Wie die Städte im Revier bewohnbar werden

Universitätsviertel Grüne Mitte Essen - eine Animation der zukünftigen Bebauung Foto: © Entwicklungsgesellschaft Universitätsviertel Essen mbH
Universitätsviertel Grüne Mitte Essen - eine Animation der zukünftigen Bebauung Foto: © Entwicklungsgesellschaft Universitätsviertel Essen mbH
Foto: Entwicklungsgesellschaft Universitätsviertel Essen mbH

Essen/Düsseldorf. Zwei Ausstellungen in Essen und Köln blicken auf Stadtplanung im Revier und im Rheinland zurück – und geben Diskussionsanregungen zur Weiterentwicklung. Fest steht: Die Zukunft ge­hört der Stadt.

Mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung lebt heute in Ballungsräumen, laut einer UN-Studie werden es bis 2050 drei von vier Menschen tun. NRW ist Spitzenreiter dieser Wohn-Verdichtung. 80 Prozent sind hier Stadtbewohner. Der gewaltige Schub der Industrialisierung hat in kürzester Zeit Großansiedlungen wachsen lassen, denen man bis heute ansieht, dass das rapide, unkontrollierte Wachs­tum nicht nur zur Blüte der Orte beigetragen hat. Köln, Düsseldorf, Essen, Duisburg waren am Anfang des 20. Jahrhunderts bereits Städte mit sozialen und wirtschaftlichen Verwerfungen, unkontrolliertem Flächenverbrauch und hoher Luftverschmutzung. Umso wichtiger, sich 100 Jahre später mit den Auswirkungen und Lösungsversuchen zu beschäftigen. In Essen und Köln blicken jetzt zwei Städtebau-Ausstellungen zu­rück – und geben Diskussionsanregungen zur Weiterentwicklung der Städte.

Essener Folkwang zeigt mehr als ein Jahrhundert Städtebau

„Urbanität gestalten - Stadtbaukultur in Essen und im Ruhrgebiet 1900-2010“ heißt es im Essener Museum Folkwang, wo man sich durch mehr als ein Jahrhundert Städtebau arbeitet, mit Skizzen, Plänen und Planungsmodellen, mit Fotos, Filmeinspielern und Zitaten.

Stadtplanung, das ist in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts vor allem der Versuch, den baulichen Wildwuchs zu stoppen und „menschenwürdige Wohnstädte in Industriezentren zu bewahren“, wie es sich Planer Werner Hegemann 1913 wünscht.

Das gelingt mal weniger, mal mehr und oft durch das nachhaltige Engagement von Industriellen, die ihre so­ziale Verantwortung in Stein und Mörtel gießen. Die Essener Krupp-Siedlung mit der Mar­garethenhöhe zeugt da­von, die Arbeiterkolonie der Hagener Textilindustrie auch.

Die großen Zäsuren gliedern die Schau: Zerstörung und Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg, eine Nachkriegsmoderne, die manchmal noch das eliminiert, was die Weltkriegsbomben übrig gelassen hatten. Es folgt der Bürger-Ruf nach Erhaltung und „Vermenschlichung“ der gewachsenen Städte, der 1973 in Dortmund die heute nicht ganz unbekannte Forderung nach „Stadtplanung von unten” laut werden lässt. In den 1990ern macht die vielgelobte IBA Emscherpark den Strukturwandel zur Marke.

Geschichte von Düsseldorf und seinen Rheinbrücken

„Dynamik und Wandel - zur Entwicklung der Städte am Rhein” heißt es im Kölner Rheinforum. Hier erzählt man zwölf Stadtgeschichten, ex­em­plarisch für die Entwicklung der Orte am großen Fluss. Es ist die Geschichte von Düsseldorf und seinen Rheinbrücken, von der Nähe zum Wasser, die heute die erfolgreichsten Stadtentwicklungsprojekte vorantreibt. Das gilt für Duisburg und seinen Innenhafen wie für Köln und seine aufsehenerregenden Kranhäuser.

Sie dokumentiert, wie eine Stadt der dramatischen Wohnungsnot nach dem Ersten Weltkrieg mit modernem Siedlungsbau begegnet und Walter Riphahns „Weiße Stadt“ in Köln-Buchhorst entsteht. Und sie erzählt von fehlgeleitetem Fortschrittsglauben; von der autogerechten Stadt, die freie Fahrt erteilt für exorbitanten Flächenfraß und in Essen mit der A 40 als Innenstadtautobahn bis heute die schmerzlichsten Folgen spüren lässt.

 
 

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