Vor 50 Jahren starb der Tenor Fritz Wunderlich

Fritz Wunderlich mit seinem Kollegen und Freund Hermann Prey in „ Don Giovanni“.
Fritz Wunderlich mit seinem Kollegen und Freund Hermann Prey in „ Don Giovanni“.
Foto: Deutsche Grammophon
Jähes Ende einer Weltkarriere: Fritz Wunderlich starb 1966 nach einem Sturz. Der größte deutsche Tenor des 20. Jahrhunderts wurde nur 36 Jahre alt.

Essen.. Es fiel Tenören immer etwas leichter, Kollegen zu loben, wenn sie als Konkurrenten ausgeschieden waren. Und doch ist die Fülle an Lorbeer, die Fritz Wunderlich beschieden war, außerordentlich. „Das wird unerreicht bleiben“, sagte Nicolai Gedda. Pavarotti nannte nicht Caruso als größten Tenor des Jahrhunderts. Er nannte Fritz Wunderlich.

Es ist 50 Jahre her, dass die Wunderstimme aus der Pfalz verstummte. Am 16. September 1966 stürzte der Sänger über die eigenen Schnürsenkel, im Haus eines Freundes. Er starb an einem Schädelbruch. Ein Treppensturz: Wunderlichs Tod war so schrecklich banal, dass der Verlust noch tragischer schien. Drei Wochen später sollte die deutsche Wunderstimme Amerika erobern: Wunderlichs US-Debüt als Mozarts „Don Ottavio“ war geplant für den 8. Oktober an New Yorks „Met“.

„Da müssen Sie schon drei engagieren, die dann vielleicht das bringen, was er allein gekonnt hat“: Viel Wahrheit liegt im Kompliment Anneliese Rothenbergers. Wie Wunderlich frei wie ein von aller Akademie unbeleckter Vogel tirilieren konnte, wie er zugleich in enorm kultivierter Technik Bach, Schumann oder Mozart sang, wie bei ihm noch Artifizielles stets so unangestrengt wie lyrisch strömte: Das waren Tugenden, die so glücklich vereint wohl nur er vorweisen konnte.

Aus ärmsten Verhältnissen (der von den Nazis gedemütigte Vater nahm sich das Leben, als Fritz fünf Jahre alt war) hat Wunderlich sich emporgesungen. Ein Erinnerungsalbum weist 50 Mal nach, wie einzigartig und weitgefächert Kunst und Können reichten. Von Wagners „Erik“ bis zum Leuchten der „Dichterliebe“, ein Kunstlied Beethovens sang Wunderlich nicht weniger vollendet als er einem mit schlichten Schrammelständchen das Herz öffnete oder seine schlanke, schöne Höhe nach „Granada“ reisen ließ. Noch 50 Jahre danach sind Wiederhören und Wehmut eins.

 
 

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