Witzischkeit auf der Bühne - "Kein Pardon" jetzt als Musical

Dirk Bach - hier bei einer Fotoprobe - mimt im Musical "Kein Pardon" den Showmaster Heinz Wäscher. Die auf dem gleichnamigen Film von Hape Kerkeling basierende Show feierte am Samstag in Düsseldorf Premiere.
Dirk Bach - hier bei einer Fotoprobe - mimt im Musical "Kein Pardon" den Showmaster Heinz Wäscher. Die auf dem gleichnamigen Film von Hape Kerkeling basierende Show feierte am Samstag in Düsseldorf Premiere.
Foto: Sergej Lepke
Im Düsseldorfer Capitol Theater wird am Samstagabend Hape Kerkelings „Kein Pardon“ uraufgeführt. Auf der Musicalbühne werden die Gags und Lieder des Filmerfolgs von 1993 wiederholt und fortgeführt. Also: Bitte werfen Sie eine Münze ein ... und bringen Sie genügend Zeit mit.

Düsseldorf.. Die Bühne hat keinen Vorhang, dafür strahlt uns ein überdimensionaler Fernseher an. Nichts würde besser passen zu dem Musical „Kein Pardon“, das am Samstag im Düsseldorfer Capitol Theater seine Uraufführung erlebte. Geht es doch um Peter Schlönzke, Spross eines Bottroper Schnittchen-Dienstes, der als Kind zu lang von Flipper und Biene Maja sozialisiert wurde. Nun, zum jungen Mann gereift, ist Heinz Wäscher sein Idol, gestrig wirkender Moderator der noch gestriger wirkenden großen Samstagabend-Show „Witzischkeit kennt keine Grenzen“.

Wem das bekannt vorkommt: „Kein Pardon“ basiert auf dem gleichnamigen Film mit Hape Kerkeling, 1993 der einzige große Kinoerfolg des Entertainers. Die beiden Songs „Witzischkeit kennt keine Grenzen“ sowie „Das ganze Leben ist ein Quiz“ fraßen sich ob ihrer schlichten Melodie schon damals in die Ohren. Mit 15 weiteren Titeln hat nun Achim Hagemann, der Komponist des Films, das Ganze zum Musical ausgebaut. Das Buch und die Liedtexte von Thomas Hermanns entfernen sich nur gegen Schluss deutlich von der Vorlage.

Dirk Bach statt Heinz Schenk

Der Clou des Films war seinerzeit die Verpflichtung des TV-Urgesteins Heinz Schenk für die Rolle des egomanischen, selbstverliebten Heinz Wäscher. Diesen Part hat nun bis Jahresende Dirk Bach übernommen, der hier unter Alex Balgas Regie als launischer Hesse wesentlich dazu beiträgt, dass die Komik voll zum Tragen kommt. Und in Enrico De Pieri hat man für Kerkelings Peter einen überraschend überzeugenden Darsteller und Sänger gefunden, der nicht nur durch seine Ähnlichkeit mit der Kerkeling­schen Physiognomie überzeugt.

Eigentlich geht es hier nur um die schlichte Erkenntnis, dass Erfolg den Charakter verdirbt. Was 20 Jahre Fernsehruhm aus Wäscher gemacht haben, das blüht nun auch Peter, der nur durch einen dummen Zufall zum neuen, frischen Talent gekürt wird und Wäscher beerbt. Der gefräßige Fernsehbetrieb frisst planvoll seine Kinder.

Fernsehballett in Glitzerkostümen

Die TV-Wirklichkeit aus Kulenkampff-Zeiten beschert dem Musical immerhin ein veritables Fernsehballett in Glitzerkostümen, das aber auch außerhalb der Aufnahmestudios ein begeisternd hohes Tanzpensum zu absolvieren hat. Das hier vermittelte Bottrop-Bild mit seinen lebensechten Typen passt zu dieser Nostalgie: Wo Kumpel aus der Erde kriechen, um im Chor zu singen, wird das Image des Reviers in die Stein(kohle)zeit zurückgeworfen.

Der Zuschauer aber sieht’s gern, wenn das Gestern heraufbeschworen und das Hohelied der „Schnittkes“-Kultur mit „Gürkskes“ angestimmt wird. Willkommen geheißen werden auch viele der haften gebliebenen Filmgags – der aufdringliche Automat mit der Glücksmelodie ("Bitte werfen Sie eine Münze ein!") ebenso wie die „Käffchen“-verrückte Sekretärin, die hier ihr eigenes Lied bekommt. Geradezu inflationär wird hier aus XL-Dosen gute Laune versprüht. Am Ende ist man ein wenig erschöpft – bei derzeit dreieinhalb Stunden Spielzeit brutto.

 
 

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