X-Factor macht Kellnerin Edita zum Casting-Star

Edita Abdieski, Gewinnerin der Castingshow X-Factor. Foto. Imago
Edita Abdieski, Gewinnerin der Castingshow X-Factor. Foto. Imago

Köln. Vor wenigen Wochen war Edita Abdieski noch Kellnerin in einer Kölner Weinbar. Jetzt steht sie als Gewinnerin der Castingshow X-Factor plötzlich als Star im Blitzlichtgewitter. Ob sie diese Rolle ausfüllen kann?

Ein Beispiel aus der Prominenten-Praxis: „Ich habe vorhin mit der Maske gesprochen“, sagt die junge blonde Frau mit dem Pferdeschwanz und der schwarzen, leicht überdimensionierten Kunststoffbrille zu ihrer Kollegin. Sie stehen auf der Glasbühne, haben den Blick auf ihren Schützling geheftet und tänzeln von einem Bein auf das andere, um den Reinigungskräften auszuweichen, die mit extrabreiten Wischmöppen die Lamettastreifen vom Plexiglas wischen. „Wir müssen noch fünf Minuten in die Maske, bevor wir hochgehen“, fährt die junge Betreuerin fort. „Weil, für Bravo geht das nicht!“ Ihr Schützling wird währenddessen von einem Mikrofon zum nächsten geschoben. Alle ringen um ein paar Ö-Töne.

So ist das, wenn man ein Star ist. Eine glänzende Stirn ziemt sich da nicht. Und Edita Abdieski wird nicht besonders viel Zeit haben, um sich in diese Rolle hineinzufinden. Sie muss sie einfach ausfüllen. Am späten Dienstagabend stand sie als Siegerin der ersten X-Factor-Staffel festund schon reiht sich ein Termin an den nächsten. Hochglanzfotos, Frühstückfernsehen, Videodreh.

Edita: „Ich hab’ vorher gekellnert“

Vor rund sechs Monaten stand die 25-Jährige noch hinter dem Tresen einer Kölner Weinbar. Jetzt steht sie im Blitzlichtgewitter unzähliger Kameras, weiß nicht wohin sie ihren Blick wenden soll. Das habe sie sich nie träumen lassen, sagt sie. „Ich hab’ vorher gekellnert“, auch diesen Satz sagt Edita Abdieski immer wieder an diesem Abend, als müsste sich die gebürtige Schweizerin mit kroatisch-montenegrischen Wurzeln in Endlosschleife daran erinnern, wie es einmal war – und vermutlich nie mehr sein wird.

Sie ist in Bern geboren, hat ihren Vater früh verloren und schlug sich mit ihrer Mutter durch, bevor sie sich bei X-Factor bewarb und sich am Ende gegen die schwergewichtige Band „Big Soul“ aus Hamburg durchsetzen konnte. 75 Prozent aller Anrufer wählten ihre Nummer und votierten die Sängerin mit der kraftvollen Stimme zum Sieg. „Ein Traum ist für mich in Erfüllung gegangen“, sagt sie. Dabei schließt sie ihre Augen und geht in die Knie. Sie versucht zu fassen, zu begreifen. Dass sie jetzt eine Chance hat, an die sie beinahe nicht mehr geglaubt hat. Eine Karriere, die in dieser Schnelligkeit nur ein Castingformat hinbekommt. Darum bedeute ihr das Siegerlied auch so viel: „I’ve come to life“. Es geht um einen neuen Abschnitt ihres Lebens. Und der startet auf einmal ganz schnell. Der Plattenvertrag ist in der Tasche. Nächste Woche stehen die Dreharbeiten für das Video zu ihrer ersten Single an. Neben den Interviewterminen.

Ein Leben im Schleuderprogramm

Sarah Connor prophezeit ihr schon „einen ganz großen Weg“. Und wie sieht der aus? In einer Branche, die vermutlich mehr Karteileichen produziert als das Rentenregister einer norddeutschen Kleinstadt, ist der vorher prognostizierte Weg hinterher häufig ein ganz anderer. Doch nicht bei Edita Abdieski, das glaubt zumindest ihr Mentor Till Brönner. Er habe bisher nur wenige Sängerinnen gesehen, die mit einer solchen Konstanz arbeiteten wie Edita, sagt er.

„The Voice“ nennt er seinen Schützling. Ein Kosename, der eine große Last bedeuten kann. Im Moment aber nur ein großes Markenzeichen ist. Dessen Trägerin gar nicht weiß, wie ihr geschieht. „Keine Ahnung, was ich morgen mache“, sagt Edita Abdieski erschöpft und schielt auf die noch immer mit Lametta übersähte Plexiglasbühne.

Muss sie auch nicht wissen. Um ihre Termine kümmern sich jetzt andere. Genauso wie um ihre glänzende Stirn.

 
 

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