und Umgebung, hat so auch die Weihnachtskarten auf unserer Foto-Seite entdeckt.

Bei seiner Suche gerade nach Fotos erfolgreich ist Schmidt aber vor allem bei Haushaltsauflösungen. Wie er davon erfährt? Zum Beispiel aus der Zeitung: Regelmäßig studiert Schmidt die Todesanzeigen. Aber auch Bekannte weisen ihn auf interessante Foto-Quellen hin. So bekam Schmidt einmal einen Tipp – und wurde in Kierspe fündig: Aus einem Container dort fischte er mehrere Bücher mit Fotos einer Lüdenscheider Firma aus den 30er Jahren.

Recherchen vor Ort bringen Schätze hervor

Doch zurück zu den Haushaltsauflösungen. „Ich rufe dann meist vorher an und frage die Bewohner, ob sie Bücher im Haus haben“, verrät Schmidt. Das sei meist ein untrügliches Zeichen dafür, dass auch andere Papiere aufbewahrt werden – und eben nicht selten eine Zigarrenkiste mit spannenden Familienfotos. Die gelte es dann zu retten, denn: „Oft wird nach Todesfällen alles weggeworfen“, hat Schmidt festgestellt. Vor allem trauernde Frauen seien damit schnell bei der Hand. Dennoch: „Ich habe noch nie erlebt, dass die Menschen nicht zugänglich sind.“

Schmidt greift aber auch gerne selbst zur Kamera – und macht Bilder, wenn mal wieder irgendwo in der Stadt ein Gebäude abgerissen wird. Seit 1962, als er sich seinen ersten Fotoapparat anschaffte, wurde das fast schon zur Gewohnheit. Den Abriss der alten Schützenhalle am Loh hat er ebenso bildlich dokumentiert wie das Innenleben des alten städtischen Krankenhauses.

Letzte Frage aus aktuellem Anlass, Herr Schmidt: Wie feiern Sie eigentlich selbst das Weihnachtsfest? „Ich werde am 2. Weihnachtstag mit meiner Schwester, ihrem Mann und meinen drei Neffen essen gehen“, erzählt der 68-Jährige. „Und der Onkel muss bezahlen“, lacht der Lüdenscheider.