Vor dem Verkauf im Inland ist kein Werk geschützt

Wilfried Goebels
Die zwei Tafeln „Geburt Johannes des Täufers" (um 1450) und "Johannes vor Herodes Antipas" (um 1450) von Giovanni di Paolo (1400 - 1582) im LWL Museum für Kunst und Kultur in Münster sind eine Dauerleihgabe, sie gehören zur Sammlung der früheren WestLB und heutigen Portigon Bank.
Die zwei Tafeln „Geburt Johannes des Täufers" (um 1450) und "Johannes vor Herodes Antipas" (um 1450) von Giovanni di Paolo (1400 - 1582) im LWL Museum für Kunst und Kultur in Münster sind eine Dauerleihgabe, sie gehören zur Sammlung der früheren WestLB und heutigen Portigon Bank.
Foto: dpa
NRW-Kulturministerin Ute Schäfer (SPD) nimmt im Landtag zur aktuellen Lage in Sachen Portigon-Kunstsammlung Stellung

Düsseldorf. NRW-Kulturministerin Ute Schäfer (SPD) will verhindern, dass national wertvolle Kunstwerke der WestLB-Nachfolgerin Portigon ins Ausland verkauft werden. Fünf Kunstexperten werden die Sammlung mit 400 Werken von August Macke und Pablo Picasso bis Joseph Beuys und Sigmar Polke unter die Lupe nehmen. Die Ausfuhrsperre bis zum Ende der Prüfung schützt die Werke allerdings nicht vor einem Verkauf im Inland, teilte das Kulturministerium mit.

Zu den Sachverständigen gehören der ehemalige Direktor der Kunstsammlung, Armin Zweite, der frühere Leiter des Wallraf-Richartz-Museums, Rainer Budde, der Herforder Kunstsammler Heiner Wemhöner, der Düsseldorfer Galerist Hans Strelow und die Bonner Kunsthistorikerin Anne-Marie Bonnet. Die Sachverständigen werden etliche Bilder darauf prüfen, ob sie auf die Liste national wertvollen Kulturguts gehören und ins Landesverzeichnis NRW aufzunehmen sind.

Im Landtag kündigte Ute Schäfer eine Lösung an, die der juristischen Dimension sowie der Verantwortung für den Kulturbesitz Rechnung tragen werde. Am 5. Februar berät ein Runder Tisch mit Fachleuten über die Sachlage. Portigon hatte angekündigt, die Sammlung im Zuge der von der EU angeordneten Abwicklung zu verkaufen. Darauf hatte es massive Proteste in der Kulturszene gegeben. Nach einem „Machtwort“ von Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) hatte Finanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD) eine Kehrtwende vollzogen und angekündigt, er wolle alles tun, „um Kunstwerke der Sammlung für Nordrhein-Westfalen zu sichern“.

Die FDP-Abgeordnete Ingola Stefanie Schmitz warf der Landesregierung ein „gestörtes Kulturverständnis“ vor, das NRW einen Imageverlust beschert habe. Thomas Sternberg (CDU) bedauerte den bundesweit eingetretenen Ansehensverlust von NRW. Der SPD-Abgeordnete Andreas Bialas bestätigte, dass die ganze Republik nach NRW schaue – darauf, „wie wir uns aufstellen“.