Zwei bis drei Straßen mit lauter Text gepflastert

Jochen Gerz präsentiert die Installation "2-3 Straßen" im Museum Folkwang.
Jochen Gerz präsentiert die Installation "2-3 Straßen" im Museum Folkwang.
Foto: Fremdbild
Weltrekord bei der Zahl der Autoren: Das Buch zum Kulturhauptstadt-Projekt „2 - 3 Straßen“ von Jochen Gerz haben 887 Autoren geschrieben. Es ist 2991 Seiten dick - und der Favorit auf das ungelesenste Buch der Saison.

Duisburg/Mülheim/Dortmund.. Was die Zahl der Autoren angeht, dürfte dieses Buch im Moment Weltrekordhalter sein: „2-3 Straßen“, das war nicht nur das Ruhr.2010-Projekt von Jochen Gerz, das Kreative in leerstehende Ruhrgebiets-Wohnungen lotste, das ist auch der Titel des Buches, an dem in dieser Zeit 887 Autoren mitgeschrieben haben. Der kartonierte Ziegelstein, der bei dieser Textcollage herauskam, dürfte allerdings nicht nur bei der Autorenzahl weit vorn liegen, sondern auch im Wettrennen um das ungelesenste Buch der Saison.

„Demokratisierung
der Literatur“

Projekt-Chef Jochen Gerz verweist kühn auf Bewusstseinsstrom-Autoren wie James Joyce, Alfred Döblin und Arno Schmidt und sieht im „2-3 Straßen“-Text die Demokratisierung von Literatur verwirklicht. Mit ihr aber sind der Beliebigkeit und der Redundanz Tür und Tor geöffnet, schlichte Fehler („bukowsky“) geben sich als Kunstwollen aus. Die exzessive Selbstbezüglichkeit vieler Passagen aber offenbart den Kardinalfehler dieses „demokratischen“ Textes: Ausgerechnet er weckt über weite Strecken den Eindruck, an Lesern nicht im mindesten interessiert zu sein. Interessant ist allerdings der „Making Of“-Band dieses Buchpaketes, der immerhin auch 239 Seiten umfasst: Der Überbau dieses Projektes nimmt sich, wie das so häufig bei der Konzeptkunst der Fall ist, wesentlich interessanter als das Ergebnis, bei dem man sich vielleicht nicht von ungefähr manchmal scheut, von einem „Werk“ zu sprechen.

 

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