"Wir sind keine Fashion-Fuzzies"

Essen. Aus drei mach eins, "Patchen" als charakteristisches Designelement - zwei Essener Jungunternehmer haben mit ihrer knallbunten Sweatwear eine Nische entdeckt. Ihr Label "Naketano" produziert sportlich-bequeme "Lieblingsteile" für Frauen zwischen 20 und 30.

Auch wenn der Name so klingt, „Naketano“ ist nicht japanisch, sondern eine Fusion aus dem germanischen Wort „Naket“ und dem romanischen „tano“. „Naket“ meint – das ist keine Überraschung – Nacktheit, auch: Unverhülltheit. „Tano“ impliziert die Fragestellung: „Was ist es wert?“. Die beiden Essener Jozo Lonac (32) und Sascha Peljhan (30) beschäftigen sich sonst aber selten mit komplizierten Sprachspielen. „Naketano“ haben sie ihr Label für „Streetwear“ genannt: Das Duo will Mode machen für Leute, die sich mit dem Wert ihrer äußeren Erscheinung auseinandersetzen.

Kennengelernt haben sich die Modeunternehmer Lonac und Peljhan bei dem Mülheimer Streetware-Label „Mazine“. Lonac und Peljhan entschieden sich nach kurzer Zusammenarbeit für die Selbständigkeit und lösten ihre Verträge. Die Chefdesignerin nahmen sie damals gleich mit und mit ihr das „Lieblingsteilkonzept“. Das war 2004. Im Februar 2006 hing dann die erste Naketano-Kollektion in den Läden.

Aus alt mach neu

„Wir sind keine Fashion-Fuzzies“, sagt Lonac, der eigentlich studierter Kaufmann ist, „wir arbeiten nicht trend-, sondern konzeptbasiert.“ Die Geschäftsidee beschreibt er als „Lieblingsteilkonzept“. Kollege Peljhan, ebenfalls Diplom-Kaufmann, ergänzt: „Anders als Designstudenten, die versuchen, ihre Sachen an den Mann zu bringen, hatten wir bereits die nötigen Vertriebsstrukturen. Wir haben dann einfach überlegt, was wir tun müssen, um eine Marke zu kreieren. Und was auf dem Markt noch fehlt.“ Diese Überlegungen wurden konkretisiert durch eine Anekdote der ehemaligen Naketano-Chefdesignerin Nicole Christensen. Ihr Lieblingspulli, soll sie erzählt haben, sei ein „Patchwork“: Aus drei alten Sweatshirts hatte ihre Mutter einen neuen Pullover zusammengesetzt.

Das „Patchen“, also das Zusammenfügen unterschiedlich farbiger Stoffe, war von Anfang an das charakteristische Design-Element von Naketano. „Wir haben das dann eben weitergesponnen“, erklärt Lonac. Heraus kamen dabei neue Kollektionen mit immer mehr unterschiedlichen „Styles“. Die Essener beschränken sich auf Oberteile: T-Shirts, Longsleeves – langärmelige T-Shirts , „Hoodies“, also Kapuzenpullis, und Jacken. Ausschließlich für Frauen, die Kernzielgruppe ist zwischen 20 und 30 Jahre alt. „Es ist einfach sehr aufwendig, gleichzeitig eine Männer- und eine Frauenlinie zu führen. Bei Frauen gibt es für die Schnitte viel mehr Möglichkeiten – und Männer in so Viskoseteilen, ich weiß nicht“, Lonac lacht. Die Designerinnen Cheryl Barcelona (26) und Silvana Rodigas (29) zeichnen vielfarbige, dabei sportlich-bequeme Sweatwear und wählen dafür Baumwoll- und Zellulosematerial, Jersey und Fleece in variierender Stärke aus. Eingesetzte „Patches“ dienen dabei zur Akzentuierung.

Bei der Entwicklung von Lieblingsteilen stützen sich die Essener Modemacher auf „drei Säulen“: eine bequeme Passform in ausgefallener Farbkombination von ausgewählter Haptik. Haptik als Qualitätsmerkmal bedeutet für Peljhan und Lonac, dass sich die Stoffe auf der Haut gut anfühlen müssen – weich und anschmiegsam soll das Material sein. Da alle Stücke von den ausländischen Produzenten handgefertigt werden, ist jedes auch ein Unikat – egal ob das Modell in 50- oder 500-facher Auflage produziert wird, versichert Lonac. Haute Couture-Trends behält das Mode Duo im Auge, „die Ideen vom Laufsteg müssen aber umgebaut werden, damit sie überhaupt tragfähig sind“.

Chance und Konkurrenz im Internet

Mittlerweile bringen Lonac und Geschäftspartner Peljhan zwei Kollektionen im Jahr heraus, in den kommenden Wochen werden bereits Bestellungen für die Frühjahr-/Sommerkollektionen für die nächste Saison entgegengenommen. Produziert wird in der Türkei und in China, vertrieben werden die knallbunten Streetwear-Kollektionen außer in Deutschland auch in den Niederlanden, Belgien, Österreich, der Schweiz und sogar in Island. „Island ist sehr fashion-forward. Die Leute dort sind sehr offen, kaufen viel übers Internet ein. Wahrscheinlich, weil sie so weit ab vom Schuss sind“, sagt Lonac.

Aus dem entlegenen Nordeuropa meldete sich also eines Tages eine isländische Mode-Distributeurin. Sie bekam, wie die anderen internationalen Vertreter der Essener Firma auch, Muster-Stücke der aktuellen Kollektion zugeschickt. Mit dem Anschauungsmaterial und dem Katalog im Gepäck treten die Vertreter an Händler vor Ort heran und übermitteln ihre Bestellungen nach Essen.

Dass der deutsche Markt unter den steigenden Energie- und Lebensmittelpreisen leidet, spüren auch die Essener Jungunternehmer. „Discount, alle wollen Discount. Die Händler jammern viel im Augenblick“, sagt Lonac. Massenkompatibel seien derzeit vor allem Webportale, auf denen Mitgliedern Markenprodukte zu ermäßigten Preisen angeboten werden - in zuvor kommunizierten Zeitfenstern. Eine Geschäftskonkurrenz, die den Anbietern von Markentextilien auf lange Sicht aber die Kundschaft für die aktuelle Ware abgräbt. Das ist ein Problem, mit dem auch die Naketano-Macher zu kämpfen haben. Offensives Marketing betreiben sie aber nicht, um den Bekanntheitsgrad von Naketano zu steigern. „Das funktioniert im Wesentlichen über die Szene-Kataloge: Titus, Frontline, Lost & Found, Sport Scheck. Wenn die rausgegangen sind, haben wir kurz danach viel mehr Traffic auf unserer Site“, erklärt Peljhan. Naketano-Streetwear hängt nur in ausgewählten Läden. Boutiquen unter eigenem Namen – eine Perspektive? „Das wär’ ein riesiges Investment, aber ein Ziel ist das natürlich schon, klar“, sagt Lonac. Waren-Bestellungen per E-Mail kommen bereits aus ganz Europa.

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